Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1839 (pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1839. - Allerlei zum Zeitvertreib

36 die Ungültigkeit seines Contracts. Der Schmidt, welcher darauf sein ganzes Vertrauen gesetzt hatte, holte und legte f n dem Richter vor. Er erstaunte aber nicht wenig, als er vernahm, daß eben der vermeinte Name des Großvaters seines eingebildeten Schwiegersohns die Ungültigkeit des Contracts ausmachte. Er kratzte sich hinter die Ohren-und sagte: »So hole der Teufel all? Großväter, die einen so verdammten Vornamen haben.» Ein Zvllschreibcr schrieb eine sehr unleserliche Hand. Er sollte einmal einige Zellen erklären, weil er es aber selbst nicht mehr lesen konnte, so sagte er: dazu müssen sie jemand anders kommen lassen, das geht mich weiter nichts an, denn ich bin Zollschreiber und nicht Zvllleftr.» Ein Bootsmann, der aus Ostindien gekommen war, wollte einmal eine gute Mahlzeit, und ging kurz vor Tische $11 einem reichen Gvldschmidt. Er verlangte mit ihm zu sprechen, und f agte, wie viel wohl ein Klumpen Gold vhn« gcfähr halb so groß als sein Schenkel groß wcrrh wäre? »Sehr wohl mein Herr,» erwiederte der Goldschmidt, «wvl- sie wohl so gütig sein und mir die Ehre erweisen, mit mir zu speisen, ich habe jetzt noch einige nothwendige Geschäfte, nach Tische aber wollen wir weiter mit einander sprechen.» Der Bootsmann dankte, und nahm dieses Anerbieten an. Als die Mahlzeit geendigt und die übrige Gesellschaft weg- gegangen war, sagte der Gvldschmidt zu dem Schiffer: «Apropos, wegen des Goldklumpens, wovon sie vor Tische sprachen!» »Ja,« erwiederte dieser, »ich möchte gerne wis­sen, wie viel so ein Ding tuen!) wäre.« — »Haben sie denn ein so großes Stück?» — »Nein," versetzte der Bootsmann, „noch habe ichs nicht, allein mentté der Mü­he werth wäre, so wollte ich mir Blühe geben, eines zu bekommen." Ein Spanier, der nicht unedler als der König zu sein glaubte, ob er gleich sehr arm war, kam in einer finstern Nacht in ein französisches Dorf, in welchem er endlich das einzige Wirthshaus fand. Der Wirth lag mit den Sein!- gen schon zu Bett und schlief, bis er endlich durch den an der Thüre Klopfenden erweckt wurde. »Wer ist da?" rief der Wirih zum Fenster hinaus. „Macht auf," antwortete der Spanier; „es ist Don Juan Pedro, Hermandez, No« driguez de Nillanvva, Graf vvn Malofra, Ritter von Sanct Jago und von Alcantarader Wirth, indem er sein Fen­ster wieder zumachte, erwiederte: „Es thut mir leid, meine Herren, aber ich habe in der Thar nicht Platz, sie alle zu beherbergen." Eiu berühmter Philolog hegte feit langer Zeit den sehnlichen Wunsch, doch einmal in seinem Leben Gelegen- heit zu finden, sich mit einem Griechen in seiner Mutter­sprache unterhalten zu können. Da trat eines Tages seine Magd herein tind berichtete: „es sei ein T h r a c i e r drau­ßen, der mit ihm zu sprechen wünsche." „Ein Thracier! ein Thracier! führ ihn herein," rief entzückt der Sprach, forscher, der sich nun endlich am Ziele seiner Wünsche glaubte. — Ein Mann in schlichter deutscher Tracht, die Mütze in der Hand, trat bescheiden ins Zimmer; aber «och bevor er seinAnliegen Vorbringen konnte, überfluthete ihn der Philolog mit einem Strom griechischer Redensarten. „Ich verstehe sie nicht, Herr Professor," erwiederte bestürzt der Eingctretene. »Nicht? Und sie sind doch ein Thra- cier?" „Ein Drathzieher, Herr Professor! gehör- samst aufznwarten," verbesserte der ehrliche deutsche Hand- werksmann. Herr F. hatte die Gewohnheit, jeden Abend Madame B., eine liebenswürdige junge Witwe, zu besuchen. Seine Gattin starb. „Nun werden Sie wohl Madame B. zrl ihrer zweiten Gattin wählen, bemerkte ihm ein Bekannter, „Gott bewahre," versetzte F., „da wüßte ich nicht, wo ich meine Abende zubringen sollte." Zwei Gerichtsdicncr wurden abgesandt einen Schuld» ner zu arretiren, dieser aber gewahrte sie von seinem Fen» ster aus. Er verriegelte seine Thür und überhäufte sie von oben herab mit Schimpfworten, worüber die Gerichts- diener folgendes Dokument schriftlich anfsctzten: „Herr N. N. hat uns von seinem Fenster herab geschimpft und gesagt: wir wären Schurken, Spitzbuben, Schlin­gel und Esel, welches wir hiedurch der Wahrheit ge­mäß mit unserer Unterschrift bestätigen." Ein geiziger Millionär setzte eines Tages seinen Gä­sten ein ganz kleines Fläschchen ganz alten Rheinwein vor und erschöpfte sich in Lobpreisungen der Güte und beson­ders deS hohen Alters desselben; „ja, ja," lachte einer der Gäste, indem er das Fläschchen in die Hand nahm, „alr ist er, aber für sein Alter ist er gewaltig klein geblieben." Ein Ehemann, den seine Frau krank geärgert hatte, und der am Fieber darnieder lag, wurde von einem seiner Freunde besucht, gerade als seine Ehehälfte sich aus dem Zimmer entfernte. »Nun, wie gehr es? fragte der Ein» tretende. „Etwas besser,„ versetzte der Kranke, „mein Uebel verläßt mich." — „Richtig," lachte der Besucher, „«ch bin ihn so eben auf der Treppe begegnet." Als zum erstenmalc in Berlin Epvntini's lärmende Oper Olympia gegeben wurde, und Alles von der rauschen* den Musik betäubt war, äußerte der Major v. Z... beim Herausgehen aus dem Opernhause, als eben von der gegen­überliegenden Wache der Zapfenstreich getrommelt wurde: „Gott sei gelobt! Endlich eine sanfte Musik!" Im Parterre zu Marseille herrschte eine Zeitlang die Gewohnheit, daß man einem Debütanten, wenn er nicht ansprach, kleine Kupfermünzen aus He Bühne zuwarf, rod­et) cé kränkende Verfahren als eine Andeutung galt, daß man ihn so verabschieden wolle. Ein neu angelangter Schauspieler, dem bet seinem ersten Auftreten diese Dcmü- higung ebenfalls wiedersuhr, ließ sich dadurch nicht abschre- ckeu. Er sammelte die Kupfermünzen geduldig vom Boden I auf, trat vor und sprach zum Parterre gewandt: „Gott j vergelts, meine Herren!" — Die Versammlung war er­griffen, man klatschte ihm Beifall zu und er ward später I der Liebling des.Publikum-.

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