Folia archeologica 52.

Prohászka Péter: Gazdag padmalyos női temetkezés Brigetio/Komárom-Szőny Gerhát temetőjéből

I 106 PROHÁSZKA PÉTF.R darauf hin, class die Grablegung in den 250er Jahren erfolgte. Die zwei bronzenen Fingerringe kann man aufgrund der ähnlichen Exemplare ins 2. und 3. Jahrhundert datieren. Die zwei goldenen Ohrgehänge unterscheiden sich von der Form der Basis, worauf der halbkugelförmige Knopf befestigt ist. Die beiden gehören zur Reihe jener mittelkaiserzeitlichen Ohrgehänge, für die am Ende des Drahtes ovale, runde, rechteckige oder mehrseitige knopfartige Verzierungen charakteristisch sind. In deren Mitte befindet sich entweder ein Halbedelstein, oder eine Glaspaste oder aber eine Perle. Dieser Typ erschien im 2. Jahrhundert und zahlreiche Varianten wurden bis Ende des 3. Jahrhunderts getragen. Die Form und Verzierung der Haarnadeln ist zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert weit verbreitet. Der Arm- und Halsschmuck aus Gagat hatte einen hohen Wert in der Römerzeit. Schmuck und andere Gegenstände aus Gagat wurden in Britannien und Germanien vom Ende des 2. bis ins 4. Jahrhundert hergestellt. Die Glieder des Armbandes gehören zum Typ Hagen С 36, 38/Allason-Jones No. 31. Die Halskette besteht aus Perlen Typ Hagen D 9, 11 und 14. Die Bernsteinschnitzereien waren die ältesten (»egenstände unter den Beigaben und die hatten dem Gagat- und Goldschmuck ähnlich einen hoher Wert in der Römerzeit. Schmuck und verschiedene Gegenstände aus Bernstein wurden im 1. und 2. Jahrhundert in Aquilea hergestellt und kommen meistens entlang der Bersteinstraße vor. Der Weinstock ist im Ausstellungskatalog 1938 als Haarnadel beschrieben aber die Nadeln waren länger und schmaler. Zwischen den Bernsteinschnitzereien kommen Blätter, Früchte u.ä. vor. Die Archäologen kon­nten ihre Verwendung als Zimmer- oder Möbelschmuck bestimmen. Der Weinstock stand wie einige anderen geschnitzten Arbeiten (Blätter, Statuen usw.) mit dem Bacchus/Dionysos Kult in Verbindung und so kann man auch annehmen, dass der bei Umrühren von Wein, Getränken oder Salben benutzt wurde. Neben dem Weinstock befand sich ein Salbenbehälter in Form eines grotesken Menschenkopfes aus Bernstein im Grab. Ähnliche Behälter mit verschiedenen Verzierungen sind aus Italien und Pannonién bekannt, die im 1. und 2. Jahrhundert als Salbenbehälter hergestellt wurden. Ebenfalls kopfförmige Exemplare - wie ein Bacchus und ein grotesker Kopf - kamen aus einem Grab in Sopron ans Tageslicht. Der Behälter aus dem Gerháter Grab bildet entweder den Kopf eines Faustkämpfers oder eines buckligen Sklaven namens Apotropaion ab. Die blaugrüne Glasflasche gehört zum Typ Isings 82 Variante B2, der im 2. und 3. Jahrhundert in den donauländischen Provinzen verbreitet war. Die Bronzebüchse ist verlorengegangen aber ähnliche Exemplare kommen oft vor und wurden als Medikamenten- oder Schönheitsmittelbehälter sowie Behälter für ärzliche Instrumente benutzt. Nach Form und Material ist der Bleitiegel unter den römis­chen Funden einmalig. Ahnliche Gefäße aus Silber gelangten aus Pompei ins Neapeler Museum und bei den handelt es sich um Formen für Kuchen, Pudding und Süßspeisen aller Art. Diese Verwendung ist bei den Bleitiegeln zweifelhaft. Bleigefäße sind als Salbenbehälter in der Literatur bekannt, aber zum Gerháter Exemplar gehörte wegen seiner Form bestimmt kein Deckel. Er wurde eher bei der Herstellung von Salben als Mischgefäß verwendet. Die bestattete Frau gehörte ihren Beigaben nach und aufgrund der anderen Gräber von Brigetio zur lokalen Oberschicht. Ein Teil der Gegenstände (Fingerringe, Ohrgehänge, Gagatschmuck und Haarnadel) gehörte zu ihrer Tracht und die anderen (Glasflasche, Bronzebüchse, Bleitiegel, Weinstock und Salbenbehälter) konnten bei der Frauenkosmetik verwendet werden. In diesem Grab fehlen aber die üblichen Kosmetikgegenstände, wie die Salbenreibplatte, die Spattel- und Löf felsonde oder die Schere. Aufgrund dessen kann man annehmen, dass sie eher bei der Herstellung von Kosmetikstoffen (Salben, Schmink usw.) ver-

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