Folia archeologica 19.

Zoltán Kádár: Ikonographische und religionsgeschichtliche Bemerkungen zu den Zierscheiben von Rakamaz

DIE ZIERSCHEIBEN VON RAKAMAZ I I I der Rumpf pfauenartig gestreckt ist". 1 9 Der Vogel an der rechten Seite ist, seiner Meinung nach, ein Kormoran, an der ersten Scheibe ein größeres, auf der zweiten eine kleineres Exemplar, beide haben aber einen langen Hals. Die Bestimmungen von Csallány können wir für die linksseitigen Formen annehmen, obwohl der Hals des auf der ersten Scheibe sichtbaren Vogels kürzer ist als der der Gänse. Der rechtseitige Vogel kann jedoch auf keiner Scheibe ein Kormoran sein, da der Hals dieses um vieles kürzer, der Schnabel hingegen schmal, lang und am Ende haken­artig gekrümmt ist. Auf der ersten Scheibe kann dieser großleibige, langhalsige Wasservogel nur eine Wildgans oder ein Schwan sein und erinnert am ehesten an den in Nordeuropa und Nordasien beheimateten Zwergschwan (Cygnus bewicki YARREL), auf der zweiten Scheibe betont der Graveur den schlanken, langen Hals des Vogels in besonderem Maße, hier ist es fast sicher, daß wir der Darstel­lung eines Schwanes gegenüberstehen. Ein weiteres Problem ist es, was diese Wasservogeldarstellungen wohl in der mytischen Naturanschauung des landnehmenden Ungartums bedeuten? Zur Erläuterung der Frage müssen wir kurz die sich auf die uralten Glaubensvor­stellungen des Ungartums beziehenden Kenntnisse, die Spiegelung der Urreligon im ungarischen Volksglauben, ferner die Glaubenswelt seiner nächsten Verwand­ten, vor allem der Wogulen untersuchen. Unsere Quellen weisen übereinstimmend darauf hin, daß die Wasservögel in diesen Vorstellungen eine besondere Rolle gespielt haben. Die Rolle des Schwanes in den totemistischen Ursprungsmythen des land­nehmenden Ungartums haben neuerdings Vernadsky 2 0 und nach ihm Róheim untersucht. 2 1 Vernadsky wies darauf hin, daß sich unsere bei Konstantin Porphyro­gennetos vorkommenden Vorfahren unter der Führung eines südrußländischen ungarischen („türkischen") Fürsten in Atelkuzu niedergelassen haben, der Name Lebedias stammt aus dem russischen Wort lebed-Schwan (dieses Gebiet ist — wie es aus der freundlichen Mitteilung von Cs. Anghy hervorgeht — auch heute noch eine an Schwänen reiche Gegend!). Den beim Ungartum gebräuchlichen Schwa­nentotemismus unterstützt auch das verwandte reiche wogulische Denkmalmate­rial, wo der Heldenfürst, der Weltbeschützer ebenfalls in Form eines Schwanes, einer Gans oder eines Kraniches erscheint. 2 2 Dieser Weltbeschützende Fürst hat den Adler zum König gemacht, den Schwan hingegen zum Fürsten. 2 3 J. Berze Nagy bemerkt im Zusammenhang mit dem in der ungarischen Märchenwelt vor­kommenden Märchentypus der „Schwanenjungfrau", daß das „Märchen sowohl in Asien als in Europa von Urzeiten an eingewurzelt ist, . . . die Varianten bewah­ren das durch die T''ögel, dem König der Tiere und der Muttergöttin vertretene Anden­ken des Matriarchats. Die meisten Vorstellungen des Mythos blieben in dem Märchen vom Typ der Feenkönigin „Tündér Ilona" erhalten." 2 4 In der Gestalt der auch in Vogelsform erscheinenden Tündér Ilona begegnen wir, wie dies auch 1 9 Csallány, D., а. а. O. S. 314. 2 0 Vernadsky, G., Ancient Russia. (New Haven 1943) S. 242—243.; Vernadsky, G. — Ferdinandy, AI., Studien zur ungarischen Frühgeschichte. (München 1957) S. 17fr. 2 1 Ró/jeim, G., Hungarian and Vogul Mythology. (New York 1954) S. 20. 2 2 Munkácsi, В., Vogul népköltési gyűjtemény I. (Sammlung der wogulischen Volks­dichtung). (Bp. 1910) 067 und passim. 2 3 Ebd. 0102. 2 4 Ber^e Nagy,]., Magyar népmesetípusok I. (Ungarische Volksmärchentypen). (Pécs 1957) S. 5c>3f. ,Märchentyp Nr. 404. „Schwanenfrau", 404. I. „Tündér Ilona".

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