Folia archeologica 29.

Sándor Soproni: A carnuntumi Heidentor

128 S. SOPRONI gestorum adfixis" - also, daß ein bei den Triumphbögen übliches historisches „Bilderbuch", die die Taten des Kaisers verewigenden Reliefs das Heidentor verziert hätten, kann unter Berücksichtigung der architektonischen Form und der erhalten gebliebenen Ruinen kaum vorgestellt werden. Abgesehen davon, daß die Erscheinungsform des ganzen Baues mit seiner einfachen geschlossenen architektonischen Lösung und seinem würdevollen Gesamtbild für die Anwen­dung von Verzierungen solchen Charakters widerspricht. Gegen die Annahme eines Triumphbogens spricht noch die geographische Lage des Denkmals. Die Triumphbögen standen im Mittelpunkt der Stadt bzw. in dessen unmittelbarer Nähe oder zumindest an den verkehrsreichen Haupt­straßen, 1 7 da sie ja als Propagandaobjekte einer größeren Öffentlichkeit bestimmt waren. Das Heidentor stand hingegen - wie wir sehen - außerhalb der Stadt an einer solchen Stelle, wo den Anzeichen nach keine bedeutendere Straße durchge­führt hat, also kein Verkehr war. Das Heidentor von Carnuntum ist eigentlich ein römisches Derivat des griechischen Tetrapylonen, eine Quadrifrons, also eine architektonische Form, die in den verschiedensten Gegenden des Römerreiches anzutreffen ist. 1 8 Ihrer Funktion nach zeigen sie zu den Triumphbögen eine nahe Verwandtschaft auf und sind eigentlich gleichfalls vor allem als kaiserliche Propagandamittel zu betrachten. 1 9 Obwohl in typologischer Hinsicht das Heidentor von Carnuntum zu den Quadrifrontes gereiht werden kann, weicht es dennoch von diesen ab. Die Quadrifrontes, ebenso wie die Triumphbögen sind im Inneren der Städte oder zumindest an den wichtigeren, in die Städte führenden Straßen bzw. im Falle der Quadrifrontes an deren Kreuzungspunkten zu finden. 2" Dies besteht ­wie gesehen - im Falle von Carnuntum aber nicht, ja sogar die Tatsache, daß in der Mitte des Denkmals eine große Statuenbasis steht, schließt die Möglichkeit aus, als Quadrifrons zu dienen, die Straßenkreuzung zu verzieren bzw. zu beto­nen. 2 1 Das Heidentor weicht von den anderen Quadrifrontes auch in seiner Proportioniertheit ab. Mit den übrigen ähnlichen Denkmälern verglichen, fällt uns fast im ersten Augenblick auf, daß die Proportionen, Maße, Bogenöffnungen — wenn auch nicht grundlegend - aber doch von den sonstigen Denkmälern differieren. An Hand der obigen Beweggründe sind wir der Meinung, daß die sich auf die Funktion des Heidentores beziehenden bisherigen Vermutungen nicht genü­gend überzeugend sind. Diese Tatsache wird selbst von der Forschung nicht in Abrede gestellt und fast ein jeder, der sich mit der Frage beschäftig, hat betont, daß die verschiedenen Hypothesen hinsichtlich der Funktion des Denkmales über­haupt nich für eine endgültige Lösung des Problems angesehen werden können. Die Frage konnte bisher nicht in beruhigender Weise geklärt werden. 2 2 1 7 Ebd. 472. 1 8 Ihre Aufzählung: ebd. 374ff. - Vgl. noch Mansnelli, G. A., Al arco honorifico en el de desarollo de la arquitectura romana. AEA 27(1954) 93ff. ; Aurigemma, S., L'arco quadrifronte di Marco Aurelio e di Lucio Vero in Tripoli. Lvbia Antiqua suppl. 3. (Tripoli 1970). 1 9 Kä/j/er, а. а. O. 467fF. 2 0 Einige Beispiele: Cirta, Leptis Magna, Tripoli, Antiochia, Roma-Forum Boarium usw. 2 1 Diese Tatsache haben noch Kubitscbek , W.-Franfurter, S., а. а. О. 185.; Swoboda , E., a. a. O. 172.; Swoboda-Milenovic , R. M., a. a. O. 26.; StigHtH., a. a. O. 1587. betont.; Stiglitz , H.-Kandier, M.-Jobst, W., a. a. O. 618. 2 2 Neulich: Vorbeck , Е.-Becke/, L., a. a. O. 32.; Stiglitz, H., a. a. O. 1587.

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