Folia archeologica 28.

József Korek: Die Ausgrabungstätigkeit des Ungarischen Nationalmuseums im Jahre 1975

216 J. KOREK Auch die 100 cm dicken Mauerreste, die Reihe der erhalten gebliebenen gemeißel­ten Quadersteine des aufgehenden Mauerwerkes bekräftigt, daß hier ein Haupt­gebäude des Zentrums ans Tageslicht gekommen war. Daß es hier um ein Wohnhaus handelt, wird auch durch den aus Stein gebauten Ofen bekräftigt, der an der nördlichen Innenmauer des östlichen Raumes stand. Die Maße der Wohngebäude von nicht zentraler Bestimmung sind den aus den árpádenzeitli­chen Dorferschließungen bekannten Maßen gleich. Auch 1975 ist der Rest eines vom Ende des 10. Jahrhunderts stammenden Wohnhauses mit einer Grund­fläche 5x5 m zum Vorschein gekommen. Seine Mauern wurden den örtlichen Gegebenheiten entsprechend ebenso aus in Lehm gelegten Steinen gebaut, wie der in der NO-Ecke gefundene Ofen. Die römischen sowie die aus dem 10.—11. Jahrhundert stammenden Bauten konnten an den bisher freigelegten Teilen des Lagers überall gut abgesondert werden. An mehreren Stellen waren die Türen der römischen Bauten zugemauert, das Fußbodenniveau gehoben und zum weiteren Gebrauch geeignet gemacht. Im Fundmaterial helfen außer der Keramik die immer häufiger auftretenden Metallfunde die chronologische Bestimmung zu verfeinern. Die vorangehenden archäologischen Forschungen zur Restauration der Kirche von Feldebrö, des berühmtesten Kunstdenkmals der byzantinisch-christ­lichen Baukunst in Ungarn hat J. Kovalovszki im Jahre 1975 fortgesetzt. Aus technischen Gründen kam erst jetzt die Reihe zur Erschließung der Grabkammer in der Unterkirche. Leider wurde, wie es zu erwarten war, die Grabkammer schon früher ausgeräumt, und so konnte die so oft aufgetauchte Annahme, wonach Samuel Aba, der dritte König Ungarns eventuell hier bestattet gewesen wäre, von der Forschung nicht beantwortet werden. Die Forschungen wurden im Jahre 1975 durch die Geländeregulierungen im Bereich des Kirchhofes durchge­führt und 134 Gräber erschlossen. Die Mehrheit der Gräber bestand aus spätmit­telalterlichen Bestattungen in Holzsärgen, mit den für das Zeitalter charakteri­stischen betreßten Trachtresten. Die Freilegung brachte Teile der mit Strebepfei­lern befestigten Mauern des mittelalterlichen Kirchhofes ans Tageslicht. Die Freilegung der Gräberfelder und Siedlungen des ungarischen gemeinen Volkes im Alföld aus dem 10.-13. Jahrhundert ist ein hervorgehobenes Thema unserer mittelalterlichen Forschungen. Aus diesem Zwecke hat die Grabungslei­terin J. Kovalovszki von ihrer 1962 in Dobo% (Kom. Békés) begonnenen For­schungsarbeit sogar in zwei Fällen Vorberichte gegeben (FÁ 16.1964.125-131; Arch. Ért. 102.1975.204—224.). Die wichtigsten Ergebnisse der bis 1974 durch­geführten Freilegungen in der Publikation beweisen wie mannigfaltig die früh­mittelalterliche Siedlungsstruktur war, es gibt nämlich keine zwei Siedlungen in der Arpádenzeit, die ännahernd gleiches System gehabt hätten. Die strukturellen Abweichungen bilden die in diesem Gebiet gefundenen Grabensysteme, die ihrer Form und ihrem Maßen nach von je anderer Bestimmung gewesen sein konnten. Sie dürften zur Absonderung bestimmter Gebiete gedient haben, hierzu eignen sich die größeren Gräben, während die kleineren, runden, halbkreisförmigen viel­mehr je ein Gebäude, einen Bau umnommen haben. Die im Laufe der Arbeiten des Jahres 1975 zum Vorschein gekommenen Gräben helfen uns weiter in der Lösung des Systems. Die Größe der erschließbaren Fläche bzw. die Arbeitsinten­sivität wird noch viele Grabungskampagnen erfordern. 1975 kamen 3 Wohn­gebäude (Nr. XVIII-XXI) zur Erschließung. Die Struktur, die Bauart dieser

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