Folia archeologica 19.

Zoltán Kádár: Ikonographische und religionsgeschichtliche Bemerkungen zu den Zierscheiben von Rakamaz

Z. KÁDÁR Lüfte entführt, einen Labetrunk und einen Blütenzweig reicht, sondern einen Bartgeier, d. h. den Turul der ungarischen Ursprungslegende . . ," 1 4 Auch die auf der Zierscheibe von Rakamaz sichtbare Darstellung stellt er in das Licht dieser Anschauung und lenkt zugleich die Aufmerksamkeit auf die Verbindungen, wie auch auf die Unterschiedlichkeit dieser gegenüber der Komposition einer sassani­dischen Schale, die einen Raubvogel darstellt. 1 5 Unter Mitwirkung von Prof. E. Woynárovich und des Assistenten Z. Varga — der Fachmänner des Zoologischen Institutes an der L. Kossuth-Universität zu Debrecen — die genannten Darstellungen gründlicher untersucht, kamen wir zu folgendem Resultat. Der charakteristische Zug der auf den Krügen Nr. 2 und 7 des Hortes von Nagyszentmiklós vorkommenden Raubvogeldarstellungen (Abb. 54—55) liegt darin, daß der Oberschnabel der Vögel abgerundet in der Form eines scharfen Hakens sich über den Unterschnabel biegt, in der Mitte der oberen Schnabelschneide befindet sich ein Zahn, der Kopf des Vogels ist von einem bis zum Hals herunterhängenden, dreieckigen Bart geschmückt, an den Läufen des Vogels ist ein unbedeckter Streifen zu sehen. All diese Merkmale weisen darauf hin, daß wir hier trotz der großen, eulenartigen Ohren, die noch ein Erbe der späten mesopotamischen Darstellungen sind, der Darstellung des Altaischen Jagdfalken (Falco rusticolus altaicus MKNZIBKR, dem neueren Namen nach: t'a! со gyrphalco altaicus ) gegenüberstehen. Die Rolle dieses Tieres in der ungarischen Sagenwelt haben die ungarische Urgeschichte und die Forscher der Zoologie ein­deutig geklärt. 1 0 Zweifelsohne unterscheiden sich die Raubvogeldarstellungen von Rakamaz ein wenig von denen des Hortes von Nagyszentmiklós, z. B. ihr Hals ist länger, doch ist es trotzdem unwahrscheinlich, daß diese Geier wären und dies desto weniger, da die Kopfform sowie die Verzierung am Kopf eher dafür sprechen, daß wir hier der Darstellung eines Jagdfalken mit einer Falkenhaube gegenüberstehen. 1 7 Im Zusammenhang mit der Lebensweise des Falco gyrphalco altaicus betont. J. Nagy, daß „er so tapfer und kühn ist, daß er selbst die größten Wasservögel, wie Schwäne, Gänse, Kraniche und die noch größeren Trappen angreift". 1 8 Es kann zwar auch als eine weniger wahrscheinliche Möglichkeit auftauchen, daß der Kopfschmuck der Raubvögel von Rakamaz bloß die Stilisierung d;r Schopffe­dern ist. In diesem Falle stehen wir den Darstellungen des Fischadlers (Pandion haliaëtus L.) gegenüber. Jedenfalls wird der wesentliche Gedanke der Annahme von Csallánv, wonach die Darstellung von Rakamaz mit dem T///7//-Totemismus in Verbindung gesetzt werden soll, durch unsere obigen Beifügungen nur noch mehr unterstrichen. Wie gesagt, ist es ein besonderes Merkmal der Zierkompositionen auf der Scheibe von Rakamaz, daß der mächtige Raubvogel in seinen Krallen zwei Vögel hält. Der links sichtbare Vogel auf der ersten Scheibe ist — nach Csallány — eine Gans, während auf der anderen „der Kopf in einen Entenschnabel ausläuft und 1 4 Ebd. S. 324. 1 5 Ebd. S. 324.; Vgl. Mavrodinov, N., Le trésor protobulgare de Nagyszentmiklós. АН 29. (Bp. 1943) S. 69., Abb. 62. 1 0 Weiteres Schrifttum : Györffy, Gy., Krónikáink és a magyar őstörténet (Unsere Chroniken und die ungarische Urgeschichte). (Bp. 1948) S. 46. ; Anm. 27. 1 7 Siehe z. B. Bertin , L., La vie des animaux. II. (Paris 1950) S. 102. oberes Bild.; Vgl. Le Coq, A., Land und Leute in Ost-Turkestan. (Leipzig 1928). Taf. XV. unteres Bild. 1 8 JSiagy, /., Európa ragadozó madarai (Die Raubvögel Europas). (Debrecen 1943) S. no.

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