Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1842 (Pesth)

25 1 «imer voll sehr kleinen, reinen, vorher ffit sich erhitz, ten Kies. Später fand man auch, daß die mit Asphalt gebau­ten Straßen, Chausseen und Trottoirs, sehr Vieles vor den mit Steinen gepflasterten oder mit Kieseln gebauten voraus haben und da wandte man den Asphalt auch auf diese an. Ferner versuchte man es auch mit Glück zur Bin- düng der mit gewöhnlichen Steinen gepflasterten Straßen Asphalikitte zu verwenden. Dadurch wurde das Ganze in eine solide, für das Wasser undurchdringliche Decke ver­wandelt. Daguerre's Erfindung, die Bilder der Ca­mera obscura zu fixiren, oder Daguerre's Lichtbilder. Der Maler Daguerre in Paris machte die so große, so merkwürdige Erflndung, die Bilder, welche von äußerlichen Gegenständen auf eine Flache in der Camera obscura fallen, auf diese Fläche zu fixiren. so, daß sie blei- ben, wenn man diese auch aus der Camera obscura heraus­nimmt, und man haP'die treueste Darstellung der Natur- und Kunstgegenstände mit aller Genauigkeit der Formen, der Perspective und der verschiedenen Schattirunzen. wie dieß selbst die geschickteste Hand des geübtesten Künstlers nicht zu geben vermag Erst nach vielen Versuchen, die Dagnerre, so wie vorher schon Talbot und Niepee, anstettte, um so etwas hervorzubringcn, glückte ihm die herrliche Erfindung, welche darauf beruht, daß eine reine polirte Silberplatte dem Joddampfe ausgesetzt wird, wodurch sich das Metall mit einer dünne» Schicht von Jodfilber überzieht, welche äußerst empfindlich gegen das Licht ist. so empfindlich, daß die Bilder der Camera obscura darauf liegen bleiben. Die Darstllung der Gegenstände auf solchen Daguer- re'schen Bildern ist so vollkommen, daß die Bilder, wenn man ste mit dem Vergrößerungsglase untersucht, selbst die kleinsten Details zeigen, die dem bloßen Auge verborgen bleiben. Ein Reisender sonach, der mit einer Camera obscura und den gehörig zubereiteten Platten versehen ist, und die dabei zu beobachtende Derfahrungsart kennt, braucht selbst nicht zeichnen zu können, um Natur- und Kunstgegenstande aller Art aufnchmen und besser und richtiger, als irgend ein Zeichner ste hätte liefern können. Bei Landschaften hat die Methode die Unvollkommenheit, daß die Bäume etwas un­deutlich werben, lhcils weil die grünen Lichtstrahlen die Materie, womit die Platte bedeckt ist weniger affeiren, theils. weil die Blätter immer etwas vom Winde bewegt «erden , was natürlich den Eindruck verwischt oder etwas verzehrt; aber für stillstehcnde Gegenstände, wie für Häu­ser, Gebäude und Kunstwerke aller Art für Gebirge, Per­spective , auch zum Advilden anatomischer Präparate sst sie unvergleichlich; eben so für Copicn von Gemälden Auch auf Portraikirung har Daguerre seine Erfindung gleichfalls schon angewendet. Weil aber zur Erhaltung ge­treuer Bilder Unbeweglichkeit eine unerläßliche Bedingung ist, so ist es (ehr schwierig. gute und ähnliche PorrraitS zu bekommen. Namentlich wirb zur Aehnl'chkcir erfordert, daß die Gefichkszüge durch ke'nerley Zickungen entstellt »erben und doch ist ein gewisses Blinzeln mit den Augen und Zusammenziehen der Geflchtsmuskeln bei E,m hellen Lichte nicht wohl zu vermeiden. Farbige Bilder erhielt Da- gucrre noch nicht. Es wird aber immerfort an der Ver­vollkommnung der Daguerreotypie gearbeitet und mehreren Gelehrten und Künstlern ist es auch schon gelungen, einige Verbesserungen dabei anzubringen. Allerlei zum Zeitvertreib. Oesterreichische Volkssagen. Sagen vom Münster zu St. Stephan. Fast in Mitten der Stadt Wien ragt St. Stephans hochalterthümlicher Bau mit seinem wunderbaren Riesen« thurme empor, geziert mit mannigfaltigem Bildwerk alter Kunst, mit Wahrzeichen mancher Art geschmückt und von Sagen mannigfach umklungen. 1. Des Mü n ste r s Er ba uu ng. An derselben Stelle, wo jetzt der Dom zu St. Stephan steht, erbaute des heiligen Leopol'' Sohn, Heinrich II., Jasomirgott genannt, um die Mitte des zwölften Jahrhunderts zuerst eine Kirche und weihte sie dem Märtyrer St. Stephanus. Dieses Gotteshaus brannte ab, wurde wieder aufgcbaut und sank im Jahre 1275 zum zweiten Male in Asche. Der Böhmen­könig Ottokar ließ die Kirche non Neuem aufbauen, und in ihr dankte schon 1278 König Rudolph dem Himmel für den ihm über Ottokar verliehenen Sieg. Das folgende Jahr­hundert sah des Tempels Vergrößerung, doch nur langsam wuchs der gigantische Bau. Herzog Albert II. schrieb 1359 von jedem Unterthan einen Groschen Steuer aus zum Mün­sterbau; davon selbst die Kinder in der Wiege nicht ausge­nommen waren. Nicht nur das hohe Hauptportal dieser ehrwürdigen Kathedrale, sondern auch die übrigen Thürcn und Pfeiler der Außenseite sind mit Bildsäulen und andern Erinnerungs­zeichen vielfach ausgeschinück', und cs reden diese Steine von der alten Zeit, von der Väter Sitte und Sinnesart. Bilder des Erlösers, feiner gebenebeitcn Mutter und vieler Apostel, Heiligen und Märtyrer sind, nebst Scenn aus der heiligen Geschichte, an unzähligen Stellen angebracht und dienen den Andächtigen zu ernster und frommer Betrachtung. Daneben ist manches symbolische Zeichen befindlich, das verschiedenkliche Deutung zuläßt; ein Löwenbändiger, ein geflügelt Ungeheuer mit Jungen und vieles Andere. Die Kirche ist ganz aus Quaderstein ausg führt; ihre Wand- pfeiler sind sieben Schuh dick, ihre Länge beträgt 53 Klafter 3 Schuh, die Breite 57 Klafter. Außerhalb dem eisernen Gitter zeigen sich zwei große eiserne Hacken. Das Volk erziblt, der Umfang ihrer Krüm­mung zeige die Grüße dcS Lrvdcs an, die zur Zeit der Er­bauung üblich gewesen. 4

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