Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836 (Pesth)
Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836. - Allerlei Zum Zeitvertreib
29 D,e Summa der verschiedenen Schriften, welcher sich die königl. Druckerey in Paris bedient. beträgt 7000 Cent- Mit den vorhandenen Preßen kann las Institut täglich 278 000 Bogen abziehen, welches 9266 Octavbände zu 30 BEN bringt. Diese immensen Mittel gestatten es, daß gegen 000 Karmen Satz stehen bleiben, die von der Der- waltung gebraucht werden und daher nicht unbedeutende Kosten- und Zeitsparniße bewirken. Acht bis zehn Tausend Ballen Papier werden jährlich verbraucht, was auf den Tag 26—32 Batten macht. Die Zahl der Arbeiter beträgt 530. Bei Sasterhausen in Schlesien hat in Jahre 1834 ein 6 jähriger Wemstock 800 Trauben gebracht. SHAKSPEARE. Di eser größte dramatische Dichter Englands, dessen Werke durch treffliche und vielfältige Ucbersetzungcn zum Gemeingut des deutschen Volkes geworden sind, hat, so zu sagen, die Dichtkunst in Fleisch und Blut verwandelt; er giebt uns nichts Unbestimmtes, Weichliches, sondern etwas Festes, Derbes und die rám Natur im Wlederjchcine seines großen Geistes. Er stellt uns die Menschen dar, wie sie sind, mit ihren Vorzügen und Fehlern, nicht wie es wohl sonst bewußt oder unwillkührlich von Dichtern geschieht, nach Meinungen und Ansichten ungeformt; er giebt sie uns so, wie sie auf den Thronen, auf den Marktplätzen des öffentlichen Verkehrs, zu Land und Meer, in der Stille der Natur, in Pallästen, Kutten, Wirthshäusern, und nach allen Formen, in denen sie unter allen Ständen und in jeder Lage gefunden werden. Kein dramatischer Dichter hat das menschliche Herz in seinem schönsten und häßlichsten Seiten so treffend ausg'faßt und dargestellt, keiner das Getriebe der Leidenschaften im Menschen so tief ergründet, wie Shakspeare. Als habe er Himmel und Erde in seiner Gewalt, so schaltet er über alle Verhältnisse des menschlichen Lebens und seine Folgen, und dem Verbrecher wird die Strafe aufgeladen, der Thor wird gezüchtigt, als wäre es von Gott. Er schrieb für das Volk, und schilderte dasselbe, und das Volk hatte ihn zum Manne feines Herzens gemacht ; von unten stieg sein Ruhm zu den Gebildeten der Nation und selbst zur Königin hinauf. Weil er aber so trefflich die Welt geschildert, und mit der Kraft seines Innern es dahin gebracht, daß in seinen Schöpfungen ein Jeder, den er eingeführt. seine wahre Sprache behält; darum ist es erklärlich, daß seine Werke ins heute uns lieb geblieben find. In seiner Welt lernt man wahre Menschen ke nnen, ohne diese Wissenschaft mit Schaden bezahlen zu müssen, er erhebt uns, tröstet uns, liebt uns.— Mauchen unsrer Leser könnte vielleicht die Weise, wie Shakspeare ne- ben den Schmerz oder den erhebendsten Gedanken den schnei- dendsten Witz oder den launigsten Humor stellt, abstoßend erscheinen, allein auch da ist die Natur ihm Vorbild. Wir sich in ihr das Seltsamste paart, das Kleinste oft wichtig, das Wichtigste klein wird, so bei unfern Dichter, de» sich das Verdienst erwirbt, uns auf seine Weise zu der Unbefangenheit seiner Lehrerin zurückzusührcn. Shakspeare's Leben zeigt uns , wie der zu etwas Au- ßerordentlichcm berufene Mensch sich endlich doch Bahn macht und alle Hindernisse durchbricht, und wie die 9iatur eS liebt, das Große vorzugsweise aus dem rohen unverdorbenen herauszuarbeiten. Er wurde 1564 geboren, und mar der Jüngste von vielen Geschwistern. Sein Vater war Wvll- händler und Metzger zu Stratsord am Avon, in der englischen Grafschaft Warm i ck-gelegen. Der junge Shake- pear mußte, da sein Vater irr dse bikterste Armulb ge» rieth, und kaum den wöchentlichen Beitrag von 4 Pence (2 Groschen 8 Pfennigen) zur Rathskasse leisten konnte, das väterliche Handwerk ergreifen. Sehr jung noch, erst 19 Jahr alt, verehelichte er sich mit einer gewissen 3 Jahr älteren Anna Hathaway, die ihm drei Kinder gebar. Sein lebhafter Geist suchte eine freie Thättgkeit, und schlug in Gesellschaft anderer Gesellen von gleicher Munterkeit auch bisweilen über die Schnur. Jene Ehe scheint sein Herz nicht ausgesüttt zu haben; man erzählt nur von seinem fertigen Witz. Einst hatte er mit feinen Genossen in dem Park eines gewissen L u c y, Wilddieberei getrieben; der Sir rief die Gerechtigkeit gegen Shakspeare auf, welcher fiel) nun ans seinen bisherigen Verhältnissen riß und nach London stoh. Um sein Leben dort zu fristen, soll er — denn aller Anfang ist schwer — Anfangs niedrige Dienste verrichtet, am Theater Pferde gehalten oder die Schau- spieler aus den Cvulissen gerufen haben. Endlich trat er, durch die Vermittlung eines Landmannes, der selbst Schauspieler war, auch als Schauspieler auf. und begann zugleich oder früher seine Laufbahn als Schriftsteller für die Bühne, indem er erst an fremde Stücke seine bessernde Hand anlegte und dann selbst neue ausarbeirete. Man darf bei der Einrichtung der damaligen Bühne nicht an unsere jetzige künstlerische Scenerie und schonen Dekorationen denken. Einige Tapeten waren Alles, was zur Ausschmückung des Theaters biente. Desto wirksamer war die von ihrem eigentlichen Gegenstände weniger abgezogene Einbildungskraft der Zuhörer, welche, unter freiem Himmel stehend, an dem Genuß des Zuhörens desto inniger Antheil nah- men. Da die weiblichen Rollen ebenfalls von Männern gegeben wurden, Frauen aber überhaupt selten und höchstens verkleidet den Aufführungen beiwohnten, so war es Shakspeare vergönnt, dem Erguß seines Witzes und seiner komischen Ader freien Lauf *»■ lassen; cs sieten mithin manche Rücksichten weg, welche unser jetziges gemischtes Publikum von dem Dichter beachtet wissen will. Sein Ruhm stieg endlich so hoch, daß sogar die Königin Elisabeth das