Folia archeologica 14.

Ágnes Salamon : Ein völkerwanderungszeitlicher Beschlag aus Környe

Ein völkerwanderungszeitlicher Beschlag aus Környe 59 also zweifellos in der hunnenzeitlichen Kunst zu suchen. 9 Aber wo trifft man zuerst das Motiv des ganzen Vogels an? Überblickt man die aus dem 5. Jh. stammenden Funde, so fällt einem eine Gruppe des ostgotischen Materials auf: jene großen, vergoldeten Silberfibeln und -schnallen, auf deren Seiten Vögelköpfe und außerdem ganze Vögel erscheinen. Zu die­ser Gruppe gehört u. a. die in Bácsordas gefundene Schnalle, wo die auf den zwei Seiten einander gegenüberstehendem Vögel viele gemeinsame Züge mit dem Fund aus Környe aufweisen (Abb. 17). Die Ausfüh­rung ist hier wohl prunkhafter : die Augen sind mit Almandin eingelegt, die Fittiche mit Niello verziert, die einzelnen Körperteile mit Punzierung hervorgehoben; aber die Auffassung und die Ausführung stimmen dennoch mit dem Fund von Környe überein. So z. B. in einer solchen Detailfrage, wie die Schwanzfeder des Vo­gels auf der Schnalle vom Bácsordas dargestellt ist: sie dient zur Fixierung der Figur auf der Schnalle ; auch die Schwanzfedern auf dem Beschlag von Környe wurden in derselben Form dargestellt. 1 0 Den Fund von Bácsordas datiert ein noch frisch glänzender Goldsolidus des Theodosius II. (443) auf die Mitte des 5. Jhs. ; die verwandten Funde auf die darauf folgenden Jahrzehnte. 1 1 Als Prototyp der Vogelfigur des Beschlages von Környe kann man also die Vogelfiguren auf den Seiten der Schnalle von Bácsordas unter den völkerwanderungszeitlichen Funden bezeichnen. Diese Schnalle ist zweifellos kein Produkt einer italischen Werkstatt und wurde wahrscheinlich auch nicht in Südrußland hergestellt. Die einfache und klare . Komposition des Kerbschnittmusters, das die ganze Oberfläche bedeckt, die kräftig vertiefte Technik sind präzis, sorgfältig ausgeführt. Die Anfänge dieser Verzierungsart greifen auf die spätrömische Zeit zurück, in der Gürtelgarnitu­ren, Schnallen, Spangen und Beschläge dieser Art verfertigt wurden. 1 2 Man darf vermuten daß die römischen Werkstatten, die die Gürtelbeschläge herstell­ten, nach dem Sturz des römischen Reiches weiter tätig blieben, 1 3 ferner, daß sich diese Werkstätten den veränderten Bedürfnissen der Besteller an­gepaßt hatten. Dieser Annahme zufolge könnte der Helm von Batajnica even­tuell auch in Pannonién hergestellt worden sein. 9 Vinski, Z., а. а. O. 180. 1 0 Es ist bemerkenswert, daß der Winkel, den der Fibelkörper mit dem Flügel des Vogels einschließt, ebenso groß ist, wie der Winkel am Beschlag von Környe zwischen dem Flügel der Vogels und der Achse des Fischkörpers. 1 1 Huszár L., Acta Arch. Hung. 4(1954) 66.; L. KovrigL., Arch. Ért. 78(1951) 116.; Kühn, H., Die germanischen Bügelfibeln der Völkerwanderungszeit in der Rheinprovinz. (Bonn 1940). 1 2 Behrens, G., Spätrömische Kerbschnittschnallen. Schumacher Festschrift. (Mainz 1930) 285—294.; Werner, ]., Spätrömische Gürtelgarnituren in Keilschnitttechnik aus Niederösterreich. JÖAJ 26(1930) 53—63. ™ Radnóti A., Möbel- und Kästchenbeschläge, Schlösser und Schlüssel. Intercisa 11. AH 36 (Bp. 1957) 278 ff., 295 f. Abb. 16.

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