Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836 (Pesth)
Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836. - Astronomisch - chronologisch-meteorische Jahres-Charakteristik auf 1836
thätig sind Abwechselungen von Negen, Sonnenschein und gelinde Winde. 4. Zm Herbste ist große Hitze am Tage, mit plötz- sicher Kühlung am Abend, und beträchtlicher Kälte des Nachts sehr nachtheilig. Anhaltende regnigte Witterung mit kalten Windstößen wirkt auch nicht gut. Indessen kann der Mensch eine mit Ungesundheit drohende Witterung unschädlich machen, z. B. durch zweckmä- ßige Kleidung, durch angemessene Nahrung. Oft kommt die Natur selbst wieder zu Hülfe. Nach sehr lange anhaltender trockener Hitze erfrischt wieder ein Regen. Der Wind reinigt die Luft von schädlichen Dünsten und führt frische, reinere herbei, so wie sie der thierische und Pflanzenkörper so nothwcndig zum Leben braucht, daher man diesen Theil der Luft Lebenslust (auch Sauerstvfflust) nennt. Aehnliche nützliche Veränderung bewirkt das Gewitter. Ueberhaupt ist unsere Luftkugel ein Sammelplatz un- zählig vieler und verschiedenartiger Stoffe, wovon sich mehrere mit einander mischen, einander auflösen, andre wieder von einander trennen. Diese Mischung und Trennung geht nun unaufhörlich von sich; wobei dann Kälte und Wärme, Sonnenlicht \nb die Elektricirät oder der Gewitterstvff viel Einfluß haben. Dabei ist Alles in unsrer Luftkugel (Atmosphäre) so beweglich und so schnell beweglich, daß eine weit von uns vvrgcgangene Erscheinung, z. B. ein Gewitter im hohen Gebirge, oder ein starker Schneefall, oder ein anders wo hcrkommender Wind, gleich auch bei uns eine Menge Veränderungen hervor bringen können. Die Tage und Nächte nehmen alle 24 Stunden um etwas zu oder ab, also bald mehr Licht und Wärme, bald weniger. Durch diesen Wechsel allein schon wird vielerlei bewirkt. Von der Erde steigen unaufhörlich zahllose Dünste in die Hohe und bewirken neue Störungen und Verbindungen. Da kommen dann die Wolken, die Nebel, Reife, Thaue, Schnee, Hagel, die mancherlei Regen, Donner und Blitz, Winde, Stürme, Wasserhosen u. s. w. Und wie viel für uns ganz unsichtbare Erscheinungen, Mischungen mögen noch vvrgehen! Ursachen genug eines beständigen Wechsels der Dinge in dem uns umgebenden Lustmeere; so daß wir uns über nichts mehr wundern sollten, als darüber, daß das Wetter nicht noch weit veränderlicher-ist. Dabei ist in diesem Luftmeer nirgends ein Anfang, nirgends ein Ende. Wir wissen nicht, wo ein Wind zuerst sich erhoben, an- welchen Punkten der Regen zuerst angefangen hat, sich als feuchter Dunst aus der Luft zu scheinen und sich in Tropfen zu sammeln. Wir wissen nicht, wie lange sie fallen und wann sie wieder aufhören werden. Dennoch ist es für uns, für unser Wvhlseyn, unsre Zufriedenheit, unsre Geschäfte so wichtig, nicht nur hierüber etwas zu wissen, sondern es auch in Zeiten vorher zu wissen, wann sich das Wetter ändern wird. Kann man nun auch hierüber nicht Alles, ja nicht einmal viel wissen; so ist doch etwas auch schon der Mühe werth. Durch viele Beobachtungen hat man denn mancherlei Kennzeichen gefunden oder zu finden geglaubt, welche, wo nicht allemal, doch manchmal im Voraus vretathe» haben, wenn sich das Wetter ändern werde. Solche Kennzeichen nahm man her: 1) Aus der Beschaffenheit des Lichts der Sonne, des.Mondes und der Sterne überhaupt. 2) Aus den verschiedenen Erscheinungen am Himmel, welche zur Zeit des Auf- und N i ed e r g a n g s jener Himmelskörper, diese begleiten. 3) Aus der Ruhe oter den Bewegungen der Nebel, besonders an Gebirgen und an Gewässern. 4) Aus der Wärme oder Kälte, Feuchtigkeit oder Trockenheit, und mit dem größern oder kleinern Drucke der L u f t. 5) Aus dem Gut- oder Ucbelbefinden der Menschen, und besonders aus den Schmerzen einzelner Körpettheile. 6) Aus dem Fluge und Geschrei einiger Vögel. 7) Aus dem Benehmen einiger Land- und Wasserthiere. 8) Aus der Thätigkeit und Unthätigkeit der S p i n n e n. 9) Aus dem Aufblühen der Pflanzen, aus der Schlie- ßung oder Oeffnung und dem Gerüche einiger Blumen. 10) Aus dcm Gerüche der Abrritte und Sümpfe. 11) Aus der Art, wie Holz, Kerzen, Lampen, brennen. 12) Aus der Art des Gmporstcigens und Fvrtziehcns des Rauches und der Dämpfe. Solche und andre Kennzeiche i der Witterung bewahrten sich durch übereinstimmende t rfahrungen so sehr, daß ihre Kenntniß sich durch mündliche und schriftliche Ucber- licferungen in allen Jahrhunderten crtheilt, und daß man sie auch jetzt noch immer zur kürzer« Voraussicht der Witterung in vielen, wenn auch nicht in allen Fäsicn brauchen kann. Ab er auch nur zum kürzer« Voraussehcn der Witterung allein können alle jene Zeichcn dienen. So weit ist man, trotz der angestrengtesten, viele Jahre lang fortge- seztcn Bcmühungcn der geschicktesten Naturforscher noch nicht gekommen, daß man auch auf längere Zeit das Wetter vorher verkündigen könnte. Was darüber die Kalender enthalten, sind bloße Muthmaßungen, die auf keinem festen, allgemein gültigen Grunde beruhen. Es fehlt auch noch durchaus an einem Anhaltspunkte, von welchem aus alle unsere Untersuchungen sich fvrtstrcckcn müssen. Selbst beim Voraussagen des Wetters auf wenige Tage hinaus, wozu so oft jene Kennzeichen genügen, kann uns die Natur einen Querstrich machen. Z. B. tausend oder ein Paar tausend Meilen ovn uns, kann in der Atmosphäre unvermu- thet eine Veränderung Vorgehen, -bmn Veranlassung wir gar nicht zr^ wissen vermochten, und von dieser Veränderung kann sich die Wirkung in eimm solchen Grad bis zu uns hin strecken, daß dadurch auf einmal eine ganz andere Witterung entsteht. Indessen ist der Nutzen, daß Wetter auch auf kürzere Zeit oft vorher zu wissen, noch immer so groß; dc,ß die Mitcheilung genauer Kenntnisse hierüber der Fortsetzung dieses Kalenders Vorbehalten bleiben sollen. ------------- L 3 *