Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836 (Pesth)
Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836. - Allerlei Zum Zeitvertreib
«er Feinde pyramidenförmig vor sich aufthürmen, und konn- re dies gräßliche Schauspiel stundenlang betrachten. Die Hohenstaufen besonders F r ie b r i ch l. und II. Konrad und Kvnradin liebten und beförderen Künste und Wiffenfchaf- tcn, und sind selbst als Dichter für ihre Zeit von Bedeutung. Luther war ein Freund von »Wein, Weib und Gesang.« Gustav Adolf spielte gekN Schach und verschiedene Kartenspiele. Wallenstein liebte die Astrologie. Heinrich IV. von Frankreich schöne Mädchen und zwar wo möglich Alle, Crvmwell die Einsamkeit, weil er alles Lebendige fürchtete, und Elisabeth von England, die »jungfräuliche Königin« schöne Männer, denen sie oft ohne Verdienst, nach Verhältniß ihrer Qualificati- vn zum Spielzeuge in ihrer launischen Hand, die höchsten Staatsämter verlieh. Friedrich der Große blies die Flöte und liebte die französische Sprache und Literatur, während er die deutsche Sprache verachtete. Auch machten ihm seine Hunde viel Vergnügen. Napoleon unterhielt sich gern mit Künstlern aller Art. War er sehr aufgelegt, so neckte er oft mmhwilkig seine nächsten Umgebungen. Beethoven liebte die freue Natur, las Klvp- stock, Göthe und einzelne historische Schriften. Mozart spielte mit seiner Frau Billard, rechnete (er war einer der ausgezeichnetsten Arithmetiker seiner Zeit) und trank. Spinoza, der schärfste Denker aller Zeiten, stellte zu seinem Vergnügen philosophische Forschungen an. Um sein Leben zu fristen, schliff er Brillengläser. Schiller spielte gern Karten, liebte Freundschaft und den Umgang mit Freunden, in deren Gesellschaft er mancher Champagner- flasche den Hals brach. Der Nagel. In einem kleinen Dorfe unweit des Schlachtfeldes von Waterloo, befindet sich ein armseliges Wirthshaus, von welchem behauptet wird daß Napoleon während der denkwürdigen Schlacht einige Augenblicke der Ruhe darin gepflegt habe; wenigstens versichert der Eigen- thümer desselben, baß der Kaiser, kurz nachdem er irriger Weise den Vortrab eines preußischen Corps für bas von Grouchy gehalten, in das Gasthaus getreten sei und. den Schweiß von der Stirne wischend, seinen Hut mit der Übeln Laune eines Menschen, der unglücklich im Spiele gewesen, an den Nagel gehängt habe. — Als daS Schlachtfeld nur blutige Ueberreste darbot, als die Uebeewinder Belgien verließen, um sich ihres Sieges zu freuen, und der Ocean den Ucberwundcncn von Europa trennte, strömten Menschen herbei, die historisch gewordenen Haideflächen und Hohlwege in Augenschein zu nehmen. Das Trauerbild wurde mit den verschiedenartigsten Gefühlen betrachtet. Manche schritten triumphircnd über die entseelten Körper hinweg. Manche zeigten Gleichgültigkeit, Manche — und gewiß der größte Theil — Mitleid. Andere wieder, suchten spccul'rend nach Ehrenzeichen, womit viele der Ge- dlicbencn geschmückt waren, und brachten sie in den Handel. Ein schottischer Schriftsteller hatte einen ganzen Vorrats) gekauft. Unter den Neugierigen waren viele Engländer, die sich die verschiedenen Plätze zeigen ließen und nach dem Details der Schlacht erkundigten. Hier war die Stelle, wo die Garde stand, dort warf die Cavafferie sich auf die Batterien, hier ging die Infanterie in das mörderische Feuer! — Zuletzt kamen die Schaulustigen nach dem er» wähnten WirthShause, dessen Bewohner sie schon erwartete. »Mylord!« sagte er zu einem Engländer, »sehen Sie hier diesen Nagel? nicht für hundert Guineen gebe ich fei» nen verrosteten Kopf weg!« Er erzählte hierauf die Geschichte von Dntt Hut Napoleons. Der Gentleman bot 2 hundert, 3 hundert Guineen, endlich trug er den kostbaren Talisman davon. Ein a n d e ne r Nagel kam in seine Stet- le. Dem Lord folgte ein Baronet, diesem ein Bürger von der City u. s. w. Keiner verließ das Haus ohne einen Nagel, der nicht theurer bezahlt werden konnte, und wäre er von Gold gewesen. Der schlaue Gastwirthaber —machte sein Glück. Der Gerechte Fürst. Ein gräßlicher Moi'dtha- ten überwiesener junger Mann wurde zum Strange vecur- theilt, seine Verwandten appcllirtcn an die Gnade des Königs und sagten unter Andern: der junge Mensch habe stets ein unverdorbenes Herz gehabt, und nur sein Kopf sei von schlechten Gesellschaften verführt worden. — Der gerechte Fürst emittierte hierauf: »dem Delinquenten blei- be das gute Herz unbenommen, und nur den verführten Kopf verliere er auf dem Schaffotte, Der Hund als Ankläger. Ein Edelmann wollte einen seiner Freunde in der Gegend von Coventry in der Grafschaft Warwik besuchen» Er war nur noch einige Meilen von diesem Orte entfernt, und ging durch ein Gehölz, das sich längs der Straße hinzog. als ein Ereigniß der traurigsten Art ihn stille zu stehen nölhigte. Sein Hund, eine große und starke Dogge, die ihn auf allen seinen Reisen begleitete, hatte sich von der Heerstraße entfernt. Auf einmahl hörte er ein solch entsetzliches Geheul erheben. Er muthmaßte, daß sich etwas besonderes zugetragen haben möchte, und, um sich näher hiervon zu belehren, ging er in den Wald hinein, und gerade auf die Gegend zu, von wo ihm die Stimme seines Hundes entgegen scholl. Er sah nun, wie derselbe das Gesicht eines jungen, in ihrem Blute schwimmenden Mädchens leckte und beroch. Bey diesem Anblick sprang er, von Mitleid durchdrungen, vom Pferde, um zu sehen, ob noch Rettung möglich wäre. Als er jedoch ihren Busen mit mehreren Messerstichen durchbohrt, und sie gänzlich entseelt fand, ging er seufzend seines Weges weiter, gelobte sich aber selbst, ihren Mörder, falls er ihn treffen würde, der Gerechtigkeit zu überliefern. Kaum war er einige hundert Schritte weit fortgegangen, als ein durchdringendes Gcschrcy, wie von einem Menschen, der im Begriffe stand, von einem wilden Thiere erwürgt zu werden, ihn stille zu stehen nöthigte. Als er sich umwandte, um zu sehen, ob sein Hund ihm folge, erblickte er diesen nicht. Er ruft ihn, und der Hund antwortet durch ein zorniges Geschrei), dergleichen diese Thiere auszustossen pflegen, wenn eine Beute,^bie sie fest hat« ten, ihnen zu entwischen droht. Der Edelmann eilte her» bey, und steht, daß seine Dogge einen ziemlich wohl g»-