Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836 (Pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836. - Allerlei Zum Zeitvertreib

tands damit zu erbauen. Die Zahl dieser Gebäude schätzt Herr Narrow um seiner Darstellung den möglichsten Grad von Genauigkeit zu geben, auf 1,800,000, deren jedes 2000 Fuß Mauerwerk enthält. Er fügt hinzu (sagt Gutz- (aff, der das seltsame Dokument hcrausgegeben) daß in feiner Berechnung die Thürme der großen Mauer nicht mit begriffen sind, und diese eben ausreichten, eine so bedeutende Stadt wie London davon zu erbauen. Das ist noch nicht Alles. Wenn die Dimension dieser enormen Stelnmasse, der chinesische Wall genannt, auf 12 Fuß Höhe und 4 Fuß Dicke zurückgeführt werden könnte, so würde sie lang genug sein, den ganzen Erdball in feinem Mittelkreise zu umfassen !!!“ „Der große Canal ist auf derselben riesenmäßkgen Ba- siS angelegt, und durchläuft, ohne auf irgend ein Hinder- niß zu stoßen, gegen 600 Meilen von seiner Mündung an. Dr. Morisvn versichert, das 170,000 Menschen bei seiner Erbauung beschäftigt gewesen sind.« Die Verthcidigung. Herr N. wurde vor Gericht gezogen, weil er seinem Schuldner eine Ohrfeige gegeben hatte, und verlhcidigte sich allso: »Ich habe von Herrn K. die mir schuldigen 100Thaler verlangt, da er mir aber erwiderte, er richte sich nach seinem Nachbar, der ihm auch nicht zahlen wolle, so habe ich mich ebenfalls nach meinem Nachbar gerichtet, der mir vor mehreren Tagen eine Ohr­feige gab. Galliger Brief einer getadelten Sängerin. Bekanntlich ist eine Sängerin selbst gegen den leisesten Ta- Hel so empfindlich, daß man annchmen kann, eine gereiz- te Löwin vergesse eher eine Beleidigung, als eine getadel­te Sängerin die geringste, kritische Ausstellung von ihrer Gesangbildung. Im Jahre 1833 schrieb ich während meiner Anwesen­heit in L. zahlreiche Kritiken über das Theater, besonders über die Oper. In diesen Kritiken hatte ich oftmals Ge­legenheit, Mad. 36., die erste Sängerin der Oper, wegen ihres Detonirens, wegen ihrer undeutlichen und falschen Aussprache, wegen des sogenannten Ziehens der Tone in einander, das oft wie das Heulen des Schakals und noch öfter, wie das Legato einer schrillenden Wetterfahne klang, wegen ihrer Mundstellung, die oft — salva venia — der Maulsperre glich, wegen ihrer oben zu wcit ausgeschnit­tenen Kleider, die kein geringes Aergerniß gaben u. s. w. «. s. w., zu tadeln- Es war daher natürlich, daß mich der Gemahl der Mav. H. anfänglich zu Tische lud, ein gewöhn­liches Mittel der Sängerinnen, wenn sie sich von einem Re- censcnten getadelt sehen. Da ich aber die mehrmals wieder­holte Einladung nicht annahm, so erfolgten Drohungen von Seiten des künstlerischen Ehepaares, die von der Bildung desselben deutlich zeugten, mich aber nicht im Geringsten zu schrecken vermochten. Meine Kritiken gingen ruhig ihren Gang fout. Ei nes Abends, als ich ruhig nach Hause zurückkehre, tritt mir plötzlich an einer Straßenecke eine verhüllte weib- tiche Gestalt entgegen, giebt sich als Mad. 36. zu erkennen, und fordert mich unter den heftigsten Vorwürfen auf, sie nach Hause zu begleiten, und dort ihr Arien und Scene» vorzusingen, die ich bei ihrem letzten Auftreten so arg ge­tadelt hatte. Hierdurch sollte ich beweisen, daß ich besser zu singen verstehe als Mad. H. ES versteht sich von selbst, das ich nach wenig Worten die gleich einer Erynnie wü- thende Prima Donna stehen ließ und meines Weges ging, Nu n erhielt ich Tags darauf folgenden Brief, der je­denfalls aus der sehr gebildeten Feder der getadelten Prima Donna floß, und den ich hier mit tdiplvmatischer Genau­igkeit wiedergebe: Sie niederträchtiger Ne zen zent! Schämen Sie sich denn gar nicht in ihre Schle rein, eine juhre Sengerinn immer in daß Thageblait so schlecht zu machen und sie im­mer zu prostuircn! Aber es kvmr eine Zeit wo Sie ihren vertientcn Lohn kriegen werten. Ich habe mir schon die Schwintsucht an Hatz gcärehert und ich will Ihnen hiermit gesagt haben, das so eine Behandlungsart sich nicht vvr einen ordentlichen Rezenzcnten noch for eine gute und an- stentiqe Sengerinn ziehmt. Bedenken Sie mein Herr, daS die Sengerinn schon lange Mutter ist und erst for kurzer Zeit verheiratet bat, und das der Mann sie zur Rede ste­hen wird und ich gebe ihnen diß alles zur reiflichen Über- lehgung und erwarte von Ihnen, das Sie ihr Betragen ge­gen anstendiche Kinstlerinnen entern und besern werten. Tun Sie das nicht, so werten untere Massrechcln gegen sie ergrisen werten, um sie zu zwingen eine anstentiche Sen­gerinn nicht zu maltcrtircn und zu for das Pnplikum bloß < zu stellen. Bedenken sie dieß alles!!! N. S. Entern sie Sich! woh nicht so kommen antcre Folgen ! t Í t Milch und Dukaten. Der Ober-Cvnsistorial-Rath Z— befand sich mit elnigen Bekannten in einem öffentli­chen Garten. Unter den Letzteren war auch ein jüdischer Gelehrter. Die Gesellschaft hatte sich einige Portionen Kaffee geben lassen, und Z—, der das Amt des Einschenkens über­nommen hatte, faud, das die Milch sehr durch Wasser ver­dünnt worden war. »Ei, ei, die Milch ist auch sehr getauft!« sagte er zu dem Mädchen, das den Kaffee gebracht hatte, in ei­nem halb strafenden, halb scherzenden Tone. Der jüdische Gelehrte faßte dies auf und erwiederre: »Wie können Sie als ein Christ, und noch dazu als eia Geistlicher, den Ausdruck kaufen bei einer Handlung des Betrugs gebrauchen. »W arum nicht?« antwortete Z—, »da die Rede von Milch war, sprach ich von der Taufe; wäre von Dukaten die Rede gewesen, so würde ich freilich von der Beschnei­dung gesprochen haben.« Der Hund mit den Beinkleidern. Als eines Tages Herr Dümont, Kaufmann in der Straße St. De­nis , mit einem Freunde auf dem Bollwerk St. Antoine spazieren ging, wettete er, daß sein Hund einen Sechsli- vresthaler, den er im Staube verstecken wolle, auffinden, und ihn bringen würde. Die Wette wurde eingegangen, und der Thaler versteckt, nachdcm man ihn zuvor sorgfältig bezeichnet hatte. Als die beyden Freunde sich eine Strecke

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