Folia archeologica 52.
Prohászka Péter: Gazdag padmalyos női temetkezés Brigetio/Komárom-Szőny Gerhát temetőjéből
l'ADMAl.YOS NÔI ТЕМЕ' I KEZES BRK.ETIOBÓI 107 wendet worden waren und die bestattete Frau vielleicht eine Kosmetik/Salbener/.eugerin gewesen sein konnte. Nach Angaben von Petrovics befanden sich die Beigaben in einem Nischengrab. Die 16 Eisennägel zeigen, dass die Frau in einem Sarg lag. Im Karpatenbecken war für die Awarenzeit die Anwendung einer, von der allgemeinen Schachtgrabform abweichenden, Nischengrab genannten Grabform typisch. Dabei wurde die Längstwand des rechteckigen Grabschachtes ausgehöhlt, dadurch entstand dort eine Nische, zumeist für den Verstorbenen. Aus der Römerzeit kennen wir im Gebiet des Römischen Reichs bloß aus Pannonién Nischengräber. Diese Art der Grablegung ist hier zuerst ab dein 3. bzw. 2. Jahrhundert v. Chr. bekannt, dann tauchen sie in größerer Anzahl in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts auf. Wir können bloß zwei Gräber - Grab XXVIII aus Gerulata-Rusovce und das Gerháter Grab - auf die Mittelkaiserzeit datieren. Die Nischengräber in den Gräberfeldern von Intercisa, Aquincum, Keszthely und Pécs werden ins 4./5. Jahrhundert datiert. Bei den spätrömerzeitlichen Gräbern aus Intercisa wurde der Grabschacht die Längsseite entlang mit in einer Reihe knapp nebeneinander schräg gestellten Tegulen von der Nische verschlossen. Nischengräber sind aus dem quadischen und sarmatischen Barbaricum im Karpatenbecken nicht bekannt und kommen nur in der Wolgagegend sowie an der Unteren Donau vor. Während diese Sitte früher an das, aus der Wolgagegend übersiedelte sarmatische Ethnikum gebunden wurde, kommt heute eher eine romanisierte, christianisierte, barbarische/sarmatische, vielleicht alanische Bevölkerung in Frage. Die bekannten Nischengräber aus Pannonién haben eine l iefe von 100-200 cm. Das Gerháter Grab mit seiner 300 cm Tiefe, die Nische und die Bestattung in einem Sarg zeigen, dass die Verwandten der bestatteten Frau die Plünderung des Grabes vermeiden wollten. So konnte im I Untergrund der Errichtung der Nische eine innen- und außenpolitische Situation stehen, aber - was wir unbedingt betonen müssen - nur im Fall des Gerháter Grabes. Pannonién erlebte in den 250er Jahren eine Reihe von Kriesen, wovon die versteckten Münzfunde sowie die Zerstörungschichten zeugen. Die Angriffe der Quaden und Sarmaten gegen Pannonién haben ihren Höhepunkt im Jahre 260 erreicht und haben dabei große Schäden bei den Städten und der Infrastruktur, sowie Verluste bei der Bevölkerung verursacht. Nach 260 hörten die Bestattungen in den mittel kiiiserzeit 1 icheil Gräberfeldern von Brigetio auf. Diese Umstände können nur bei dem Gerháter Grab eine Erklärung bieten, bei den anderen Nischengräbern ist es auch im Weiteren ungeklärt, wer und warum so bestattet wurde. Péter Prohászka