Folia archeologica 28.

Mesterházy Károly: A Tiszántúl IX-X. századi bolgár emlékei

170 К. AIESTERHÁZY Die schriftlichen Quellen weisen eindeutig daraufhin, daß im 9. Jahrhundert in Ostungarn eine bulgarische Population gelebt hat. Es bleibt jedoch auch wei­terhin fraglich, ob nach der Liquidierung des Awarenreiches Krum oder Omur­tag die östlichen Awaren unterworfen hat, wann es eigentlich zur Besetzung ihres Gebietes gekommen ist, wie weit sich die Grenzen der Bulgaren erstreckt haben und was mit der awarischen Bevölkerung geschehen ist? A. Nagy kam zum Ergebnis, daß das bulgarische Denkmalmaterial des 9. Jahrhunderts gering ist und bis zum ersten Drittel des 10. Jahrhunderts weiter­gelebt hat. Es unterliegt demnach keinem Zweifel, daß wir die Schicht bulga­rischen Ursprunges unter den archäologischen Denkmälern des Alföld im 9. Jahrhundert suchen müssen. Welche Charakteristika zeigen die Funde des 9. Jahrhunderts? Ein bedeutender Teil der Siedlungskeramik dieses Jahrhunderts ist mit der Keramik der spätawarischen Gräberfelder identisch oder von dieser abzuleiten. Diese Erscheinung unterbindet bezüglich des Weiterlebens des awa­rischen Population im 9. Jahrhundert jeden Zweifel. Im Zusammenhang mit die­ser Frage spielt die Keramik des awarischen Gräberfeldes von Artánd eine ent­scheidende Rolle. Der charakteristischste Vertreter einer anderen archäologischen Kultur ist das Fragment eines aus Debrecen stammenden Topfes. Seine Farbe ist braunrot. Von der Schulter abwärts ist seine ganze Oberfläche mit Feldern von an einander­geschlossenen senkrechten und waagerechten Linienbündeln verziert. Das andere Gefäß stammt aus Hajdúböszörmény. Das System seiner Verzierung ist dem voran­gehend erwähnten Fragmentstück fast völlig gleich. Der dritte Fundort liegt an der Theiß, auf dem Egyek-Ohat-Kissziget. Das vierte Gefäß kam von Artánd zum Vorschein. Leider, alle Streufunde. Die besten Parallelstücke des Fragments von Debrecen sind uns aus Bulga­rien bekannt. Ähnliche finden sich auch auf den Siedlungen der Dridu-Kultur in Rumänien. Das einzige Parallelstück des Gefäßes von Hajdúböszörmény ist dem Verfasser aus Bulgarien, vom Fundort Popina-Dshedshovilozja bekannt. Die Fußschüssel von Artánd kommt-im bulgarischen Gebiet in Dinogetia-Garvan vor, jedoch wurden auch in der Ukraine, in Solota Balka aus dem sarmatischen Gräberfeld des 1. Jahrhunderts u. Z. ähnliche Gefäße gefunden. Diese von vier ungarischen Fundorten stammenden Streufunde gehören zur selbständigen Variante der eine eigene Entwicklung durchmachenden Saltowo­Majak-Kultur, zur materiellen Kultur der bulgarslawischen Bevölkerung. Dies beweisen die Fundorte der Parallelstücke aus Bulgarien (Pliska, Preslav, Novi­Pasar, Car Krum-Omurtags Aul) und aus Südrußland (Karnauchow, Sliwki usw.). Hierauf verweist auch das Material einer Siedlung von Beograd. Die unterste Zeitgrenze unserer Funde läßt sich auf die Jahre 850 setzen, als sich die bulgarischen und fränkischen Grenzen bereits gefestigt haben. Die obere Zeit­grenze kann mit dem Anfang des 10. Jahrhunderts angegeben werden. Aus dem einen Grab des landnahmezeitlichen Gräberfeldes von Bihar ist nämlich ein Gefäß mit charakteristischer Verzierung zum Vorschein gekommen, das M. Comsa in die Kultur von Saltowo eingereiht hat. Nach Zeugnis unserer Funde haben die Grenzen der bulgarischen Besetzung die Theißlinie erreicht und dürf­ten sich auch nordwärts hinaus erstreckt haben. Hierauf verweisen die von M. Comsa erwähnten Gefäße von Bodrogszerdahely (Streda nad Bodrokom) und vielleicht auch der Name Zemplin, der südslawischen Ursprunges ist.

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