Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836 (Pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836. - Allerlei Zum Zeitvertreib

35 weideten Manschen gepackt hat, der fie zu erdrosseln im Begriffe steht. Letzterer war diesem Schicksal nur dadurch entgangen, daß er seinen Hals, in den das ergrimmte Thier seine Zähne wuthend einschlug, mit seinen Händen und Armen bedeckte. Das von allen Seiten herab träu­felnde Blut hatte den Unglücklichen in einen Mitleid erre­genden Zustand versetzt. Vergebens rief der Edelmann sei. nen Hund mit lautem Geschrei) zu sich, erst nach vielen Liebkosungen und Schlagen brachte er cs dahin, daß svl- cher von seiner Beute abließ. ' Zndeß kannte er die Gutmüthigkcit des Hundes zu wohl, als daß sein Betragen bey diesem neuen, so seltsa­men Abenteuer ihn nicht auf sonderbare Gedanken führen, und einen heftigen Argwohn in ihm hätte erwecken sollen. Er ließ jedoch den Unbekannten, dem er das Leben geret­tet hatte, nichts hiervon merken; vielmehr suchte er ihn wegen des ihm zugestossenen Unfalles unter wiederholten Entschuldigungen zu trösten, und, indem er seine Wunden verband, versprach er, ihn auf seine Kosten heilen zu las­sen. Er vermochte ihn zu diesem Ende, mit in's nächste Dorf zu gehen, indem er sonst Gefahr laufen würde, sich den Anfällen des furchtbaren Hundes auf's Neue ausge- sctzt zu sehen. Unterwegs verlor die Dogge ihren Mann nicht aus den Augen. Als nun der Edelmann mit ihm ins' Wirths- haus gekommen war, fragte er sogleich nach dem Wund­arzt des Ortes. Als er aber vernahm, daß sich kein sol­cher daselbst befinde, so warf er sieh unter dem Vorwände zu Pferd, daß er aus eiyem einige Meilen von dem erster« entfernt liegenden Orte einen herbey holen wolle, wvbey er dem Wirth empfahl, den Verwundeten nicht aus dem Gesichte zu lassen. Eine halbe Stunde nachher kam er in Begleitung eines Eonstabels, dem ein Trupp Gerichtsdie- jwr folgte, zurück. Sobald der Cvnstabel und der Ver­wundete einander erblickten, waren sie beyde nicht wenig betroffen. »Es ist wohl nicht Ihr Ernst,« sagte Ersterer zu dem Edelmann, »das ich den Herrn da als einen Ver­brecher verhaften soll? Ich kenne ihn als einen wackern, rechtschaffenen Mann; er ist mein Nachbar, und gehört sogar unter meine Freunde." — »Und wäre er Ihr Bru­der, so klage ich ihn hiermit als den Urheber des Mordes an, der in jenem Walde, durch den ich gekommen bin, verübt worden ist. Thun Sie also ihre Schuldigkeit." — Man denke sich die Lage des Verwundeten, als er dieses Gespräch mit anhörte. Schwankend zwischen Furcht und Hoffnung, und ungewiß, welcher von bcyden, der Edel­mann oder der Eonstabel, den andern zum Schweigen brin­gen würde, befand er sich im eigentlichen Verstände zwi­schen Tod und Leben, als auf ein Mahl ein neues Zwi- schenereigniß dem Streit ein Ende machte. Bey der An­kunft iw Wirthshanse war der Verwundete, in dessen. Körper die überstandene Gefahr seiner Wunden und die hinzu gekommene Ermüdung eine heftige Erschütterung be­wirkt hatten, von einem Fieber befallen worden, das ihm das Bett zu hüthen nöthigte. Während dem Wortwechsel zwischen dem Edelmann und dem Eonstabel hatte Ersterer be merkt, daß sein Hund die Tasche im Nocke des Kranken, den dieser auf einem Sessel hatte liegen lassen, unaufhör» lich beroch. Da dicß den Argwohn des Edelmanns ver- mehrte, so gerieth er, um sich Licht in der Sache zu ver« schaffen, auf dem Einfall, diese Tasche zu durchsuchen, woraus er auch wirklich ein Schnupftuch und ein Messer, beyde mit Blut bedekt, hervor zog. Er reichte solche dem Eonstabel, der sie sofort an ihren Zeichen erkannte, und ausrief: »Gerechter Himmel! Dieß ist eines von den Schnupftüchern meiner Tochter! Elender! Solltest Du ruchlos genug gewesen scyn, sie zu ermorden? Ich sagte Dir gestern, daß sie einem meiner Gläubiger 50 Guineen überbringen würde." — Der Edelmann unterbrach ihn hier, indem er sich nach dem Alter seiner Tochter, ihrem Wuchs, Aussehen und Anzug erkundigte. Nachdem der Cvnstabel ihm über alle diese Puncte Auskunft ertheckt hatte, so rief er aus: »Zweifeln Sie nicht, cs ist diesel­be Person, die ich im Walde ermordet gefunden habe. Verlangen Sie noch weiteren Beweis, so lassen Sie ihn genau aussuchen, und ich wette, daß man die 50 Guineen bey ihm findet.« So wenig der Cvnstabel der ersten Anf- forderung des Edelmanns Gehör gegeben hatte, so thätiq zeigte er.sich jetzt bey den ersten Worten jenes Vorschlags. Ev. selbst durchsuchte den Verwundeten, bey welchem auch wirklich die 50 Guineen, in ein, von dem Vater des un­glücklichen Mädchens verfertigtes, Beutelchcn eiugewickclt, gefunden wurden. Der Verbrecher wurde sofort gefesselt, und man begab sich nach dem Walde, wo die Unthat ge- schehen war. Welch ein Schauspiel für den Vater, als er seine geliebte Tochter im Blute schwimmend, und ihre» Busen von Messerstichen durchbohrt erblickte! Der Leichnam wurde nun in's Wirthshans gebracht, und öffentlich vor dem Verbrecher ausgestellt, welcher nicht allein sein Verbrechen bekannte, sondern auch gleich vor den Anwesenden die göttliche Gerechtigkeit bewunderte, die, itibnii sie durch ein eben so verständiges als wüthen- des Thier seine Entdeckung und Festhaltung bewirkte, dem Verbrecher die Strafe auf dem Fuße nachsandte, und ihm nur darum das Leben für den Augenblick gefristet zu ha­ben schien, damit seine Hinrichtung Andern zur Warnung dienen mochte. Die chinesische M a u e r. Der Reisende G it tz- laff' giebt folgende Details über dieses schon vor 2000 ‘ Jahren erbaute Riesenwerk: »Das Fundament besteht aus ungeheuer«, mit Mör­tel einfach zusammengcfügten Steinblöcken; der über der Er.de sich erhebende Theil hingegen ist aus Mauersteinen er­richtet. Da wo die Mauer durch Felsen gebildet ist, die man nicht zu Pferde erklimmen kann, mißt sie nicht mehr als 15 oder 20 Fuss Höhe, wo sie aber ein Thal oder einen Fluß überschreitet, ist sie 30 Fuß hoch und mit gro­ßen viereckigen Thürmen versehen.« »Der schotl'fche Gelehrte Barrow hat berechnet, daß; die Mauer 1500 Meilen (etwa 500 französische Meilen) lang ist und ihr Material hinreicht, sämmtliche Haufer, Palläste u. s. w. des gegenwärtigen Englands und Schott- ; I - 5* 1

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