Folia archeologica 39.

Nagybákay Péter: Címeres ostyasütővasak a Magyar Nemzeti Múzeum-ban a 15-16. századból

MIT WAPPEN VERSEHENE WAFFELEISEN IM UNGARISCHEN NATIONAL MUSEUM AUS DEM 15-16. JAHRHUNDERT In den ungarischen Museen — unter diesen im Ungarischen Nationalmuse­um — werden in großer Zahl zum Backen von nicht-liturgischen, nichtkirchlichen Hostien dienende, zangenähnliche Eisengeräte (Waffeleisen) mit Herstellungsze­iten vom 15. bis zum 19. Jh. aufbewahrt. Die aus der Hostie hervorgegangenen sog. Waffel waren schon ganz früh beliebte Leckerbissen an den Mählern aus­schließlich weltlichen Charakters anläßlich der großen Familien- und Kirchen­feste. Das Waffelbacken verbreitete sich aus den fürstlichen, sodann hochadligen Haushalten in ganz Europa, hauptsächlich im Laufe des 16. Jh. im Kreise des Adels und des Stadtbürgertums. Schließlich lebte dieser Brauch — im 19. Jh. schon völlig volkstümlich geworden — bei den Landbewohnern fast bis auf den heutigen Tag weiter. Die ältesten und schönsten Waffeleisen des Ungarischen Nationalmuseums sind aus dem 15 — 16. Jh. stammende, mit Wappen verzierte Stücke. Der größte Teil dieser Waffeleisen zeigt das Negativ irgendeines Familienwappens, gewöhn­lich eines Allianzwappens, andere sind wiederum mit Landes- und Stadtwappen oder mit einfachen heraldischen Tierfiguren versehen. Bei einem Teil der mit Wappen versehenen Waffeleisen ist der Name und das Herstellungsjahr - in einer den Siegeln ähnlichen Rundschrift — eingekerbt, andere enthalten wiederum außer der Wappenzeichnung nichts anderes. Es gibt solche, an welchen biblische Zitate oder auch sonstige weise Sprüche zu lesen sind. Der vorliegende Aufsatz versucht durch Interpretation der umschriftlosen Wappen bzw. durch Identifizierung der mit Umschrift versehenen Exemplare die Identität der Waffeleisen benutzenden Familie, ja sogar Personen festzustellen und auf diese Weise auch auf ihre Gebrauchs- und Erzeugungsstelle bzw. — zeit zu schließen. Von den beschriebenen 8 Stücken führen 5 Familienwappen. Das erste wurde 1497 für Lasla v. Prag und seine Frau Regina Tanbeck hergestellt, das zweite um 1550 für Caspar v. Herberstein und seine Frau Wandula v. Mansdorf, das dritte für Hans v. Görtschach im Jahre 1557. Lasla v. Prag war ein Kärntner Erbmarschall und stand eine Zeit lang im Kriegsdienste des ungarischen Königs Matthias v. Hunyadi. Mitglieder der österreichischen Familie Herberstein beteil­igten sich in Ungarn im Laufe des 16. Jh. regelmäßig an den Kämpfen gegen die Türken, Hans Görtschch war hingegen Rat des Königs Ferdinand I. und zugleich Mustermeister der ungarischen Armee. Der Besitzer des vierten Exemplars war Georg Gulden, Kanzler zu Passau und Pfleger zu Zell und Griesbach sowie seiner Frau Anna Puchleitner (1565), das fünfte gehörte Ullrich Gassner, dem Forst­meister zu Nellenburg bei Konstanz und seiner Frau Ursula Bockmeier (1597). Über die Beziehungen der letzteren zu Ungarn gelang es unsrerseits nichts zu erforschen. 15 Folia

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