Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836 (Pesth)
Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836. - Allerlei Zum Zeitvertreib
33 Der Laudkutscher. Zu einem liederlichen Land» futscher sagte einst Jemand: «Mein Freund! Er hat in seinem Leben dvch sv Vieles geführt, versuch' Sr es doch einmal, ein ordentliches Leben zu führen.« »Ei!« envi« derte Jener, ich kann nur Passagiere brauchen, die Trinkgeld geben. Zeitungs-Artikel aus dem Krähwinkler Correspondenten. Wie es verlautet, so hat unser wohlweise Magistrat beschlossen, den prvjektirten Bau eines Narrenhauses für die Stadt Krähwinkel vorläufig noch auszusehen , und die Narren, wie bishero, im Rathhause un- terzubringen. — Gestern ist der Antrag des Herrn Senators von X., daß nähmlich die Rathödiener statt der bisherigen grauen Kamaschen nunmehrv schwarze tragen sollen, in öffentlicher Sitzung mit 30 Stimmen gegen L9 durchge- gange». — Da unter den Einwohnern unserer Stadt tue Furcht vor Prozessen seit einigen Jahren sv sehr überhand genommen hat, daß schon die mehrsten Cvntroversfälle durch Vergleiche geschlichtet werden, so hat Magistratus zu Gunsten der hiesigen zahlreichen Rechtsgelehrten eine Advvkatcn-Steuer ausgeschrieben. — Unser als Magnetiseur berühmte Arzt, Doktor j)., welcher zugleich, wie bekannt, ein talentvoller Dichter ist, wird, statt des bishcrv gewöhnlichen Manipulirens, blos das Vorlesen seiner Ge» dichte anwenden, um seine Patienten in Schlaf zu bringen.— Wegen der fast täglich sich mehrende» Fluth von Zeitschriften hat Magistratus befohlen, daß Jeder, der ein neues Journal herausgkben will, zuvor ein Zeugniß produciren muß, daß er auf dem l iefigen oder einem auswärtigen Gymnasium wenigstens bis Quinta gekommen ist. — Bei der letzten Aufführung der Oper „viel Lärm um Nichts,« ist durch die Gewalt der Tvnmassen eine Wand des Opernhauses eingestürzt. — Die in unfcrm Nachbar- Staate grassirende Rindvieh-Seuche ist nun leider auch bei uns ausgebrochen. Wie man vernimmt, so ist die Ansteckung durch einen Beamten, welcher zum hiesigen Ochsenmarkt hier war, mit herübergebracht worden. — Don den Sträflingen unseres Zuchthauses find zwei, welche -ihre Strafzeit abgesessen haben, mit einer Bittschrift eingekommen, worin sie um Erlaubniß zur Verlängerung ihres Aufenthalts in der Anstalt bitten. — Da kürzlich wieder zwei talentvolle junge Dichter verhungert find, so hat Magistratus beschlossen, eine Armenspeisuugs-Anstalt anzulegen. — Unser große Philosoph, Professor Z., hält jetzt Vorlesung über die Kunst, über seinen eigenen Schatten zu springen. — Um das häufige Tollwerben der Hunde zu verhüten, dürfen die Currende-Schüler nicht mehr auf den Straßen fingen, auch keine Leierkasten sich hören lassen.— Das Honorar. Der berühmte I)r. Heim, kürzlich m Berlin gestorben, erzählte gern folgende Anekdote du6 feinem Leben. „Ich werbe eines Tages zu einem Weber ln der Wilhelmstraße gerufen, fahre hin, klettere drei kreppen hoch, und finde eine gefährlich kranke Frau inmit* "n der bittersten Armuth. Ich verschreibe Mediein und gebe dem Manne Geld, um sie fertigen zu lassen. Dies wiederholte ich, so oft ich kam. Die Frau bessert sich und bedarf die Stärkung; ich gebe dem Manne deshalb dann und wann eine Flasche Wein aus meinem Keller. So vergehen sechs Wochen, und die Frau ist gesund. Da klvpft's, eben als ich ausfahren will, eines Morgens an meine Thürg der Ehemann der Genesenen tritt herein, und fragt mich, was er schuldig sei. Ich antwortete ihm, er möchte es nur gut sein lassen. »Ne!« meint er, »da kennen Se mir noch nid), Herr Geheimderath! Jeden det Seine; ick dhue voch nisd)t umsonst.« — »Laß er nur Sein!« rufe id) und will gehen. »Ne, ne!« antwortete er und hielt mid) fest, »ick muß det erst abmachen!« — »Nun so gieb mir einen Tha- ler!« sage id) zum Scherze. »Einen Dhaler?« wiederholte er, und sieht mid), während er in die Westentasche greift, staunend an. »Ad), Herr Jeheimderath.' Ick däd)te 16 Irvschen wär' n w v l l o o d) jenu ch!« — (Die ihm hierauf gereid)tcn vier Vicrgroschensiücke nahm Heim, und behielt sie als Whistmarken.) Warn m wurde ein tapferer Kriegsmann auf seinem Sterbebette zaghaft? Ein alter General, der bei; mehr als zwanzig Sd)lad)ten und zahllosen Sd)armüyeln Beweise der größten Tapferkeit gegeben hatte, betrug fid) auf dem Sterbebette so kleinmüthig und zaghaft, daß der gegenwärtige Auditeur nicht umhin konnte, seine Verwunderung darüber zu bezeugen. »Ich begreife nicht,« sagte er, »wie Sie jetzt den Tod so fürd)ten können, da Sie fid) ihm dod) so oft mit der größten Ent- sd)tossenheit freywillig ausgesetzt haben!« »»Ja, mein Freund,«« antwortete der alte Krieger, »»das ist ganz was Anderes; auf dem Schlachtfrlde wurde id) bezahlt, hier aber giebt mir kein Mensch einen Heller. Lieblingsbesd)äftigungen großer und berühmter Männe r. Alexander der Große las die Jliade, soff sich voll, und beging in diesem Zustande Thateu, die er bei nüchternem Geiste bereute. Sokrates soll ein Freund der gried)isd)en Liebe gewesen sein. Hannibál, der gewaltige Carthager, träumte selbst in seinen Mußestunden von seiner den Römern geschworenen Rache, die nur mit seinem Leben endigte. Publius Scipio Africanus liebte die Fischerei. Marius Saufgelage und Balgereien, wo er seine Körperkraft geltend mache» konnte. Sulla trieb die Wollust bis zur Nebersättigung, und versd)uldete so seinen grauenvollen Tod. Cäsar duftete als Jüngling von Salben, und war in der zierlichsten Toga der berüchtigtste Zier bengel und Schuldenmad)er Roms. Als der Erdkreis besiegt zu seinen Füßen lag. besdirieb er geistreich und in musterhafter Sprad)e seine Feldzüge. Augustus war in allen Angelegenheiten ein Schauspieler. »Klatscht in die Hände, meine Freunde, meine Rolle ist geendigt,« rief er, als er im Sterben begriffen war. Attila war von der Mordgier so besessen, daß er in seine» Mußestunden gefangene Männer und Weiber eigenhändig mordete. Karl Martell liebte das Ballspiel Karl der Große übte seine kräftigen Hände vorgeschriebene Buchstaben nachzumalen, um schreiben zu lernen. Dsch i u g i s - C h a n ließ zu seiner Ergötzung Tausende von Schädeln erschlag.e< l