Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836 (Pesth)
Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836. - Allerlei Zum Zeitvertreib
32 Der aufgehobene Nock. Eine Dame halte ihren Überrock in die Damen-Garderobe zum Aufheben gegeben. Nach Beendigung des Balles suchte sie das Garderobezimmer , öffnete aber aus Versehen die Thur eines anderen Zimmers, in welchem die Hrn Advocaten ihren Winterclub zu halten pflegten. Sie erschrack und rief: »Ach! ich bin wohl hier unrecht?« «„Zu wem wollen Sie?«« »Ich wollte in das Zimmer, wo man uns fole Röcke auf hebt.« D i e Beruhigung. Eine Frau beschwerte sich bei ihrem Manne darüber, baß ihre Nachbarin sie häßlich gescholten habe, und forderte ihn aus, sich ihrer anzunehmen. Sei ruhig mein Kind, sagte er, das Geschwätz der Nachbarin wird dich nicht häßlicher machen als du bist. Die zum Tanz aufgezogene Dame. »Ich danke Ihnen recht sehr!« erwiederte eine Dame den sie zum Tanz auffordernden jungen Herrn, »ich habe schon zwey fahren lassen; tanzte ich nun mit Ihnen, da möcht' eö Stänkeret) geben.« Begreiflich. »Mir starb nun schon seit Jahr und Tag — ich spreche Die Wahrheit — Fein Patient I« — An Altersschwäche? Der Knochen Dieb. Ein Junge der von einem Fleischer, beim Diebstahl ertappt und hart dafür geprügelt wurde, rief endlich vor Schmerz und Unwillen: »Glaubt er denn, daß ich meineKnvchen gestohlen habe?« »Nein," antwortete der Fleischer, aber meine hast du. gestohlen!« In Petersburg erscheint ein »Eonveriations-Lexicon.« ln russischer Sprache. 150 Gelehrte und Literaten nehmen Theil daran; die Herausgabe besorgt Hr. A. Pluchardt. Ein Kaufmann in Thames-Street, hat ein neues Mittel erfunden um zu seinem geliehenen Gelbe zu kommen. Er hat nämlich die Namen seiner Schuldner samt den Conto'« auf eine große Tafel geschrieben und diese an seinem Fenster ausgestellt. Gott! wenn unsere Weinhändler und Schneider aus diesen Einfall kämen! ^Der englische Arzt, Dawid Bodham, hat das Klopfen und die unregelmäßigen Schläge des Herzens einer Frau in Glasgowcr Spital in Musik gesetzt, und aus dieser Herzenskrankheit einen sehr originellen Walzer gemacht, nach welchem sich namentlich die V e r l i e b t e n gern herumdrehcn. AufSaut den Wirth. Zum gold'nen Fuchs, dem großen Einkehrhaus Ließ Wasser stets der Wirth in's Weinfaß rinnen Es bleiben ihm daher die Gäste aus; Hm diese wieder zu gewinnen Ließ er bei Seite das Verdünnen; Ei n Gast rief aus: »Bekehrt ist Saul,« Ihn rann das Wasser jeht in's Maul. Desto besser.. Zu einem zudringlichen Liebhaber sagte ein Frauenzimmer: »Sie sind der Letzte, den ich lieben würde.« — »Desto besser,« erwiederte jener, »ich oer- Cinae aar nicht, daß Sie nach mir noch Einen lieben sollen.« Der Vatzenkkppek. Zn Wien braucht der gemeine Mann das Wort Batzenlippek, tun einen dummen Men- scheu anzuzeigen. Einst nannte Jemand einen Italiener einen Batzenlippel. — ,,Was ioins das?" fragte dieser. »Nun« erwiederte der Andere, »Batzen ist eine Münze, welche 4 Kreuzer gilt, und Lippel heißt so viel als Philipp.« »Ach nun versteh' ik'« versetzte der Italiener »If soins also un Filippo di quatro carantani. Ein Lei'nwandfabr.kant in London hat einen Weber- stuhl erfunden, auf welchem 10—100 Ellen breite Leinwand, Tuch u. s. w. gewebt werden kann. Mensch und Thier. Jemand, der mit einem Trunkenbolde zusammen war, wurde von diesem unaufhörlich zum Trinken aufgefordert. Er wendete ein, daß ex keinen Durst habe. »Ei,« erwiederte der Saufbold, »welchen Unterschied gäbe es den sonst zwischen Mensch und Thier, wenn der Mensch nur immer trinken wollte, wenn er Durst hat.« Versöhnung. Ein bekannter Trunkenbold ließ sich auf seinem Todtenbette ein Glas Wasser bringen. Er trank es und sprach: »In der Sterbstunde muß man sich auch mit seinen Todfeinden aussvhnen. Gehörprobe. Der Kapellmeister N. war sehr zerstreut. Einst, nachdem er einige Griffe auf dem Pianoforte gethan, lies er eiligst zur Stubenthür hinaus, um zu hören, wi? sich die neue Komposition von Weitem ausnähme. Er kann von Glück sagen. Einige Zeit vor Talma's Tod, las ihm ein junger Dichter sein Lustspiel vor. Talma hörte ihn sehr ernst zu und verzog keine Miene. Am Ende des zweiten Akts sagte der Vorleser: »Hier lacht der Graf.« — »Er kann von Glück sagen f« rief Talma ans. Die Schwimmer. He da! wer kann schwimmen? rief Jemand, der über die Donau setzen wollte, und sogleich umringten ihn die Schiffer und schrien: »ich Herr, ich! »Bloß Einer blieb in der Ferne stehen. »Kannst du nicht schwimmen ?« fragte ihm der Mann. »Nein, nein, mein Herr!« — »Nun so führe mich über.« Bemerkung. Beider Aufführung des großen Eon- eertes von Händel »Belsazer,« ging jemand nach der ersten Abtheilung fort. Dem gefällt auch der Strauß besser, bemerkte Einer, dieses rügend. I! nu, was ist aber auch ein Hendel (Händel) gegen einen Strauß, entgegnete ein Witzling. Kingston und derOfficieraufRu hegehalt. Bey einer Parlementswahl zu Shrewsbury ließ einer der Bewerber. Namens Kingston, einen auf Ruhege- halt gesetzten Ofsi'cier aus London auf seine Kosten dahin reisen, um ihn für sich stimmen zu lassen. Der Of- ficicr war bey allen Gastmählern, die Kinaston gab; aber als cs zum Stimmen kam, gab er seine Stimme dem ; Gegner. Man machte ihm Vorwürfe darüber.^ »Meine Herren," antwortete er, »ich habe viele Feldzüge mitgemacht, und ich erinnere mich sehr gut, daß unser Gene- ! ral uns immer empfahl, im Feindesland zu fouragieren,«