Folia archeologica 30.
Sándor Soproni: Municipium Halicanum
MUNICIPIUM HALICANUM 93 und 3. Buchstaben dürfte schon ursprünglich kein Buchstabe gewesen sein. Die obere Hälfte des „I" ist an der stark abgewetzten Fläche noch sichtbar und auch die untere und obere Biegung des „C" ist lesbar. Nach dem Orstnamen - ALIC folgt wiedereum ein Bruch im Stein, sodann gibt die Inschrift das Lebensalter der Verstorbenen an. 1 Die Lesung der übrigen Teile der Inschrift ist nicht problematisch und enthält die üblichen Grabtexte. Der Beruf des Vaters der verstorbenen Iulia Secundina ist nicht angeführt, ihr Gemahl Aurelius Victor war Veteran der legio II adintrix, der als Strator (Reitknecht) dem Statthalter zugeordnet war. 5 Zur Datierung des Sarkophags bietet die Inschrift sehr wenige Anhaltspunkte. Die Formel DM und die Sarkophagenbestattung selber weisen in die Zeiten nach der zweiten Hälfte des 2. Jhs. Die Verzierung des Sarkophags ist im pannonischen Fundmaterial wohlbekannt, das Volutenmuster, welches auf den Steindenkmälern am frühesten in der zweiten Hälfte des 2. Jhs erscheint, wird erst in den ersten Jahrzehnten des 3. |hs allgemein," und stellt ein bekanntes Ziermotiv der Severerzeitdar. Der Name von Aurelius Victor 7 widerspricht nicht dieser Datierung, sodaß wir unseren Sarkophag in die ersten Jahrzehnten des 3. Jhs, also in die Zeit der Severer setzen können. Die Bedeutung der Inschrift liegt im Namen des neuen Munizipiums: die verstorbene Iulia Secundina stammte aus Alicanum, aus einer Ortschaft, die über einen Munzipialrang verfügte. Die Identifizierung von Alicanum mit dem aus den Itinerarien wohlbekannten westpannonischen Alicanum bzw. Halicanum bereitet keine Schwierigkeit. Eine andere Ergänzungsmöglichkeit kann gar nicht in Betracht kommen. Die an der Bernsteinstraße gelegene Ortschaft Halicanum wird in den Itinerarien auch öfters in verschiedenen Formen erwähnt. Der Name kommt im Itinerarium Antonini zweimal vor: so wird Alicanum zwischen Arrabona und Poetovio an der von Vindobona nach Poetovio führenden Straße, 40 MP entfernt von Arrabona, erwähnt. 8 Auch an der Strecke Poetovio-Carnuntum, zwischen Poetovio und Salla, kommt der Ort in der Form Halicanum in einer Entfernung von 31 MP von Poetovio vor. 9 Der ravennatische Geographus zählt die Ortschaft an der Strecke Poetovio-Savaria zwischen Vincesimo (Ad vicesimum) und Salla in den Formen Alicano, bzw. Lygano, Lingano auf. 1 0 Dieser Ortsname ist uns noch aus einer weiteren Erwähnung bekannt: Ptolemaios setzt Olimacum - eine Ortschaft der Provinz Pannónia Superior-abseits der Donau (атсо той лотовой); aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte sich dies ebenfalls auf Halicanum beziehen. 1 1 Die genaue Bestimmung der Stelle des neuen Munizipiums harrt noch der weiteren Forschungen. Die ältere Forschung identifizierte Halicanum mit Alsó4 Die ursprüngliche Inventareintragung gibt den 1-2. und 4. Buchstaben an. 5 Zum strator consularis: Eammert, F., RE IVA. (Stuttgart 1932) 329f. 6 Nagy, L., a. a. 0. 611f.; Nagy, T., BpR 22(1971) 125ff. 7 Zum Namen Aurelius Victor nach den Markomannenkriegen: Barkócz i, L., Acta Arch. Hung. 16(1964) 334ff., Katalog: 60/a, 78/107, 105/123 (unsere Inschrift), 113, 142/5, 160, 178/1, 219. 8 Itinerarium Antonini 261, 9. 9 Ebd. 262, 4. 1 0 Ravennatis Anonymi Cosmographia. Ed. M. Pinder-Parthey.; ANSI 91 (Halicanum). 1 1 Ptolemaios II 14, 4Polascbek, E., Olimacum. RE XVII. (Stuttgart 1937) 2479.; Graf, A., Übersicht der antiken Geographie von Pannonién. DissPann 1:5. (Budapest 1936) 69.; ANSI 91 (Halicanum).