Folia archeologica 3-4.

Fettich Nándor: Antik hagyományok a régi pusztai népek kultúrájában

155 FETTICH: ANTIKES GUT IN SÜDRUSSLAND Kulturelemente, die im Pontusgebiet seit alten Zeiten zu Hause waren, leben in ihr weiter. Für ihre wichtigsten Elemente sind aber das sarmatische und das mixhellenische zu , betrach­ten. Ihr Charakterzug bildet die gesteigerte Abstraktion verschiedener tierischer, pflanzlicher und anderer Motive. Keine Spur naturalistischer Tendenz der griechischen Kunst ist in ihr zu vermerken. Die flächenverzierenden Elemente der altionischen Goldschmiedekunst tauchen hier in einer veränderten Rolle auf: sie figurieren als selbständige, abstrakte Ornamente. Auch die am meisten naturalistischen Tiermotive sind dieser Abstraktion unterworfen. Alle Motive der hun­nischen Goldschmiedekunst, u. zw. die der Schup­pen- und Gittermuster, oder die schachbrettartig angeordneten verschiedenen Verzierungen, auch wenn ihr Ornamentssystem auf den ersten Blick vielleicht zu einfach erscheinen möchte, sind auf die alte griechische Goldschmiedekunst zurück­zuführen. Der Geist, der sich in ihrer Verwen­dung offenbart, ist der griechischen Auffassung scharf entgegengesetzt. Ein anderer Charakterzug dieser Kunst ist die Ausbildung von sog. Pseudoformen. Fibel, Schnalle, Gürtelbeschlag erhalten in dieser Kunst eine veränderte Verwendung. Ihre ursprüngliche Konstruktion verschwindet, ihre äussere Form wird aber beibehalten. Damit sind sie also reine Ornamente ohne praktische Bedeutung geworden (Pseudofibel, Pseudoschnalle usw.). Es lässt sich leicht vorstellen, dass diese neue Kunst, so entgegengesetzt sie auch dem griechischen Geiste sei, erst in einer gänzlich neuen Umgebung entstanden sein konnte. Die südrussischen Zentren dieser Kultur sind uns vorläufig noch unbekannt. Als Zentralgebiet der Ausgestaltung wird die grosse Steppengegend nördlich vom Kaukazus und vom Kaspischen Meer, das grösste metallurgische Zentrum hingegen am Don zu suchen sein. Die be­rühmten bronzenen Opferkessel, die bis jetzt als einzige innerasiatische Hinterlassenschaft der Hunnen galten, sind ausnahmslos auf diesem Gebiet hergestellt worden. Als Quellengebiet für dieses grosse hunnische Hinterland diente zwei­fellos der kimmerische Bosporus. Mittelpunkte des wirtschaftlichen Lebens entstanden aber in dieser späten Zeit schon tief im Hinterland, auf den Steppen. Von diesem Riesengebiet strahlten die unzähligen Gold-, Silber-und Bronzefabrikate gen Osten bis zum Altaigebiet, gen Norden bis zum Oberlauf der Petschora, und im Westen bis Schlesien und entlang der unteren Donau bis Ungarn, Mähren und Böhmen, ja sogar vereinzelt bis zum Mittellauf des Rheins. Auch an anderen Stellen Südrusslands haben sich neue Zentren gebildet. Pantikapaion und Olbia verlieren ihre frühere Bedeutung in diesen Zeiten nicht. Auf diese Zeiten scheint die Ent­stehung eines später berühmt gewordenen Zent­rums zurückzugehen. Es ist dies Kiew, eine der wichtigsten Städte des mittelalterlichen Ost­europas. Die wichtigsten Karawanen-und Wasser­wege kreutzten sich hier. Die grosse Zahl der Kiewer Erzeugnisse und die Angaben der schrift­lichen Quellen ermöglichen es uns, ein richtiges Bild des nördlichen Vordringens der griechischen Kultur zu rekonstruieren. Wie in anderen Zentren, blühte auch hier in den Skythenzeiten ein intensives wirtschaft­liche Leben. Beweise dafür werden durch archäologische Funde erbracht. Die Vorausset­zungen des Entstehens des Kiewer Staates grei­fen — wie darauf Rostowtzeff hingewiesen hatte — in die griechisch-skythische Zeit zurück. Es scheint wahrscheinlich zu sein, dass das System der Handelswege und Zentren in Südrussländ, wenigstens in seinen wesentlichsten Zügen, schon in diesen Zeiten ausgestaltet war. Nach den Skythen- und Sarmatenzeiten wird die Weiterent­wickelung des Dnepergebietes durch die Ein­schaltung von Olbia ins römische Reich und durch die Organisierung der römischen Nord­provinzen gehemmt. In der Hunnenzeit wird die alte Ordnung wieder hergestellt und von diesen Zeiten an ist der Weg zur Entstehung des Kie­wer Staates frei. Als Ausgangspunkt des Kiewer Entwickelungsprozesses ist die hunnenzeitliche Kultur der Krim zu betrachten. Dabei ist aber auch die Rolle der Urbevölkerung des Gebietes nicht zu unterschätzen. Das Gros der boden­ständigen Urbevölkerung entstand aus Abkömm­lingen der gemischten Völkerschaften der Sky­then- und Sarmatenzeit. Diese breite Volksschicht hat sich durch viele Jahrhunderte unbeweglich aufrecht erhalten und Elemente der mixhelle­nischen Kultur aufbewahrt. Aus den Nachhunni­schen Jahrhunderten wird das Aufblühen des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens im Dne­pergebiet durch solche Funde, wie derjenige von Malaja Perescepina (Gouv, Pontawa) aus dem J. 1913 und vom Kelegei (Gouv. Cherson) belegt. Atsch der Schatzfund von Nagyszent­miklós scheint direkte Beziehungen mit dem an­tiken Südrussland aufzuweisen (2. Hälfte des

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