Folia archeologica 3-4.

Alföldi András: Antik ábrázolások az euráziai lovaspásztorok kulturalkatának ismeretéhez

180 ALFÖLDI: ANTIKE DARSTELLUNGEN ZUR KENNTNIS DER KULTUR DER REITERHIRTEN Wein oft, nicht nur als demütige Aufforderung des Herrschers zur Gunstbezeugung, 3 9 sondern auch als einen rituellen Akt der .Opferweihe für die Himmelsmächte. 4 0 Natürlich war es die denkbar grösste Aus­zeichnung, wenn umgekehrt, wie in den bisher angeführten Fällen, der Herrscher selbst den Becher einem Untertan reicht. Wir könnten das für viele Belege aus dem mongolischen Hofleben anführen, 4 1 doch zitieren lieber nur das, was das Si-ki (Kap. 110) über die asiatischen Hun­nen berichtet: «Wer im Angriffskampf Köpfe abschlägt oder Gefangene macht, erhält vom Tan-hu einen Becher Weins und damit die von ihm erbeuteten Gefangenen zum Geschenk.» 4 2 Aehnlicher weise wurden die tapferen Krie­ger der pontischen Skythen ausgezeichnet, nur hat Herodot (4, 66), der sich darüber verbreitet, das Wesentliche in diesem Gebrauch etwas ver­wischt. Er schreibt: «Der Fürst eines jeden Bezirkes mischt jährlich einmal in seinem Macht­bereich ein Gefäss Wein. Daraus trinken die Skythen, die Feinde getötet hatten. Wenn je­mand dies nicht vollbracht hat, kann diesen Wein nicht kosten; er wird ohne Achtung bei­seite versetzt; sowas ist bei ihnen die grösste Schande. Die aber sehr viele Menschen getötet, haben zwei Becher und dürfen aus beiden trinken.» Wenn auch hier die Belohnung nicht in dem Trinken aus dem Trinkgefäss des Fürsten besteht, sondern in der Beteiligung in dem von ihm angebotenen Wein, ist auch hier die A n­bietung von Seiten des Vorgesetzten, was die Ehre ausmacht. Diese symbolische Geste der Nomaden­herrscher, um die Verdienste ihrer Tapferen zu belohnen, hat mit so vielen anderen Wirkungen von dieser Seite her auch in das chinesische Hof­zeremoniell Eingang gefunden. Wir mochten dafür einen einzigen Beleg aus dem X. Jh. n. Chr. hier einreihen. 4 3 «Tous les officiers de l'empereur l'étant venu féliciter sur la victoire qu'il venait 3 9 Vgl. Hist, générale de la Chine, trad. .. par. ...de Mailla 8, 1778, 393, etc. 4 0 M. Granet, Fétes et chansons anciennes de la Chine, 2 m éd., 1929, 164. 4 1 D'Ohsson, а. O. 1, 1834, 376. Ebd. 3, 506. Ebd. 4, 33 und 321. De Mailla, а. O. 9, 1779, 22 und 215. 4 2 J. J. de Groot, Die Hunnen der vorchristlichen Zeit. Chinesische Urkunden zur Geschichte Asiens 1, 1921, 61. 4 3 De Mailla, а. O. 7, 1778, 203. Vgl. ebd. 8, 51. 9, 200 usw. de remporter, il se fit apporter une coupe rem­plie de vin, qu'il donna au Li-ssé-yuen, en lui disant: 'C'est ä vous et ä Ko-tsong-tao, que je dois la victoire.» Wegen den gleich zu besprechenden Dar­stellungen dieses Aktes müssen wir noch die Variante berühren, bei welcher beide Beteiligten der Zerimonie einander den Kelch aufwarten. In den «Documents» von Chavannes 4 4 finden wir folgende Beschreibung eines Schmauses zu Ehren eines türkischen Gesandten, den der abdi­zierte Vater des damaligen chinesischen Kaisers gab: «Le T'ai-chang-hoang fut content et pré­senta du vin ä l'empereur; l'empereur remercia en se prosternant le front contre terre et ä son tour il offrit une coupe en souhaitant longue vie au T 'ai-chang-hoang.» Bemerkenswert ist ein anderer Vorfall, 4 5 bei welchem ein uigurisch­chinesisches Bündnis erneuert wurde; die eid­liche Bekräftigung dieses Aktes durch die Ver­treter beider Völker wurde durch die Zerimonie des Getränk-Anbietens von Seiten beider Männer begleitet. Wie schon erwähnt, hat man in diesem Kulturbereich auch bei dem Anflehen der Gott­heiten einen Becher gegen den Himmel erhoben. Dies war sicherlich nicht nur in China Sitte, 46 über welches Land wir durch seine schriftliche Überlieferung so unvergleichlich mehr, als über die Reitervölker wissen. Es muss auch die Rolle des Trinkgefässes im Totenkult der Steppen­völker damit in Verbindung stehen. Denn wir tref­fen es gewöhnlich in der Hand des Verstorbenen auf den primitiven Grabstatuen (kamennye baby) der eurasischen Reiterhirten, — oft in der Form des Trinkhorns, 4 7 doch manchmal auch in der Gestalt eines Kelches, wie auf dem unveröffent­lichten Steinklotz aus Semirjetschensk im Rus­sischen Museum zu Leningrad (Abb. 6), dessen Photographie wir der Liebenswürdigkeit von A. Salmony verdanken. (Nebenbei: das ist der Kelchtipus, den wir aus Nagyszentmiklós in Gold und aus Awarengräbern in Silber in Ungarn aufweisen können. 4 8) Die bisherigen Betrachtungen dürften es 4 4 E. Chavannes, Documents sur les Tou-Kiue Occi­dentaux, 1903, 55. 4 5 De Mailla 6, 1778, 306. « De Mailla 4, 496 (Ende des IV. Jh. n. Chr.). 4 7 T. Passek— В. A. Latynine, - ESA. 4, 1929, 290 ff. und Fig. 1—3. 4 8 Vgl. über diesen Kelchtypus Gy. László, Laureae Aquincenses II 1 (im Druck).

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