Folia archeologica 48.
Endre Tóth: A magyar koronázási jogar
122 ENDRE TÓTH nicht aufkommt. Durch das Loch konnte höchstens ein Draht (Niet) gesteckt werden, der nicht der Halterung oder Befestigung einer größeren Ergänzung dienen konnte; der Fuß solcher Erweiterung hätte auch das Muster verdeckt. Auch wenn das Goldblech an der oberen Öffnung der Kristallkugel den oberen Querschnitt des Holzschaftes verdeckt, kann man, den Holzschaft unter der Lupe aufmerksam drehend, jenen Punkt finden, wo eine dem kleinen Loch im Goldblech entsprechend große Öffnung in den Schaft führt. Demnach schloß sich dem Zepter oben irgendein kleinerer Zusatz an. Die erste wahrheitsgemäße Darstellung des Zepters ist auf dem Stich von der Krönung König Matthias' II. zu sehen. Auf dem Bild ist die Filigranverzierung des Zepterschaftes zu erkennen, also ist der heutige Schaft dargestellt. Am oberen Ende der Zepterkugel ist ein kleiner Zusatz zu sehen. Auch Tibor Gerevich dachte an einen kleinen Edelstein auf dem Zepter. 1 3 Es kann sich darum handeln, daß man die Beweglichkeit der Kristallkugel zu verhindern suchte, indem man den Schaft von oben an der Fassung befestigte. Dieser Befestigungsteil ist bis heute aber verloren gegangen. Die Spur einer dem heutigen Zustand vorausgehenden Befestigung können die beiden kleinen Löcher ohne Funktion am die Kugel haltenden Hals des heutigen Holzschaftes sein. Umstritten ist, ob die von den das Zepter einfassenden Blechen herabhängenden Ketten zusammen mit dem Zepter entstanden oder spätere Ergänzungen sind. Wie gesehen, schloß man die Kettchen so an die Goldbleche an, daß man das Blech an beiden Seiten des die Blütenblätter begrenzenden geperlten Musters durchlöcherte, durch die Löcher einen Draht hindurchfühl te und an ihn die Ketten hängte. Diese Befestigung ist ungewöhnlich und für das feine Filigranmuster eine grobe Lösung. Man hätte beim Auflöten des Filigrans an den fraglichen Stellen kleine Ösen anlöten können, an die dann die Ketten gehängt wurden. Sicher als Reparatur muß die nachträgliche Befestigung eines der X-förmigen Bänder am oberen Umfassungsblech betrachtet werden: Vermutlich hatte sich die Bandlötung am oberen Blech gelöst, wehalb man das Blech lochte und einen Draht zweimal hindurchzog. Gyula László sah nicht nur zwischen dem Schaft und der Kugelfassung einen Zeitunterschied, sondern auch in der Einfassung der Kugel, da die Goldbänder nicht genau in die elliptischen Einschnitte passen, die die Löwen umgrenzen. Aus der ungenauen Einpassung der Bänder läßt sich jedoch nicht auf einen Zeitunterschied folgern. Denn die Goldbänder mußten in die elliptischen Einschnitte in der Kugeloberfläche eingepaßt werden: Das wäre nur gelungen, wenn die Bänder bogig ausgeschnitten wurden, was keine leichte Aufgabe war. An zeitlichen Unterschied kann man bei den Ketten mit Kügelchen und eventuell bei der Durchbohrung denken: Die Befestigung der Ketten geschah mittels Durchlochung der die Kristallkugel umfassenden Goldbänder, dort, wo der goldene Filigrandrahtrahmen Halt bot. Wäre beim Entwerfen der Zepterfassung schon an die Befestigung der Ketten gedacht worden, dann hätte man auf das Trägerblech Ösen zum Aufhängen der Ketten gelötet, wie es auch an den Kügelchen der Fall ist. Möglicherweise sind die Kugeln nicht aus Gold, sondern vergoldetem Silber, weil ihre Farbe etwas von der des Materials der Rosetten und Bänder abweicht. Forschungsgeschichte Péter Révay 1 4 und später Sámuel Decsy bemerkten beide die Ähnlichkeit des Zepters mit der damaligen Streitkeule. 1792 verband Decsy in seiner Arbeit über Auch Tibor Gerevich dachte nur an eine kleine Verzierung, eventuell einen Edelstein: Gerevich 1938, 271, Anm. 335. Révay P., De sacra corona Hungáriáé ortu, virtutem victoria, fortuna annos ultra ÜC clarissimae, brevís commentarius, Augustae Vindelicorum 1613.