Folia archeologica 51.
István Fodor: Szent István kardja
DAS SCHWERT STEPHANS DES HEILIGEN 167 Ansicht nach wurden die Erzeugnisse dieses Stils etwa zwischen 970 und 1010 geschaffen. 2 2 Auf Grund der neueren Beobachtungen kann seine Ansicht aber wahrscheinlich etwas modifiziert werden. Eines der schönsten Stücke dieses Kunststils, eine rangbezeichnende Streitaxt, wurde nämlich im Mammener Grab im Mittelteil der Halbinsel Jütland gefunden (von daher auch der Name des Stils), in dem sicher ein Heerführer des dänischen Königs Harald Blauzahn ruhte. Das Holz der aus Balken bestehenden Grabkammer haben die Forscher mittels der dendrochronologischen Methode auf 970-971 datiert. Damals wurden also die Stämme für den Bau der Grabkammer geschlagen, und damals wird auch die Beisetzung stattgefunden haben. 2 3 Die ins Grab beigegebenen Gegenstände werden aber vermutlich ein oder zwei Jahrzehnte älter sein, so dass man die Entstehung dieses Kunststiles annähernd in die Mitte des 10. Jahrhunderts legen kann und ihr Ende vielleicht auf die Jahrtausendwende. Das Prager Schwert mag seine endgültige Gestalt also irgendwann in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts in irgendeiner der nordeuropäischen Wikingerwerkstätten erhalten haben. Nach Ungarn wird es aller Wahrscheinlichkeit nach im letzten Drittel des 10. Jahrhunderts gelangt sein. Die ungarische leichte Reiterei mit ihrer östlichen Kampfesweise der Steppe verwendete nämlich davor keine zweischneidigen Schwerter, sondern nur Säbel mit gebogener Klinge. Die zweischneidige Handwaffe westlichen und nordischen Typs führte Großfürst Géza bei seinem Heer ein, um dieses besser der westlichen Kriegstaktik anzupassen. Zu jener Zeit galten die Schwerter also als moderne Waffe. Auch die Fundorte dieser Waffen belegen, dass sie in Gebieten benutzt wurden, die Geysa und Stephan in Besitz hatten, wo die Truppen der großfürstlichen und später königlichen Streitmacht stationiert waren. 2 4 Zur Vermeidung von Missverständnissen sei bemerkt, dass Géza und Stephan keine „Schwere Reiterei" geschaffen haben, sondern nur eine westlichen Typs mit schwererer Bewaffnung als die frühere. Mit den Schwertern zusammen verbreiteten sich auch Steigbügel, sonstige Ausrüstungsgegenstände und Waffen neuen Typs im Land. 2 5 Es ist nicht viel mehr als eine waffengeschichtliche Episode, dass man zu jener Zeit in Ungarn und im Ostbaltikum versuchte, die beiden Waffenarten - Säbel und Schwert - zu „kreuzen". In Ungarn versah man die gerade Schwertklinge mit einem Säbelgriff, und im Baltikum die Säbelklinge mit einem Schwertgriff . Diese Hybridwaffenart hat sich aber nirgendwo bewährt, und nach einigen Jahrzehnten stellte man die Versuche ein. 2 6 Höchstwahrscheinlich hat die ungarische Tradition schon in der Arpadenzeit die Prager Waffe für das Schwert Stephans des Heiligen gehalten, und - mit dem Schwert zusammen - ist diese von hier aus nach Prag gelangt. Im ersten Inventar des Veitsdomes von 1354 kommt sie zwar noch nicht vor, wohl aber schon im zweiten von 1355, und zwar mit der Eintragung: Gladius beati Stephani regis Ungarorum cum manubrio eburneo, also Schwert des ungarischen Königs Stephan des Seligen mit Elfenbeingriff. 2 7 Im Wesentlichen wird dasselbe in dem Inventar wiederholt, 22 Wilson 1991, 106, 126-128. 23 Paulsen 1939, 87-89; Roesdahl 1992, 274; Ders. 1987, PI. 21. - Vgl. Thummark-Nylén 1981, 146-148; Lebedev 2005, 308-313. 2t László 1939; Bakay 1967; Kovács 1993. 25 Mesterházy 1981; Fodor 1986; 2000a, 20-22; Kovács 1986, 243; 1986a. 26 Paulsen 1956; Bakay 1967, 139; Fodor 1996a, 119; Ders. 2001, 20-21, 32. 2' Klement Beiidas handschriftliche Beschreibung des Schwertes des hl. Stephan von etwa 1970, für deren Verwendung ich Frau Dr. Milena Bravermanova, Mitarbeiterin im Präsidialamt der Prager Burg, Dank schulde. - Es ist ein höchst interessantes forschungsgeschichtliches Faktum, dass, obwohl P. Paulsen schon 1933 die erste auf das Schwert des hl. Stephan bezügliche Inventareintragung von 1355 veröffentlichte ( Paulsen 1933, 52.), die ungarische Forschung bis in die 1970er Jahre die Eintragung von 1386 für die erste Inventarbucherwähnung hielt (siehe Fettich 1938; IJiszló 1977a).