Folia archeologica 49-50.

Endre Tóth: A magyar Szent Koronáról. (Kutatástörténeti beszámoló)

336 ENDRF, TÓTH durch die Beobachtung ermöglicht, daß zwischen den Buchstaben vom Typ der Kapitalis antiqua zwei sonderbare Formen vorkommen: im Namen P AVI AS der zweite Buchstabe V und im Namen THOMAS der Anfangsbuchstabe T. Es ist unverständlich, warum József Deér die ungewöhnliche Form der beiden Buchsta­ben mit der Unerfahrenheit des Goldschmiedes erklärte: „Von der geringen Erfahrung dieses Goldschmiedes in der Herstellung von Emails zeugen übrigens das misslungene zweite Ubei Paulus und das ebenfalls misslungene /'bei Thomas". J. Deér hat tatsächlich die unzialen Buchstabenformen nicht erkannt? Seinen Irrtum entschuldigt nicht, daß die Inschriften von Goldschmiedegegenständen ein fast vernachlässigtes Gebiet der Paläographie des Mittelalters sind. Die sonderbare Form der beiden Buchstaben zeugt nicht von der Ungeschicklichkeit des Gold­schmiedes, denn die übrigen Buchstaben der Apostelinschriften haben schließlich eine schöne Zellenzeichnung. Natürlich war die Form beider Unzialbuchstaben auch in Westeuropa nicht unbekannt, doch von den Buchstaben der Form Kapitalis antiqua unterscheiden sich beide Buchstaben charakteristisch: beide stammen aus der unzialen Buchstabenform. In meiner Studie von 1996 gelangte ich zu der Folgerung, daß sich die Herkunft der zwei vom Charakter der Schrift abweichenden Buchstabenformen in der lateinischsprachigen byzantinischen Münzprägung bis in die 1050—60er Jahre finden läßt. 4 9 Auf Münzen mit lateinischer Inschrift bekommen einzelne lateinische Buchstaben (A, D, M, T, V) zunehmend eine besondere Form. Und da man um 1050 in der Münzprägung zu den griechischsprachigen Inschriften überging, 5 0 wurden diese Buchstaben besonderer Form nicht mehr verwendet. Daraus schloß ich, daß die Emailplatten mit diesen charakteristisch geformten Buchstaben Werke von Goldschmieden seien, die in Konstantinopel oder im Kaiserreich gelernt hatten und in der Formensprache der byzantinischen Kunst und Münzprägung bewandert waren, und daß die Platten vor 1050 hergestellt sein mußten. Die gleichzeitige Verwendung von lateinischen und griechischen Buchstabenformen läßt sich an den in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts auf italische Bestellung hin in Konstantinopel geschaffenen Bronzetoren gut beobachten. 5 1 Auf dem 1070 entstandenen Bronzetor der St. Paulus-Basilika 5 2 ­auf dem Apostel Petrus übrigens ähnlich wie bei der Petrusplatte der Krone an einem Ring am Handgelenk einen kleinen Schlüssel trägt — findet sich auf der Schriftrolle des Propheten Habakuk ein Zitat aus dem Buch dieses Propheten: D(ominus) a Libano veni et s(an)c(tu)s de montem (Abb. 14). Neben dem Kopf des Propheten steht links griechisch und mit griechischen Buchstaben das Propheten­wort und rechts der Name: ARAKOVM. 5 3 Letzteres ist die mit lateinischen Buchstaben geschriebene Form von (H)Abakuk. Der Künstler hat - wie auch in anderen Fällen bei den Inschriften auf dem Tor - statt B den ähnlich geformten Buchstaben R verwendet. Beachtenswert ist, daß auf der Schriftrolle neben den 4 9 Die ausführliche Argumentation s: Tóth 1996. 5 0 Tóth 1996, 194 5 1 Matthiae, G., Le porte bronzee byzantine in Italia, Roma 1971, AL English Frazer, Byzantine Bronze Doors in Italy, Dumbarton Oaks Papers 27, 1973, 147-162, Amalfi ca. 1062, Monte Cassino, Rom, San Paolo fuori le Mura 1070, Velence, San Marco ca. 1080, Monte San Angelo 1076, San Michele 1076, Atrani 1087, San Salvatore 1087, Salerno, Dom, 1099, usw. Bloch, H., Monte Cassino in the Middle Ages vo. I. Cambridge, Mass, 1986, 1.1378-1628. 5 2 Luttor, Fr. /., Paulustür. Ein Meisterwerk der byzantinischen Kunst aus dem XI. Jahrhundert, Römische Quartalschrift Suppl. 20, Roma 1913, 301-306; E.Josi, La porta bizantina di San Paolo, Roma 1967 5 3 E.Josi, a. a. 0.,18 und fig. 25

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