Folia archeologica 29.
Sándor Soproni: A carnuntumi Heidentor
130 S. SOPRONI schichte des Reiches und bot eine Gelegenheit, ja erhob sozusagen die Forderung ein solches Denkmal von unbedingt kultischem und zugleich auch symbolischem Charakter zu erbauen. Der am Rand der Siedlung errichtete Bau konnte ein ausgezeichneter Treffpunkt für die hier verhandelnden vier Kaiser gewesen sein, wo die hohen Teilnehmenden ihre Eintracht und Freundschaft mit Darbietung eines Opfers auch festlich besiegeln konnten. Von diesem Gesichtpunkt aus scheint die von der bisherigen Forschung weniger gewürdigte und ausgewertete Tatsache wesentlich zu sein, daß in der Mitte des Denkmales eine runde Statuenbasis steht. Die vier Herrscher dürften durch die nach den vier Himmelsrichtungen orientierten 2 8 vier Tore eingetreten sein, sich vor der in der Mitte stehenden Statue - die vermutlich die Statue der Concordia gewesen sein konnte 2 0 - getroffen und dort ihr Opfer dargeboten haben. Dadurch zeigten sie die zwischen ihnen bestehende - zumindest der Form nach sich offenbarende - Eintracht an. Von diesem Aspekt scheint die symbolische Interpretation des Fleidentors außerordentlich verlockend zu sein: die Einheit der vier Tore, der vier, sich gegenseitig ergänzenden, zusammengehörenden Pfeiler einerseits, andrerseits die Eintracht der vier Herrscher. Um den Bau herum wurde ein größerer, gepflasterter Teil beobachtet, 3 0 dort dürften die Mitglieder der kaiserlichen Gefolge Platz genommen haben. Für die Zeremonie scheint das Heidentor schon wegen seiner topographischen Lage äußerrst geeignet gewesen zu sein (Abb. 2). Das Denkmal liegt, wie bekannt nur einige Hundert Meter weit vom Amphitheater der Zivilstadt von Carnuntum, so konnten die Kaiser nach dem feierlichen Akt im nahen Amphitheater vor dem sich versammelten Volk auch mit ihrem persönlichen Erscheinen ihre Eintracht, Zufriedenheit demonstrieren. Im Zusammenhang mit dem Kaisertreffen müssen wir auch über die Frage des Quartiers bzw. der Konferenzstätte der vier Herrscher sprechen. Zur Zeit der Kaiserkonferenz dürfte Carnuntum eine unbedeutende und ziemlich vernachlässigte Siedlung Pannoniens gewesen sein. 3 1 Vielleicht gerade diese Bedeutungslosigkeit machte diese Siedlung dafür geeignet, daß sie für die rivalisierenden Kaiser für eine politisch unabhängige, neutrale Stätte angesehen wurde, 32 die auch für den Hauswirt Galerius 3 3 keinen politischen Vorteil bedeuten konnte. Neulich bringt B. Saria den Umbau der Villa von Parndorf mit dem Kaisertreffen zu Carnuntum in Zusammenhang. 3 4 Da das uns zur Verfügung stehende antike Quellenmaterial 3 5 ausgesprochen Carnuntum erwähnt, 3 6 ist bei der Unter2 8 Kenner, F., а. а. O. 191ff.; Kubitschek, W.-Frankfurter, S., а. а. O. 182. 2 9 Concordia, als Symbol der politischen Versöhnung: Koscher, W. H., Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. I. (Leipzig 1884-86) 914ff.; Aus/, Concordia. RE IV. (Stuttgart 1901) 831 ff. 3 0 Kubitschek, W.-Frankfurter, S., а. а. O. 186.; Kahler, а. а. O. 448. 3 1 Zur zeitgenössischen Lage von Carnuntum: Swoboda, E., а. а. O. 74 und 140. 3 2 Mócsy, A., Zur Geschichte ... 42. 3 3 Weiler, I., а. а. O. 374. 3 4 Saria, В., Der römische Herrensitz bei Parndorf und seine Bedeutung. In: Festschrift für A. A. Barb. Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland 35. (Eisenstadt 1966) 270ff. 3 5 Die Aufzählung der Quellen in den angeführten Arbeiten von Egger, Moreau und Seston. 3 6 Zur Frage Carnutum = Carnuntum bzw. Chartres Moreau, J. а. а. O. 9.