Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1839 (pesth)
Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1839. - Allerlei zum Zeitvertreib
ßen Saale schlafen, wo aber zwei Fenster zerbrochen sind und kein Ofen ist.« Es war ziemlich kalt. «Und zu essen ist gar nichts mehr da,« siel die Magd ein. «Meinetwegen, wir sind satt, gute Nacht.« Der Trupp zog mur- meinb von dannen und wir sendeten ihm ein schallendes Gelächter nach. — Am andern Morgen befahl Ich dem Hausknecht, durch das Fenster rufend, mir einen Barbier zu bestellen. «Kann ich ihnen mefn Rasierzeug offerircn?« fragte mich eine bekannte Stimme aus dem Fenster der Nebenstube. Zch sah hin nach dem Sprecher und erkannte — den einen der beiden Freunde, denen ich das Rendezvous gegeben; des Andern Kopf zeigte sich balo darauf ebenfalls. Sie waren es, denen wir den Streich gespielt hatten. Sie hatten die Nacht entsetzlich gefroren und waren vor Hunger fast umgekommen. Unser allerseitigcs Gelächter ist nicht zu beschreiben. Eine Frau klagte gegen ihren Mann auf Ehescheidung, weil derselbe ganz entsetzlich schnarche. Da nun das Schnar- chen fein Eheschcidnngsgrund ist ^ wurde die Klägerin ab- gewiesen, dem Manne jedoch bei 5 Thaler Strafe aufgcge- ben, in Zukunft sich des ungebührlichen Schnarchens zu enthalten und daß er diesem Jnjuncte Folge geleistet, binnen 14 Tagen gehörig zu deu Akten zu bescheinigen. Ein Bcduinenweib im französischen Lager, welches man befragte, weßhalb sie denn wohl glaube, daß die Franzosen nach Algier gekommen seien, antwortete: «Wir wissen es recht gut. Eine Pest hat auch eure Weiber geraubt, denn wir sehen fast keine einzige hier. Ihr wollt Euch also hier Weiber rauben. Aber ihr hättet besser gethan, nach Tunis zu gehen, denn hier'sinv ste zu häßlich.« Der Knappe Balduins in den Kreuzfahrern, hat auf die Frage der Acbtissin: »Wo ward dein Herr verwundet?« zu antworten: »Vor Nicäa.« Ein Schauspieler, der die Nolle fvMed)t memvrirt hatte, und den Svufleur nicht verstand. antwortete: «Vorn in der Zehe!« Als sich bald nach der Eroberung von Cauada die Wilden empörten, brachte sie der Gouverneur durch List zum Gehorsam und zur Unterwürfigkeit zurück, indem er ihre Häupter versammelte und sie frug: „Ihr zweifelt an meiner Macht? Lernt sie, lernt euren Oberherrn kennen! Man bringe mir ein Gefäß mir Wasser aus dem St. Laurentius-Fluß!« Seine Leute brachten ihm hierauf einen vollen Wassereimer, in den er Feuer warf und das Wasser brauste hoch aus. Die Wilden stürzten zu seinen Füßen und fr ruf: «Seht! eben so verbrenne ich euren St. Laurentius- Fluß, wenn ihr euch untersteht, euch mir zu widerseyen." Im Eimer war aber kein Wasser, sondern Weingeist. Ein Oberster hatte Zeinen Burschen, von welchem er schon oft in Kleinigkeiten betrogen worden war, und dem es jedesmal unheimlich wurde, wenn er das Geläute von Glocken hörte, diesen fragte er einst, woher dies käme ? «Ach! Herr Oberst,,« sagte der Bursche, «denken Sie denn nicht an Ihr Ende, bei den Glocken?« — «Nein!« antwortete der Oberst, «aber wenn ich an den Strang denke, durch den die Glocken in Bewegung gesetzt werden, so denke ich an -ein Ende!« AtS die Retlrade einem Dörfchen vorbekglng, fragte ein junger Herr einen Füsilier, der ohize Gewehr kam, wo er sein Gewehr gelassen hätte? «Herr!« gab ihm dieser zur Antwort, „gegen solche Narren, wie Sie sind, kommt man schon mit der bloßen Faust zurechte j« und gab ihm eine derbe Ohrfeige. Der bekannte Sandmkrth Hofer hatte mehrere vor» seinen Freunden als Offiziere bei seinem Chor angestellt, und hierbei mehr auf persönlichen Muth und Entschlossen» heit, als Geistesfähigkeit gesehen. Einer von diesen, ein Weber aus Zirl, der zum Kapitain creirt worden war, hattr ein so schwaches Gedächtniß, daß er sich stets im Comman- diren irrte. Beim Anfänge der Affaire bei Naunversbevg mit den Baker», commandirte der unter andern, gleich nachdem der unter seinem Kommando stehende Bauerntrupp ab» gefeuert hatte: «Gewehr Schulter!—legt an — Feuer t" — «Ei, Herr Hauptmann, wir haben ja noch nicht miede» geladen!« sagte einer der Bauern. «Nun zum Henker! warum ladet ihr denn nicht?« crwkederte der Hauptmann. "Ich gebe hiermit ein für allemal den Befehl, daß künftighin niemand von euch eher schießen soll, bis er geladen hat!« Wahrscheinlich wollte er damit sagen, daß jeder faden sollte, sobald er geschossen hätte. Zwei jüdische Kaufleute, von welchen Her eine Simon Kuh und der andere Abraham Ochs hieß, reisten von ihrem Wohnorte in Preußen zur Messe nach Frankfurt an der Oder. Als sie an die preußische Stadt N... kamen, hielt der Postillion am Thore an und der wachhabende Offizier trat an den Wagen, um die Einpasskrenden nach Namen, Stand, rc. zu fragen. «Wie heißen Sie?« Kuh. «Und Sie?« Ochs. Der Offizier, den diese Antworten verdrossen, weil er sie für einen unzeitigen Scherz hielt, sagt» darauf: «Nur zu, Postillion, das Rindvieh kann passtrfu.« In K... wurde eine Leiche mit vielem Pomp und unrer einer Leichenmustk begraben. Unter dem Gefolge befand sich auch der Arzt des Verstorbenen. Viele Zuschauer hatten sich versammelt und folgten dem Zuge, angelockt von der schönen Musik. Einer von diesen fragte einen Bekannten: «Können Sie mir nicht sagen, wer der Componkst von dieser Trauermustk ist?^ «Nein,» versetzte der andere, das weiß ich nicht, aber dort geht der Verfasser de6 Textes dazu.« Und er wies auf den Arzt. In einer kleinen Kavallerie-Garnison veranstalteten bei einer feierlichen Gelegenheit die Unteroffiziere einen Ball, zu welchem auch ihre Wirthe eingeladen waren. Auch der Sohn eines dieser Wirthe, ein Friseur, erschien, beging aber in verschiedenen Tänzen so viel Fehler, daß, darüber ärgerlich ein Unteroffizier an ihn heranging und zu ihm sagte: «Herr, wenn Sic mittanzcn wollen, so müssen Sie nicht an ihr Metier denken, und falsche Touren machen»« Ein junger Soldat schickte durch einen Kameraden, der in dem Orte feiner Heimath auf Urlaub ging, seiner dort wohnenden Schwester eine schöne seidene Schürze zum Andenken und schrieb ihr dabei: »Liebe Schwester! dass ich Dir diese Schürzd schicke, sei Dir ein Beweis, daß wir