Folia archeologica 25.

Pavel J. Michna: Archäologische Nachweise der mährisch-ungarischen Beziehungen im 15. Jahrhundert

ARCHÄOLOGISCHE NACHWEISE DER MÄH­RISCH-UNGARISCHEN BEZIEHUNGEN IM 15. JAHRHUNDERT PAVEL J. MICHNA (Olomouc) Mährens günstige geographische Lage trug dazu bei, daß seine Beziehungen zu Ungarn etwas enger und intensiver waren, als zu anderen Nachbarländern. Die Geschichte Mährens war mit der ungarischen Krone nicht selten — freiwillig oder gewaltsam —- auch durch politische Bündnisse verknüpft. In Friedenszeiten beschränkten sich die gegenseitigen Kontakte nicht nur auf die Handelssphäre (Brünner Kaufleute fuhren nach Preßburg und gelangten bis nach Buda), sondern kamen auch in der Kultur zum Ausdruck. Den Aufschwung dieser Beziehungen entfachte die bewegte Zeit der Herr­schaft des humanistisch gesinnten Matthias Corvinus, dessen Persönlichkeit in bemerkenswerter Weise die macchiavellistischen Züge eines Herrschers und Kunstmäzens der Renaissance in sich vereinigte; eine Herrschergestalt, die im Europa des 15. Jahrhunderts kaum ihresgleichen hatte. Seine Fehden mit dem böhmischen König Georg von Podëbrad erreichten ihren Höhepunkt bei Matthias' Krönung zum König von Böhmen am 3. Mai 1469 in Olmütz, wo ihm die böhmischen, mährischen, schlesischen und Lausitzer katholischen Stände huldigten. Dieser eindeutig feindliche politische Akt führte zu einer heftigen Reaktion König Georgs: Mähren wurde für beinahe zehn Jahre zum Schauplatz strategischer Operationen der Streitmächte Böhmens und Ungarns, die mit wechselseitigem Erfolg endeten. Nach Georgs Tod (22. Mai 1471) wählte der Landtag in Kuttenberg (Kutná Нога) Wladislaus Jagiello zum König. Die völlige Erschöpfung der kriegsführenden Seiten führte im Laufe eines Jahres zum Waffenstillstand (31. März 1472). Nach seiner mehrmaligen Verlängerung wurde schließlich am 7. Dezember 1478 in Olmütz der Frieden feierlich verkündet. Beide Herrscher behielten den Titel eines Königs von Böhmen. Wladislaus regierte in Böhmen, Matthias bekam für die Dauer seines Lebens Mähren, Schle­sien, die Ober- und Unter-Lausitz. Begreiflicherweise war er bemüht, die neue politische Lage in Mähren bestens auszunützen und sie endgültig zu stabilisieren. Seine Anhänger setzte er in wich­tige kirchliche und weltliche Ämter ein. So wurde nach dem Tode des Bischofs Protasius von Boskovice (1482) zum Verwalter der Olmützer Diözese der bis­herige Bischof von Warasdin, Johann Vitéz (1431—1509) ernannt; ein fähiger Diplomat und seit dem Jahre 1478 Kanzler von Ungarn. Mit seiner Person sind 10*

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