Folia archeologica 51.

István Fodor: Szent István kardja

168 IS IVÁN FODOR clas am 18. August 1386 aufgenommen wurde: Gladius Sancii Stephani regis Ungariae cum manubrio eburneo, also Schwert des ungarischen Königs Stephan des Heiligen mit Elfenbeingriff. Allerdings wurde trotz des eindeutigen Zeugnisses dieser wichtigen Quelle in der tschechischen Forschung zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch die offensichtlich patriotisch inspirierte Idee erwogen, das Schwert könne die Herrscherinsignie des ersten böhmischen christlichen Königs, des 929 den Märtyrertod erleidenden hl. Wenzel, gewesen sein. 2 8 Diese Hypothese kann schon deshalb ausgeschlossen werden, weil die Waffe - wie oben gesehen - nicht vor 950 gefertigt worden sein kann. Es gibt allerdings keine eindeutigen Quellen darüber, wann das Schwert nach Prag kam. Der einen Hypothese nach - die auch heute einige tschechische Experten vertreten - hat der römisch-germanische Kaiser und böhmische König Karl IV. (von Luxemburg, 1346-1378) es vom ungarischen König Ludwig dem Großen erhalten, der 1353 Reliquien des hl. Stephan an den Prager Hof sandte. Dieser Auffassung nach hat Karl es eine Zeit lang selbst behalten, weshalb es im ersten Inventar, von 1354, nicht vorkomme. Mehrere sind der Meinung, das Schwert sei nicht mit den übrigen Reliquien zusammen, sondern erst nach 1354 von Ludwig dem Großen Karl IV. geschenkt worden. 2 9 Die ungarische Forschung hat jedoch fast einhellig Géza Nagys hundert Jahre frühere Argumentation angenommen, wonach das Schwert 1270 nach Prag kam. 30 Nach dem Tode des ungarischen Königs Béla IV. am 3. Mai 1270 kam es nämlich im Land zu einer schweren inneren Krise. Zwischen Bêlas IV. Tochter, Herzogin Anna - der Witwe von Rastislaw, dem Banus von Macsó - und ihrem Bruder, dem neuen König Stephan V., kam es zu einem schweren Zerwürfnis. Deshalb floh Anna zu ihrem Schwiegersohn, dem böhmischen König Ottokar II., nach Prag und nahm auch jene Stücke aus der königlichen Schatzkammer mit, an die sie herangelangen konnte. Darunter waren zwei goldene Kronen, ein Stuhl, mehrere Zepter, Halsketten, Krüge, sonstige Goldschmiedestücke und auch ein Schwert. Offensichtlich nahm die Herzogin von Macsó nicht die Heilige Krone und clas Krönungszepter mit, aber das Schwert konnte das Stephans des Heiligen sein. Gemäß der Erzählquelle über den Fall geriet Stephan V. über die Nachricht in unbändigen Zorn und „brach in Flüche ungarischer Art" aus. Ottokar fiel im Frühjahr des folgenden Jahres mit einem starken Heer in Oberungarn ein, erlitt aber nach anfänglichen Erfolgen bei Moson (Wieselburg) eine Niederlage durch das aus Ungarn und kumanischer leichter Reiterei bestehende Heer Stephans V. Im den Krieg beendenden Pressburger Frieden erreichte der ungarische Herrscher nur, dass der böhmische König seine Unterstützung der gegen Stephan aufbegehrenden Aristokraten einstellte, musste aber auf die von Anna nach Prag mitgenommenen Schätze verzichten. Wenn also das von der Herzogin mitgenommene Schwert tatsächlich das Stephans des Heiligen war, befindet sich dieses seit 1270 in der böhmischen Hauptstadt. 3 1 Hier mag ein kleiner Abstecher nicht uninteressant sein. Der Chronist schreibt über die königlichen Schätze, von denen eine ganze Reihe Herzogin Anna nach Prag gebracht hatte, diese ... hätten die ungarischen Könige seit der Zeit Attilas gesammelt. Demgegenüber gibt es allerdings keinen Grund für die Annahme, dass im 11. Jahrhundert am ungarischen Königshof die Attila-Tradition lebendig gewesen ist. Vermutlich war sie das aber in 2 8 Fettich 1938, 479; Beiida 1972, 118. Heute rechnet aber auch die tschechische Forschung nicht mehr mit dieser Möglichkeit. 29 Fettich 1938, 478-480; László 1977a, 359. « Nagy 1900, 237-238. 3 1 Szűcs 1993, 139-152.

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