Folia archeologica 29.

Sándor Soproni: A carnuntumi Heidentor

DAS HF.IDENTOR VON CARNUNTUM 129 Es stellt sich also mit Recht die Frage, ob wir auf Grund unserer bisherigen Kenntnisse an die Bestimmung der Funktion des Heidentors herantreten, die Geschichte dieses Denkmales ungewöhnlichen Typs erforschen und seinen Platz in der Geschichte Pannoniens zuweisen können? Im weiteren versuchen wir durch Vergleich der archäologischen und his­torischen Daten und der neueren, bisher außer acht gelassenen oder unaus­gewerteten Gesichtspunkte die wahrscheinliche Funktion des Heidentores zu umreißen. Die Annäherung des Problems möchten wir mit der Bestimmung des Al­ters des Baues beginnen, was auch den Umriß des historischen Milieus erleich­tern kann. Von den in das Heidentor sekundär eingebauten früheren architek­tonischen und inschriftlichen Denkmälern scheint der bereits erwähnte Altarstein der Diana Augusta, auf dem das Attribut Antoniniana eindeutig auf die Caracalla­Zeit deutet, das späteste zu sein. 2 3 Das Heidentor dürfte auf diese Weise jeden­falls nach der ersten Hälfte des 3. Jhs gebaut worden sein. Dieser terminus post quem bedeutet hingegen in pannonischer Relation, daß wir das Heidentor nicht früher als das Ende des 3. Jhs datieren können, da die früheste sekundäre An­wendung der älteren, meist aus der Severus-Zeit stammenden Steindenkmäler bei den Bauten der Tetrarchiezeit vorkommt. Die sonstigen, sekundär eingebauten inschriftlichen und architektonischen Fragmente 2 4 ermöglichen keine genauere Datierung. Als Bauzeit des Heidentors kann also die Tetrarchiezeit oder die dieser folgende Periode in Betracht kommen. 2 5 Bei der Bestimmung des Denkmales müssen wir die Tatsache berücksich­tigen, daß das Objekt zufolge seiner Monumentalität nur ein öffentlicher Bau gewesen sein konnte. In Kenntnis der damaligen (Ende des 3. Jhs bzw. das 4. Jh.) wirtschaftlichen Lage von Carnuntum läßt es sich kaum an irgendeinen Privatbau denken. Die Triumphbögen und die Quadrifrontes gehören übrigens fast ausnahmlos — in den späteren Zeiten - ausschließlich zum öffentlichen Bau. 26 In der in Betracht kommenden Periode spielte sich also im 4. Jh., im Leben von Carnuntum ein einziges solches Ereignis ab, das einerseits auch in der Geschichte des Römerreiches als ein bedeutend zu betrachtendes politisches Geschehnis galt, andrerseits die Errichtung eines solchen Baues, wie das Heiden­tor beinahe notwendig machte. Dies war Kaisertreffen zu Carnuntum im Jahre 308. 2 7 Unserer Meinung nach galt diese Kaiserkonferenz, das Treffen der vier Herren der damaligen Welt als ein besonders bedeutsames Ereignis in der Ge­CIL III 4393 und 11086 ad 4393. 2 4 Ihre Aufzählung Dell, ]., а. а. O. 2 5 Auf stilkritischer Grundlage hat schon auch F. Kenner (а. а. O. 195) den Bau auf die Tetrarchiezeit gesetzt. 2 6 Köhler, а. а. O. 466ff. 2 7 Zum Kaisertreffen: Seston, W., La conférence de Carnuntum et le „dies imperii" de Licinius. In: Carnuntum. Römische Forschungen in Niederösterreich 3. (Graz 1956) 175ff. ; Moreau,]., Zur Datierung des Kaisertreffens von Carnuntum. Carn. Jb. 1960. 7ff., der entgegen Seston und J. A. Crook [Consilium Principis. Imperial councils and counsellors from Augustus to Diocletian. (Cambridge 1955) 101.1 den Zeitpunkt des Treffens auf den Spätherbst des Jahres 308 setzt. Eine ähnliche Datierung gibt I. Weiler [Huic Severi Pannoniae et Italiae urbes et Adricae contigerunt. História 13(1964) 374. Anm. 8.], der die Datierung von Moreau mit einer weiteren Angabe unterstützt. Vgl. noch: Sivoboda, E., а. а. O. 270. Anm. 1.; Mócsy, A., Zur Geschichte Pannoniens in der Römerzeit. In: Die Römer an der Donau. (Wien 1973) 42. 9 Folia Archaeologica 1978

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