Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1839 (pesth)
Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1839. - Allerlei zum Zeitvertreib
35 uns bald wieder sehen, denn du weißt ja, daß ich jeder Schürze nachlaufe.« Der Lieutenant von N. war ein sehr leldentschaftilicher Jäger, und obgleich ein sehr mittelmäßiger Schütze erlaubte er sich doch oft Erzählungen von fast unglaublichen Sachen, die ihn auf der Jagd passtet sein sollten. Als man mehrere dieser Jagdstückchen dem Obersten v. M..., einem sehr geldliebenden Manne erzählte, erwicderte dieser: »Glauben Sie doch das nicht, ich kenne den R.. schon; geben Sie mir 4 Groschen, und ich will 4 Wochen lang W..s Haase sein! Der türkische Gesandte, der unter Ludwig XIV. nach Paris kam, erschien einst in der großen Oper, rauchte, aus einer Loge schauend, seine Pfeife, und spuckte ohne Umstände den Leuten im Parterre auf die Köpfe. Natürlich entstand darüber Lärm. Man murrte, schimpfte; sah allgemein nach des Türken Loge; ja einige Stutzer, deren Damen der'Gesandte bespuckt hatte, drohten ihn sogar mit geballten Fäusten. Der Gesandte ließ sich nicht irren und fragte den ihm vom Hofe gegebenen Kammerherren nur so beiläufig: »»Was wollen aber die Menschen dort unten?« — «Nicht bespuckt fein!« — ,»Na so dürfen sie ja nur Weggehen;« antwortete der Gesandte und rauchte fort und spuckte fort. Als neulich in Magdeburg der Telegraph arbeitete, standen zwei Soldaten auf der Straße und bewunderten das für sie unerklärliche. «Seh' mal! rief der Eine ernstlich, «cs ist gewiß wieder Revolution in Frankreich, der Telegraph schlägt die Hände über den Kopf zusammen.« In der Garnisonkirche zu Berlin wurde unter Mit- «virkung der Militair-Mustkchöre das Oratorium: «Das Weltgericht,« von Schneider, aufgeführt. Dabei war es an mehreren Stellen der Kirche so düster, daß sich ein Zuhörer gegen einen Musiker beschwerte, er könnte den Text nicht lesen. »Gedulden Sie sich nur, mein Herr, sagte dieser, das ist heute nur die Probe; kommt das wirkliche Weltgericht, da wird Ihnen schon der Text gelesen werden.« Eine böse Frau schalt ihren Mann über seine Liebe zum Gelve, und sagte: sie glaubte, daß er nach ihrem Tode im Stande wäre, des Teufels älteste Tvchtktflzu hei- ralhcn, wenn er nur viel Geld mitbekomme. »Das könnte wohl sein, - antwortete der Mann, „aber das Schlimmste dabei ist, daß mau nicht zwei Schwestern h e i r a t h e n darf.« Ein Kranker, der an einem hitzigen Fieber hark darnieder lag, stand zugleich gewaltigen Durst aus. Als die Acrzte vor seinem Bette berathschlagten, wie man wider den Durst ein bewährtes Mittel finden möchte, so sagte der Patient: -Dt eine Herren, sorgen sie nur erst dafür, wie sie mir das Fieber vertreiben; dkn Durst will -ich hernach f d> o u selbst weg bringen.» Ein Student verliebte sich in eines Schmidts Tochter, die ziemlich schön war, und er fand auch bei ihr bald Gehör. Nach einigen wiederholten nächtlichen Besuchen kntHeckte tcr Dater die Aufführung feiner Tochter. Allein um sowohl keinen öffentlichen Lärm zu machen, als auch sich dieses Menschen als seines Schwiegersohns zu versichern, verschwieg er diese Entdeckung nebst seiner dabei gefaßten Entschließung. Er lauerte auf, und hörte am nächsten Abend den Liebhaber seiner Tochter kommen, nun hielt er es für rathfam seinen Anschlag auszuführen. Er ging still in die Schmiede, und machte ein großes Stück Eisen glühend und lief damit nach der Kammer feiner Tochter, die halb tett auf Befehl ihres Vaters die Thür öffnete. Der arme Student hatte sich zwar mit seinem Degen bewaffnet, um Gewalt mit Gewalt zu vertreiben, weil er nicht hatte entfliehen können: aber Himmel, wie erschrack er, da er die Waffen, die er von den seinigcn so sehr nnterschledcn fand und die seiner Erwartung so wenig gemäß waren, erblickte. Er bat flehentlich um sein Leben, und versprach alles, was der aufgebrachte, mit seiner feurigen Zange gewaffnete Schmidt nur forderte, zu erfüfien, Dieß war cs eigentlich, was dieser wollte, «Ihr müßt,« sagte er, «meine Tochter rechtmäßig ehelichen." »Ja, vom Herzen gerne," sagte der äußerst erschrockene Student, der in dieser Bedrängnis' dem Schmidt wohl versprochen hätte, seine Großmutter zu heirathen. »Ja,« sagte der Schmidt, immer noch seine glühende Stange auf dem bebenden Stu- deuten richtend, »»ich muß aber dies schriftlich haben, denn ich kenne euch Herrn zu gm.« «Ja, ja, von Grund der Seele will ich es schriftlich geben.« Nach diesem 23tr)>reiben ging der Schmidt, kühlte sein Eisen ab, steckte ein Licht an, suchte Papier, Feder und Dinte, und nöthigre den Studenten fein eben gethanes Versprechen in Form eines Contracts aufzusctzcn. Dieser hatte sich indessen wieder etwas erholt, und war in äußerster Verlegenheit, wenn er den Schritt erwog, den er machen sollte. Bei der geringsten Weigerung aber fiel ihm immer das glühende Eisen ein; erhielt also für's rathsamste ohne Widerspruch alles zu lhun, so lange er noch in der Gewalt des wüthenden Schmidts war. Er schrieb also den Cvntract nach aller Form. Es fiel ihm aber glücklicher Weise bei, am Ende vi co&ctus (dazu gezwungen), hmzuzusctzen. Der Schmidt las ihn durch, und war mit allem, bis auf diese Worte, däe er nicht verstand, wohl zufrieden. „Es ist dieses,« sagte der Student, »der Vorname meines Großvaters, welchen ich um mehrerer Bekräftigung willen hinzugesetzt.« «Gut mein Sohn.« sagte der Schmidt, indem er den Conlract in seinen Schrank schloß, «jetzt habt ihr weiter nichts zu befürchten.« Der Student ging noch einige Wochen ungestört in-des Schmidts Hause aus und ein: Da aber der Schmidt oft von Hochzeit machen redete, blieb er plötzlich weg. Der Schmidt wunderte sich sehr über die seltsame Aufführung seines vermeinten Schwiegersohnes, allein er verließ sich auf seinen Contract. Da aber der Student gar nicht wieder kam, ging er zu ihm und erinnerte ihn an sein Versprechen, mit der Drohung, die Sache vor Gericht zn bringen. Dieser machte verschiedene Ausflüchte und leere Entschuldigungen, die jem m gar nicht anstanden; er Ik- schloß also ihn zu verklagen und ihat es auch. Der Student ward vor Gericht gefordert. Er berief sich aber e.nf * 5 *