Folia archeologica 51.
István Fodor: Szent István kardja
166 IS IVÁN FODOR Herstellungszeit des Schwertes der Zeit des mengenmäßig größeren Vorkommens der Wikingerschwerter in Ungarn und des damaligen ungarischen Königssitzes, also der Zeit Stephans des Heiligen entspricht, finden wir nicht nur keinen Widerspruch, sondern betrachten die reihenweisen und eindeutigen Mitteilungen der mittelalterlichen Inventare der Prager Domschatzkammer als annehmbar und bestätigt, wonach dieses Schwert Eigentum des ungarischen Königs Stephans des Heiligen war." 1 5 Anlässlich der Székesfehérvárer Ausstellung von 1970 hatte auch Gyula László die Gelegenheit, besagte Waffe im Original zu studieren und neue Folgerungen zu ziehen. 1 6 Durch seine Untersuchungen kam er zu dem Ergebnis, dass das abgenutzte Muster der Parierstange eine andere Formation beinhaltet, als Nándor Fettich erkannt hatte. Wie er beobachtete, „... ist an beiden Seiten deutlich zu sehen, dass jene der richtigen Ansicht sind, die zwei 'Drachenfiguren' mit verschlungenen Hälsen gesehen haben. ... Zuerst müssen wir den Einfluss der Palmettenkomposition der landnehmenden Ungarn verwerfen, denn das, worin Fettich Palmetten zu entdecken glaubte, sind zwei in entgegengesetzte Richtungen schauende Tierköpfe. Diese Komposition passt schön zum nordischen Tierstil [...] diese Darstellung ist keine sinnlose Ornamentik, sondern wurzelt tief in der skandinavischen Glaubenswelt..." 1 7 Seine Beobachtung über das Muster der Parierstange stützte er durch eine analytische Zeichnung. 1 8 (Abb. 4.) Ich selbst konnte anlässlich der Budapester Ausstellung 1988 das Schwert untersuchen, damals maß ich die hier gegebenen Angaben, und Attila Bánó fertigle eine schöne Zeichnung von beiden Seiten der Waffe an. (Abb. 3.) Die ungarischen und internationalen Forscher der Waffengeschichte haben uns in den letzten Jahrzehnten auch der Bestimmung der Herstellungszeit des Schwertes näher gebracht. Die Form der Waffe, die Inschrift auf ihrer Klinge, die Biegung und Verzierung der Parierstange bieten im Großen und Ganzen genügende Ansatzpunkte zur Bestimmung der Herstellungszeit. Wie in so vielen anderen Fällen wurde die im Rheinland geschmiedete Klinge nach Nordeuropa geliefert und dort mit ihrem Zubehör versehen. Die zur Klinge hin geneigte Parierstange kam etwa am Ende des 10. Jahrhunderts in Mode, die derartigen Kreuzeisen boten der die Waffe schwingenden Hand größere Bewegungs- und Manöviermöglichkeit als die früher gebräuchlichen geraden Parierstangen. 1 9 Auf Grund der Form des Schwertes stellte bereits Peter Paulsen 1933 fest, dass die Waffe nach J. Petersens Klassifizierung zu den sog. Schwertern Typ T gehört, die zumeist in der zweiten Hälfte des Í0. und Anfang des 11. Jahrhunderts hergestellt wurden. 2 0 Das geschnitzte Muster der beinernen Parierstange bietet ebenfalls viele wichtige Anhaltspunkte für die Datierung. In seiner großen 1938er Studie kam Nándor Fettich gerade auf Grund der nordgermanischen Parallelen dieses Musters zu der Folgerung, das Schwert sei irgendwann in den letzten Jahrzehnten des 10. (ahrhunderts geschaffen worden. 2 1 Viel später hat David Wilson, der namhafte Experte der Wikingerhinterlassenschaft, festgestellt, dass das Muster auf dem Prager Schwert zu den Zeugnissen des sog. Mammen-Stils der Wikingerkunst gehört, wo die Flechtband-Rankenverzierungen häufig Tierfiguren bilden. Seiner 15 Fettich 1938, 516. iß László 1975; 1977; 1977a. 17 László 1977a, 362, 364. is László 1975, 336-337.; 1977, 468-469; 1977a, 363. if Kirpicnikov-Medvedev 1985, 301. 20 Paidsen 1933, 52. Vgl. Petersen 1919, 150-153; Klejn 1991, 280-304. 21 Fettich 1938, 506.