Folia archeologica 3-4.
Fettich Nándor: Antik hagyományok a régi pusztai népek kultúrájában
156 FETTICH: ANTIKES GUT IN SÜDRUSSLAND VIII. Jh-s). Die archäologischen Funde weisen auf alte, bemittelte Goldschmiededynastien in Südrussland hin. Die Kiewer Erzeugnisse aus dem IX. Jh. erinnern an den Umfang der Tätigkeit der grössten pontisch-griechischen- Werkstätten. Technische und stilistische Analyse des einschlägigen archäologischen Materials weist darauf hin, dass Begründer oder Organisatoren der grossen Goldschmiededynastien im Dnepertal hunnenzeitliche pontische Meister gewesen sein müssen. Technise Griffe und sonstige Überlieferungen der griechischen Werkstätten leben in den Erzeugnissen der grossen Kiewer Goldschmiededynastie weiter. Die antike Weinranke, der aus Weinblättern bestehende Vierpass, die verschiedenen Palmettenkompositionen und als jüngste Motive, die Symbole des Christentums bürgerten sich in Kiew ein und haben sich dort als traditionelle Motive bis zum IX. Jh. erhalten, als alldiese Motive dortselbst neuerdings zur Blüte gelangten. Ich möchte also die Entstehung von Kiew auf diese Zeiten zurückführen. Alle Völker, die entweder als Eroberer, oder als Nachbaren, mit diesem Kulturkreis in eine nähere Verbindung traten, gelangten unter seinen Einfluss. Dieser Einfluss prägte sich dann sowohl in ihrer geistigen, als in ihrer wirtschaftlichen Kultur unverwischbar aus. Auch sonst hatte dieses Gebiet eine gewisse Anziehungskraft auf die verschiedensten Völkerschaften. Kondakov hat darauf hingewiesen, dass die Gegend des Mittellaufes des Dneper-Flusses unter allen slawischen Gebieten die allerreichste an Naturschätzen war und dass auch ihr Reichtum an archäologischen Funden durch diesen Umstand begründet wird. Wie das antike Gut in die Kultur der Völker des Dnepergebietes hinüberging, wird vor allem durch die Geschichte Kiews vom IX. Jh. veranschaulicht. Die Dneper-Linie bildete das Grenzgebiet zwischen dem Chazarenreich und der avarischen Interessensphäre. Als das Dnepergebiet ins Chazarenreich einverleibt wurde (vielleicht am Ende des VIII. Jh-s), gelangten dann auch die Kiewer Werkstätten in eine direkte Verbindung über den grossen Handelsweg Donez-Don-Wolga mit der östlichen Steppenwelt und indirekt auch mit dem arabischen Reich. Bald haben verschiedene Völker um die wirtschaftlichen Vorteile wetteifert, welche von den direkten Verbindungen mit der arabischen Welt zu erzielen waren. Unter diesen Völkern seien hier die Normannen und die Ungaren erwähnt. Letztere, als Bestandteil des Chazarenreiches, nomadisierten seit etwa Mitte des IX. Jh-s auf den Steppen östlich vom Dneper. Der grosse Handelsweg von Kiew zum Wolgaknie führte durch ihr Gebiet. Auf Grund der historischen Quellen wird das Aufhören der Chazarenherrschaft im Dneper-Gebiet auf Mitte des IX. Jh-s gesetzt. Um 860 sind schon die Normannen die Herren in Kiew. Nach Ausschaltung der Chazaren wurde die Verbindung des Ungartums mit dem Kiewer Normannenstaat noch enger. Die Normannen organisierten einen intensiven Welthandel zwischen Skandinavien und der arabischen Welt. In der Mitte dieses Verkehrs liegt Kiew. Bei diesem Entwicklungsprozess scheint das Ungartum ein bedeutendes Faktor gewesen zu sein. Seine archäologische Hinterlassenschaft, bestehend aus unzähligen Grabfunden, in denen Kiewer Gold- und Silbererzeugnisse in grosser Zahl erhalten geblieben sind, leuchten in die damaligen Verhältnisse des Dneper-Gebietes hinein. Waren früher die Werkstätten des chazarischen Staates Mittelstellen der südrussischen Metallindustrie, so tritt nach 860 Kiew an ihre Stelle. Nach 860 wurde das ganze System im Dneper-Tale durch die Normannen übernommen. Es wurden auch neue Lagerplätze und neue Werkstätten in jenen Gegenden eingerichtet, wo sich die Normannen auf längere Zeit eingenistet hatten. In Zusammenhang mit diesem Kiewer Staat betont Schachmatow, dass in seiner Ausgestaltung die Elemente der Urbevölkerung eine bedeutende Rolle gespielt hatten. Es wurde Ordnung und Ruhe eingeführt, infolge dessen das Dneper-Gebiet einem grossen wirtschaftlichen Aufschwung entgegenging. Somit ist Kiew nicht nur in der Dneper-Gegend, sondern auch im ganzen Osteuropa eine der bedeutendsten Städte geworden. Es erscheint zweifellos, dass nach der Mitte des IX. Jh-s die Tätigkeit der grossen Kiewer Werkstatt durch die Bedürfnisse des reiternomadischen Ungarntums entscheidend beeinflusst wurde. Ein Grossteil des arabischen Silbers ging auf dem grossen Handelsweg WolgaDon-Donec in ungarische und normannische Hände über, bis es in die Kiewer Werkstätte gelangte. Eine starke Einwanderung ungarischer Volkselemente in den Kiewer Staat lässt sich auf Grund der Grabfunde des Dnepergebietes feststellen. Es scheint zweifellos zu sein, dass es sich hier um dieselben Volkselemente handelt,