Folia archeologica 24.
Endre Tóth: Zur Ikonographie des ungarischen Krönungsmantels
ZUR IKONOGRAPHIE DES UNGARISCHEN KRÖNUNGSMANTELS ENDRE TÓTH Der ungarische Krönungsmantel (Abb. 1 ) ist der einzige bis in unsere Zeit erhalten gebliebene Kunstgegenstand, der mit der Person des ersten ungarischen Königs Stephan I. mit Gewißheit in Verbindung gebracht werden kann. Mit der Bestimmung der Darstellung des unter den Denkmälern ähnlichen Charakters derselben Zeit einen hervorragenden Platz einnehmenden Mantels haben sich sogar zwei Studien ausführlich befaßt: János Horváth 1 dachte vor allem aufgrund der auf dem Mantel lesbaren Inschriften an eine OWo-Darstellung. Eva Kovács 2 hielt - die Interpretation von Horváth widerlegend - die Bilder des Mantels auf einer breiteren, vor allem auf kunsthistorischer Basis studiert für eine Symbolisierung des Tedeums und versuchte auch die Erforschung seines Ursprunges. Die Forschungsergebnisse von E. Kovács können jedoch hinsichtlich des Bildprogramms eine scharfe Diskussion bilden. 3 Die neuere ikonographische Untersuchung der Darstellungen des Mantels wurde durch die in der Auslegung des Programms bestehende Ungelöstheit, ferner auch dadurch begründet, daß ich aus den auf dem Mantel dargestellten Heiligen und aus ihrer Reihenfolge in der Abbildung die Herkunft des Entwerfers bzw. des Programms genauer für bestimmbar gehalten habe. Die vorliegende Studie steckt sich zum Ziele enthält nur einen Teil des ganzen Fragenkomplexes zu klären u. zw. die Festlegung des Programms. Die Untersuchung der Fragen des Mantels erschwert die Tatsache, daß er sich seit 1945 nicht in Ungarn befindet. Aufgrund der alten Zeichnungen und der nicht befriedigenden Photoaufnahmen können viele unserer Fragen nicht beantwortet werden. Die Beschreibung der Darstellungen des Mantels ist wie folgt: es ist bekannt, daß der Mantel nur in einer umgeänderten Form auf uns geblieben ist, ursprünglich war es ein geschlossenes glockenförmiges Messegewand, eine Casula, die man 1 Horváth, ]., Legrégibb magyarországi latin verses emlékeink (Unsere ältesten Versdenkmäler in lateinischer Sprache aus Ungarn). Irodalomtört. Ért. 60 (1956) 1-19. 2 Kovács, É., Acta Hist. Art. 5 (1958) 181-221. 3 Horváth, J., a. a. O. 19.