Folia archeologica 24.

Endre Tóth: Zur Ikonographie des ungarischen Krönungsmantels

220 E. TÓTII bei der Umänderung 4 am Vorderteil in ihrer ganzen Länge aufgeschnitten hat und auf diese Weise wurde das kegelförmige Kleidungsstück zu einem vorne offenen Kegelmantel. Seinen ursprünglichen Gebrauch beweist - jeden Zweifel aus­schließend - auch seine Dedikationsaufschrift: ANNO INCARNATIONIS XPI MXXXIINDICCIONE A STEPHANO REGE ETGISLA 5 REGINA CASULA НЕС OPERATA ET DATA ECCLESIAE SANCTAE MARIAE SITAE IN CIVITATE ALBA. Das Messegewand haben der ungarische König Stephan d. Hl. und seine Gemahlin die Königin Gisela fertigen lassen und es im Jahre 1031 der Kirche der Jungfrau Maria zu Székesfehérvár geschenkt. Die Umänderung erfolgte jedoch nicht nur durch ein einfaches Aufschneiden, da am Vorderteil der Casula von dem rechteckförmigen Feld nur seine beiden äußeren, das Feld senkrecht umrahmenden Spruchbänder und von der darunter befindlichen Mandorla nur ein Teil erhalten geblieben sind: ein kreisektorförmige Streifen wurde mit den vermutlich durch den Gebrauch am Vorderteil entstande­nen Abwetzungen und Beschädigungen ausgeschnitten. Über all dies hinaus hat man den Mantel aller Wahrscheinlichkeit nach auch verkürzt. Die Darstellungen beschreibe ich aufgrund des umgeänderten und ausge­breiteten Kleidungsstückes. Den Mantel teilen zwei konzentrische Kreise und zwei Arme eines Gabelkreuzes in vier Felder: zwischen den Balken eines Gabel­kreuzes 8 steht in einer Mandorla Christus, in seiner Rechten ein „Prozessions­kreuz", in der Linken einen Gegenstand, den wir aufgrund der zur Verfügung stehenden Photos nicht bestimmen können, hochhaltend. Unter seinen Füssen ist einLöwe und ein Drache zu sehen." Die Aufschrift der Mandorla: HOSTIBUS EN XPISTUS PROSTR ATIS EMICAT ALTO. An beiden Seiten der Mandorla befin­det sich je eine andere Mandorla, die von je zwei Engeln gehalten wird und rechts bzw. linksvon ihnen kniet je ein Engel. Bei der oberen und unteren Spitze der beiden seitlichen Mandorlen sind an beiden Seiten die Symbole der vier Evangelisten in Rundmedaillons angebracht. Die Aufschrift des Oranten in der rechtsseitigen Mandorla ist: DAT SUMMO REGIS FAMULATUM CONCIO CELI. 8 Die Gestalt wurde von der früheren Forschung für den Evangelisten Johannes oder für Johannes d. T. gehalten, 9 obwohl aufgrund der Aufschrift sie auch mit 4 Gerevich , Г., Magyarország románkori emlékei (Ungarns Denkmäler aus der romanischen Zeit). (Bp. 1938) 248.; Kovács, É., A székesfehérvári királyi bazilika XI. századi kincsei. Die Schätze der königlichen Basilika von Stuhlweißenburg im XI. Jahrhundert. Székesfehérvár Évszázadai I. (Székesfehérvár 1967) 159. Die Umänderung des Mantels wird im allgemeinen auf die Zeit des Königs Béla III. gesetzt (1165 1196). 5 Die heimischen Textvarianten seines Namens siehe: Vajay, Géza nagyfejedelem és családja. - Großfürst Géza und seine Familie. Székesfehérvár Évszázadai I. (Székesfehérvár 1967) 88., Anm. 87. 6 Vgl. Braun, ]., Die liturgische Gewandung im Occident und Orient nach Ursprung und Entwicklung. Verwendung und Symbolik. (Freiburg i. B. 1907) 213.­' Vgl. Psalm. 90, 13.; Apoc 20, 2. Ikonographisch: Kollwitz, J •> Christusbild in RAC II. (Stuttgart 1954) 21. 8 Für richtig ist die Übersetzung von É. Kovács Acta ... 189: le roi suprême est servi par l'assemblée céleste - anzusehen. " Re&ai, P., De sacrae coronae Regni Hungáriáé ortu, virtute, victoria etc. (Augustae Vin­delicorum 1613) 78.; Balassa, F., Casulae S. Stephani regis Hungáriáé vera imago et expositio. (Viennae 1754) 5,-

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