Folia archeologica 42.
Tóth Endre: Későrómai ezüstkanál Bajnáról
SPÄTRÖMISCHER SILBERLÖFFEL AUS BAJNA Im Balassi Bálint Museum zu Esztergom wird ein prunkvoller, römischer Silberlöffel aufbewahrt (Inv.-Nr. 82.22.4), der in Bajna (Kom. Komárom) zum Vorschein gekommen ist. Der Fundort liegt etwa 13 km südlich vom Donau-Limes. Der Löffel wurde auf einem Ackerboden ohne Begleitfunde, als echter Streufund geborgen. In Pannonién liegen römische Silberlöffel nicht häufig vor. Die Verzierung des Exemplars von Bajna sticht nicht nur unter den pannonischen, sondern auch unter den spätrömischen Silberlöffeln des Reiches hervor. Der Löffel ist ein Cochlear, d. h. gehört zu den kaiserzeitlichen kleinen Löffeln. Er vertritt eine spätantike Form: die Laffe ist oval, länglichrund, der spitz ausgehende Stiel zylindrisch. Die beiden Teile sind von einer offenen Volute miteinander verbunden. Die Länge des Löffels beträgt 13,3 mm, davon der Stiel 88 mm, das Gewicht 13,3 g. Die ganze innere Oberfläche der Laffe ist von einem eingekerbten Muster verziert, von einer wellenförmig ausgebildeten Weinranke umrahmt, in der Längsachse von einer symmetrischen Blattreihe in zwei Teile geteilt. Das Muster der beiden Teile: ein Kreis, sodann ein auf den Rand gestelltes, blumenverziertes Viereck und wiederum ein Kreis. Die übrigen Oberflächen sind von Ranken ausgefüllt. In den vier Kreismedaillons ist in Dreiviertelprofil das Porträt von je einem, einander zugewendeten Knaben zu sehen. Die Muster wurden eingekerbt, die Oberfläche ist zum Teil vergoldet. Von dieser Vergoldung sind heute nur mehr geringe Spuren wahrzunehmen. Der Löffel ist beschädigt, bröckelig, dürfte lange Zeit auf dem Ackerboden gelegen sein. Die Laffe und der Stiel sind von ihrer ursprünglichen Lage abgebogen. Der Gegenstand stammt aus dem 4. Jh. und gehört zum wohlbekannten Typ- . . Der Silberlöffel richtete meine Aufmerksamkeit darauf, daß die pannonischen Metallöffel bisher nicht bearbeitet wurden, ihre Probleme ungelöst sind und die Auslegung der Porträts mit den jungen Gesichten noch auf sich warten läßt. Im 4. Jh. wurden an mehreren Arten der kunstgewerblichen Gegenstände (Silberschüssel, Gürtelbeschläge, Glasbecher und vor allem Zwiebelknoptfibeln) mit Vorliebe Porträts angewendet, doch von einem Löffel ist nur unser Fall bekannt. Diese Abbildungen wurden früher für lebende Porträts angesehen und mit den Söhnen des Konstantins d. Gr. identifiziert (R. Delbrück, R. Laur-Belart, Th. Ivanov u. a.). Diese Interpretation wurde von Uwe Süssenbach endgültig widerlegt. Mit seiner Meinung stimme ich überein: die Knabengesichter sind keine individuellen Porträts von lebenden Personen, sie haben mit der kaiserlichen Familie nichts zu tun. Mit den Interpretierungsmöglichkeiten der Porträtmedaillons beschäftige ich mich in einer anderen Studie (in: Komárom megyei múzeumi értesítő). Die Anwendung des Löffels, als eines kaiserzeitlichen Eßgerätes außerhalb der Mahlzeiten, sowie seine symbolische Auslegung und Kulturgeschichte ist in vieler Hinsicht unbearbeitet. In den letzteren 30 Jahren beschäftigten sich mit den spätrömischen Löffeln mehrere Arbeiten von zusammenfassendem Anspruch: diese knüpften sich aber vor allem an die Völkerwanderungszeit. Die Untersuchung ihrer