Folia archeologica 10.
A. Cs. Sós. Das frühawarenzeitliche Gräberfeld von Oroszlány
124 A. Cs. Sás für die germanisch—slawische Mischung können auch die Funde von Cserkút liefern, z. B. die im Grab gefundene langobardische Fibel. Ohne, dass wir versuchen wollten, weitgehende Schlussfolgerungen aus den beraubten Gräbern des Gräberfeldes von Oroszlány zu ziehen, halten wir es für sehr leicht möglich, dass die beobachtete grosszügige, regelmässig und methodisch wirkende Beraubung, mit dem Brauch des Schädelraubes der durch die Nachbarschaft der verschiedenen ethnischen Gruppen und deren Zusammenleben erklärt werden könnte, zu verknüpfen ist. Der Zweck meiner Ausführungen war nicht die Slawenfrage durch die mit dem heimischen frühawarenzeitlichen Ethnikum verbundenen Probleme ausführlicher zu erörten. Ich beabsichtigte, um unsere neuesten, von dem allgemeinen frühawarenzeitlichen Nachlass abweichenden Funde von Oroszlány einige archäologische Erscheinungen zu gruppieren, welche gleichzeitig wichtige Beweise für die sich auf archäologische Befunde stützende Erforschung des slawischen Ethnikums in der Frühawarenzeit Ungarns liefern. Eben deswegen beschäftitge ich mich nicht mit mehreren, weitschweifenden Problemen, wie etwa der Frage der Begleitfunde mit gut entwickelter Technik (z. B. Kolbenarmbänder, Torques), die neben den, die Grundlage meiner Forschungen bildenden Gegenstände des einfachen, man könnte sagen, völkischen Materials, auftreten. Diese Funde habe ich höchstens kurz bestimmter Gesichtspunkte berührt. Eine übertriebene Betonung dieses Materials könnte bei der Bestimmung des ethnischen Hintergrundes der Fundkomplexe leicht auf Irrwege führen. Schliesslich will ich bemerken, dass bei der Klärung der Probleme auch das anthropologische Material grosse Aufmerksamkeit erfordert. Bei unserem Gräberfeld haben die anthropologischen Untersuchungen die archäologischen Befunde unterstützt: das anthropologische Material des Gräberfeldes, das noch zu retten war, weicht nach P. Liptáks Untersuchungen ebenfalls von dem allgemeinen Bild, welches wir aus unseren bisherigen frühawarenzeitlichen Gräberfelder kennen ab. 4 0 Agnes cs. sós 4 0 P. Liptáks freundliche mündliche Mitteilung: „Das anthropologische Material war ziemlich schlecht erhalten und war im März 1958 wegen völlig behinderter Restaurierung für die Untersuchung nicht zugänglich. Es ist auffallend das unter den 6 besser erhaltenen Schädeln 5 Frauenschädeln waren. Für das Material ist die ausgesprochene Dolychocephalität charakteristisch. Die übrigend scheinen von dem, nach der derzeit gültigen Zeitbestimmung dem 7. Jahrhundert angehörenden, so besonders von dem eingehend analysierten Material von Tiszavárkony (Lipták P., Acta Arch. Hung. 8(1958) 157 ff.) abzuweichen. Endgültige Folgerungen können wir nach der, noch für dieses Jahr geplanten, systematischen anthropologischen Untersuchung dieses wichtigen Materials ziehen."