Folia archeologica 10.

A. Cs. Sós. Das frühawarenzeitliche Gräberfeld von Oroszlány

Das friihan'arenzeitliche Gräberfeld von Oroszlány 123 17 sind zwei gedrahte Tongefässe: das eine mit eingezogenem Hals, in der Mitte stark bauchig, der äussere Teil des Mündungrandes ist plattgedrückt (T. XVII, 15, und Abb. 23. 3), das andere ist ein aus feinem geschlemmten Ton, auf der Drehscheibe hergestelltes, hellgraues, in der Mitte ebenso bau­chiges Gefäss, unter dem Hals profiliert, seine Verzierung ist hier ein Wellen­linienband zwischen zwei waagerecht laufenden Kammstrichlinienbändern (T. XVII. 14. und Abb. 23. 15.). Das Gefäss gehört in die frühawarenzeitliche Typengruppe, welche D. Csallány im Einvernehmen mit T. Horváth aus dem westgermanischen Kulturkreis ableitet. Es ist in das 6—7. Jahrhundert zu setzen. 3 7 In einem der Gräber von Oroszlány befindet sich weiterhin eine eiserne Lanzenspitze, deren Ursprung wir auch unter den westlichen ger­manischen Funden suchen müssen (Abb. 22. Grab 18.). Sie kommt haupt­sächlich in den alamannischen, in das 6. und in den Anfang des 7. Jahrhunderts gehörenden Gräberfeldern vor. 3 8 Die Lanzenspitze von Obermöllern kommt zusammen mit einem mit breiterem Blatt und starkem Grat versehenen Typ vor, den wir ebenso aus dem von Oroszlány ungefähr 8 km entfernt liegenden awaro-germanischen Gräberfeld von Környe kennen. Wir finden aber Verbin­dungen zum Material von Környe nicht nur in den Waffenfunden, die bereits erwähnte Keramik kommt dort auch in mehreren Gräbern vor. Der Fundstoff des Gräberfeldes gehört nach A. Salamon an das Ende des 6. und in die erste Hälfte des 7. Jahrhunderts. 3 9 Es ist bemerkenswert, dass die oben genannten Gräber des Gräberfeldes von Oroszlány, welche ungestört waren, keine Gegenstände enthielten, die sonst für den aufgedeckten Gräberfeldteil charak­teristisch sind. Das heisst, dass sich die charakteristischen Blechbeschläge des Gräberfeldteiles von Oroszlány in keinem Grab mit den für Környe charakteristischen Funden vermischen. Nur ein Grab kann vielleicht auf eine Vermischung hinweisen, in welchem eine Schnalle mit germanischem Charakter (Abb. 19), und ein Tongefäss mit durch Einschnitte verzierter Mündung vorkam (T. XVII. 8. und Abb. 23. 14, Allgemeiner Typ). Dagegen kam in keinem der 154 Gräber des Friedhofes von Környe ein für den Gräber­feldteil von Oroszlány typischer Fund vor. Das ist unbedingt auffallend, da die beiden Gräberfelder gleichzeitig sind und nicht weit voneinander entfernt liegen. Leider ist ein grosser Teil des Gräberfeldes von Oroszlány vor der Ausgrabung zerstört worden, so wissen wir nicht, in welchem Masse und welcher Art dort noch Gegenstände des Types von Környe vorhanden waren. Die geretteten Gräber erlauben aber die Schlussfolgerung, dass die im letzten Drittel des 6. Jahrhunderts mit den Awaren hier eingewanderte slawische Volksgruppe sich getrennt von den Awaren niederliess und sich mit den dort angetroffenen germanischen Elementen vermischte. Dieses ger­manische Element stimmt aber mit Funden von Környe überein. Beweise 3 7 Csallány D., op. cit. S. 14—15. 3 8 Schulz, ß 7-» Die Thüringer. (H. Reinerth, Vorgeschichte der deutschen Stämmen. I.) (Leipzig, 1940) T. CLXVII. 1.) Obermöllern.; Veeck, W., Alamannen in Württemberg. Tafelbg. (Berlin —Leipzig, 1931) T. LXX1V. 5—6. (Sindelfingen).; Werner, J., Das alamannische Gräber­feld von Mindelheim. (Kaimünz, 1955) T. XXXI. 2. (Grab 54.). 3 9 Die Funde von Környe werden bearbeitet die Angabent, verdankeich Á.Salamon. Die entsprechenden Gefässe stammen unter anderem aus Grab 89, 99,

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