Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836 (Pesth)
Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836. - Allerlei Zum Zeitvertreib
27 Sonderbare Krankheiten. Zwei Verbrecher wurden zum Schaffote geführt. Ein Fremder fragte einen Arzt, warum die armen Schelme sterben müßten? »Der Eine,« war die Anrwvrt, hat c i n um fid; greife n- de 6 Ueb ei, (Raub) und der Andere eine ansteckende Krankheit (Brandstifter). Die Heirath. Ein reicher Geizhals heirathete wider Dermuthen eine Sängerin, welche zwar sehr schön aber auch sehr arm war, und da sich alle Welt darüber verwunderte: bemerkte Jemand daß ihn blos der St l b ertön ihrer Stimme angelockt haben müsse. Der Regen ein Segen Gottes. Ein armer Sünder sollte gehenkt werden, da entstand auf einmal ein so heftiger Platzregen, daß man warten mußte. Ich habe es immer gesagt, sprach der Delinquent, der Regen ist ein wahrer Segen Gottes. Gewiß , erwiederte der Scharfrichter, den nach dem Regen kommt Alles empor. Die beyden Säufer. Des Morgens schon betrank sich Veit. »Pfuy! sprach sein Nachbar, scy geschcidt! »Ich liebe auch die geist'gen Säfte, »Doch erst wenn meine TagsgeschLfte »Verrichtet sind, genieß' ich sie! — „Hast Recht, — versetzte Veit, — doch sieh, »Wenn ich mir schon des Morgens Früh »Ein Räuschchen trank, so ist sodann »Mein Tagsgeschäft schon abgethan.« Der Schwabe auf dem Schiffe. Auf einem Schiffe, das zu scheitern in Gefahr war, befand sich ein Schwabe. Dieser betete sehr eifrig, und da die Gefahr immer großer wurde, ergriff er das auf dem Schiffe befindliche Sprachrohr, und rief, daß ihn Gott desto eher hören sollte: O lieber Gott! ach hilf uns aus dieser Noth. Der Bettel st ude nt. Auf einem Theater wurde der Bettelstudent von einem äußerst schlechten Schauspieler gegeben. Man fragte Jemanden, wie es ihm gefallen habe, „den Bettel habe ich wohl gesehen, aber keinen Studenten," war die Antwort. Trauer eines Schmarotzers. »W ie? Kaufmann Müller wäre tobt? »War doch ein Mann wie Stahl und Eisen, »So gut, so klug, so brav! — O Noth! »Wo werd ich fetzt am Mittwoch speisen?» — Die gekochte Uhr. Ein Gelehrter wollte sich ein weiches Sy zum Frühstück kochen, und zog die Uhr heraus um es nicht zu lange in dem kochenden Wasser zu lassen. Während dieser Zeit aber versank er in tiefsinnige Betrachtungen, und als einer seiner Freunde zu ihm ins Zimmer trat, fand er den gekehrten Koch, welcher statt der Uhr das Ey in der Hand hielt, das er sorgsam betrachtete, während die Uhr die Stelle des Ep's in dem siedenden Wasser einnahm. Zeichen der Tollheit. Ein böses und häßliches Weib wurde von einem Hunde gebissen. Man stritt, ob der Hund toll war ?„Ei" sagte Jemand, „wer bei der anbeißt, muß gewiß toll scyn." Grabschrift eines Advokaten. Einen sehr . eigennützigen Advokaten der sich jeden Schritt, ja jedes Wort bezahlen ließ, setzte man folgende Grabschrift: Hier liegt Dorilas, der nichts umsonst gethan Es kränkt ihn, daß man dies umsonst hier lesen kann. Die Gutgesinnte. Eine Dame, die wegen ihrer Galanterie bekannt war, sagte in einer Gesellschaft: Sie sei die abgesagteste Feindinn aller Prozesse. „Das glaub ich " antwortete Jemand, „den Sie sind die Nachgiebigkeit selbst." Der schwache Magen. Ein Taschendieb, der auf einen Jahrmarkt eine Uhr entwendet hatte, wurde ergriffen und vor den Chef der Polizei geführt. »Wie habt Ihr Euch so vergessen können?« sprach der Letztere.« »Verzeihen Sie,« versetzte der Dieb mit vieler Frechheit: »ich habe nur den Rath meines Arztes befolgt. Ich leid' an einem schwachen Magen, und da verordnete er mir: ich „ sollte vor jeder Mahlzeit immer eine Kleinigkeit zu mir nehmen.« Wenn es in den Ankündigungen neuer Zeitschriften heißt: »man wolle einem lange gefühlten Bedürfnisse abhel- fcn;« ffo ist es eine Umschreibung für: »wir Redacteure brauchen Geld.« — Seit ersten September 1834 erscheint in Cairo ein neues Journal in arabischer, türkischer und französischer Sprache. Um sich einen Begriff von dem Verbrauch an Opium und China zu machen, braucht nur angeführt zu werden, daß Bengalen allein für vier Millionen Pfund Sterling jährlich dorthin liefert. Das junge Frauenzimmer und die Unannehmlichkeiten. Ein junges Frauenzimmer ging über Land, und da sie im Freyen war und sich unbemerkt glaubte, ließ sie einen gewissen Laut gehen und sagte: »Bimpis!« Bald darauf entging ihr ein ähnlicher, jedoch etwas stärkerer Laut, und sie rief »Bompos!« Endlich passirte ihr zum dritten Mal dieselbe Unannehmlichkeit, dabey rief sie »Bumpus!« Hierauf blickte sie rückwärts und erschrack nicht wenig, als sie einen jungen Herrn hinter sich erblickte. »Sind Sie schon lange hinter mir, mein Herr?« fragte sie. »»Nur vom Bimpis bis zum Bumpus,«« antwortete der Schalk. Uebelverstandener Befehl. Daß dir dein Sohn die Casse gestohlen Und sich damit ganz heimlich empfohlen, — Sprich — thörichter Vater! wie kann dich das kränken, Du hast es ja hundertmal selbst ihm befohlen. Er soll jetzt einmal auf sein Fortkommen denken!