Evangélikus Élet, 2014. január-június (79. évfolyam, 1-26. szám)

2014-04-20 / 16. szám

6 -m 2014. április 20. NÉMET OLDAL Evangélikus Élet Risus paschalis Was würden Sie sagen, wenn Ihr Pfarrer am Ostersonntag vom Altar springen oder in der Predigt eine Rei­he von Witze erzählen würde? Sol­che merkwürdigen Dinge könnten leicht geschehen, wenn Ihr Geistli­cher die Überlieferungen der Kir­chengeschichte gut studiert hat oder sich in neuen Entwicklungen und Moden der Kirche in Deutschland auskennt. Es geht um den soge­nannten risus paschalis. Dieser interessante Brauch, das Osterlachen, war vom Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland verbreitet. Damals wur­den einmal im Jahr, immer zu Ostern, interessante und witzige Anekdoten und Geschichten erzählt, um nach der langen Fastenzeit die österliche Freude zum Ausdruck und die Ge­meinde zum Lachen zu bringen. Der 'risus paschalis, das Lachen im Gottesdienst war ein Zeichen dafür, dass Jesus über den Tod gewonnen hat und dass wir mit ihm dem Tode ins Gesicht lachen können. Heute haben manche Gemein­den und manche liturgischen Refor­mer diesen Brauch wieder ins Leben gerufen. Ich selber habe einen nicht besonders geglückten Versuch erlebt, als im Berliner Dom der Pfarrer des Kunstdienstes die Stufen des Altars heruntersprang und die Gemeinde sich darüber amüsierte. Vielleicht wird uns dieses Oster­fest keinen solchen Spaß bringen, denn höchstwahrscheinlich wird Ihr Pfarrer oder Pfarrerin im Ostergot­tesdienst nicht von Altar oder Kan­zel springen oder die neusten Pester Witze erzählen. Trotzdem wünsche ich Ihnen den risus paschalis - ein Osterlachen, das vom Herzen kommt! Ich wünsche Ihnen ein La­chen, dass aus der großen Freude dar­über entspringt, dass Jesus Christus auferstanden ist. Ich wünsche Ihnen auch noch andere Freude: lachende Menschen und Kinder um uns herum, Zeit füreinander, Gemeinschaft - und ei­ne Gemeinde, in der Sie mit vielen Schwestern und Brüdern von Zeit zu Zeit den „echten“ risus paschalis erleben dürfen. Mir macht es große Freude, diese Seite mitgestalten zu dürfen und dass ich dadurch nun weiß, dass meine Gemeinden in Agendorf und in der Gartenstadt von Sopron kei­ne einsamen deutsche Inseln sind, sondern es noch zahlreiche Gemein­den in Ungarn gibt, in denen es deutsche Gottesdienste und Veran­staltungen gibt. Wir sammeln diese Gemeinden und haben sie auf dieser Seite erwähnt. An vielen dieser Or­te feiern wir im April aber nicht nur das größte christliche Fest, sondern erinnern auch an die Vertriebenen, an diejenigen, die zahlreiche Kirchen und Gemeinden aufgebaut hatten, die hier ein Zuhause hatten, und die trotz allem nach dem Zweiten Welt­krieg ihre Heimat verlassen mussten. Wir erinnern an sie, die ohne ihren Glaube an den Auferstandenen nicht hätten weiterleben können. Wir er­innern an die, die trotz allen Kum­mers und Schmerzes dem Tod und dem Verlust ins Gesicht lachen konn­ten. Wir erinnern an die, die den ri­sus paschalis trotz aller Widrigkeiten erlebt haben. Gebe Gott, dass wir sie und ihre Wurzeln mit ihrem Glau­ben, der ihnen eine neue Zukunft er­öffnen konnte, immer vor Augen be­halten. Und schenke uns Gott den echten risus paschalis, die große Osterfreu­de und ein ehrliches Osterlachen, zu­dem wir keine theatralischen Insze­nierungen, keine Äußerlichkeiten, keinen künstlichen Spaß brauchen! Freut euch und lacht, denn Jesus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! ■ Pfarrerin Eszter Heinrichs Deutsche oder zweisprachige Gottesdienste in der Karwoche und Ostern 17. April - Gründonnerstag Ágfalva 17 Uhr (zweisprachig), Gyugy 16 Uhr, Sopron 17 Uhr (zweispra­chig), Sopronbánfalva 15.30 (zweisprachig). 18. April - Karfreitag Ágfalva 17 Uhr (zweisprachig), Bonyhäd 10 Uhr, Budavár 15 Uhr, Gyugy 16 Uhr, Sopron 9 Uhr, Sopronbánfalva 15.30 (zweisprachig), Szökedencs 18 Uhr. 19. Samstag Budapest, Hold u. 18-20. Ökumenische Osternacht ab 20 Uhr, Gyönk 17 Uhr, Sopron 14 Uhr auf dem Friedhof, Sopronbánfalva ab 17 Uhr Oster­wache mit Jugendlichen. 20. Ostersonntag Ágfalva 5.30 Uhr (zweisprachig), Budavár 10 Uhr, Balatonboglár 9.30 Uhr, Sopron 9 Uhr, Sopronbánfalva 10.30 Uhr (zweisprachiger Familiengot­tesdienst), Szökedencs 10 Uhr. 21. Ostermontag Ágfalva 9 Uhr, Bonyhád 10 Uhr, Budavár 10 Uhr, Egyházaskozár 14 Uhr, Kőszeg 10.30 Uhr, Sopron 9 Uhr. Ostern - Aufstand gegen die Mächte des Todes Manchmal richtet unsere Seele den Blick nach oben, besonders wenn das Leben schwer wird und uns vor schier unlösbare Aufgaben stellt. Dann könn­te es sein, daß sich ein Engel dazuge­sellt und uns fragt: Was steht ihr da und seht zum Himmel? (Apgi,n). Vor 80 Jahren wurde in einem Vorort von Wuppertal eine theolo­gische Schrift verfasst, die bis heu­te für die protestantischen Kirchen von Bedeutung ist, die „Theologische Erklärung von Barmen“ der ersten Bekenntnissynode der Bekennen­den Kirche in Deutschland (29.-31. Mai 1934). Vielleicht muß man heu­te schon erklären, daß die Bekennen­de Kirche der relativ kleine Teil der Deutschen Evangelischen Kirche war, der sich weder vor Hitlers Kar­ren spannen ließ, noch bereit war, ge­duldig auf das Ende der Naziherr­schaft zu warten. Es waren zumeist keine Helden, auch keine Wider­standskämpfer, die sich im Pfar­rernotbund und in der Bekennenden Kirche zusammen fanden - ja, es gab unter ihnen auch viele Nationalisten und sogar Nazis, die mit der Politik Hitlers in vielen Punkten überein­stimmten. Aber eine Grenze gab es doch für sie: Sie konnten in Hitler nicht den gottgesandten Führer, nicht den neuen Erlöser sehen, nicht den Herrn der Welt. Dieser Titel - kyrios - war nur einem Vorbehalten: Jesus Christus. Und so gerieten sie, eher unge­wollt, ebenso mit den Mächtigen an­einander, wie es auch schon den früher Christen im Römischen Reich ergangen war, die den Kaiserkult verweigerten und dafür oft genug in den Tod gingen. Grund dafür ist und war die Osterbotschaft: Der von den Mächtigen gekreuzigte Jesus wird von Gott auferweckt, über­windet den Tod und seine Macht ein für alle mal und wird vom Vater auf den Himmelsthron gesetzt: Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und un­ter der Erde sind, und alle Zungen be­kennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. (Philipper2, 9-11) Jesus Christus al­lein ist der Herr, der kyrios, vor dem allein wir unsere Knie beugen! Kein Herrscher oder Mächtiger dieser Welt hat Anspruch darauf, ob König, Diktator oder gewählter Präsident. Viele Christen meinen, die Kirche sollte sich aus der Politik heraushal­ten und sich auf das Wesentliche konzentrieren, ihren ureigensten Aufgaben nachkommen. Tatsäch­lich war es selten segensreich, wenn Kirche Politik gemacht oder sich von sich aus in die Politik einge­mischt hat, wie viele Beispiele aus der Geschichte belegen. Meist ging es da­bei um die Unterstützung des Staa­tes. Aber auch wenn die Kirche sich von der Politik fern zu halten sucht, wenn sie sich nur noch auf Seelsor­ge und Gottesdienst konzentriert, wird ihre eigene Botschaft sie immer wieder daran erinnern, daß es nicht um das private Seelenheil geht bei unserem Gott, sondern um die gan­ze Welt, um die ganze Menschheit. Der Gott, der Israel aus der Sklave­rei befreite und die Verbannten aus Babylonien zurückbrachte, wendet sich in Jesus Christus allen Menschen zu. Er nimmt unser Leben und un­ser Leiden auf sich, er verkündigt das Reich Gottes gegen alle Widerstän­de und geht den Weg zu Ende. Er lässt sich von einer unseligen Allianz lokaler und römischer Machthaber zum Tode verurteilen und ans Kreuz schlagen und stirbt unseren Tod. Aber der Plan der Mächtigen geht nicht auf, Jesus bleibt nicht im Tod. Damit bricht er den Bann der Macht und des Bösen. Der Schweizer Pfarrer und Lieder­dichter Kurt Marti hat dies in seinem berühmten „Anderen Osterlied“ zum Ausdruck gebracht: Das könn­te den Herren der Welt ja so passen, wenn erst nach dem Tode Gerechtig­keit käme, erst dann die Herrschaft der Herren, erst dann die Knecht­schaft der Knechte, vergessen wäre für immer. /Das könnte den Herren der Welt ja so passen, wenn hier auf der Erde stets alles so bliebe, wenn hier die Herrschaft der Herren, wenn hier die Knechtschaft der Knechte so wei­terginge für immer./ Doch ist der Befreier vom Tod auferstanden, ist schon auferstanden und ruft uns jetzt alle zur Auferstehung auf Erden, zum Aufstand gegen die Herren, die mit dem Tod uns regieren. (Kurt Marti: Anderes Osterlied, 1970) Ich weiß wohl, daß das nur eine Sicht auf Ostern ist, aber sie gehört ebenso dazu wie der Aspekt der Sündenvergebung. Gottes alles ver­ändernde Herrschaft beginnt nicht erst im Jenseits, sondern schon hier und jetzt. Was steht ihr da und seht zum Himmel?- so ermahnen Engel die Jünger nach Jesu Himmelfahrt. Wir brauchen manchmal den Blick nach oben, aber unsere Aufgaben lie­gen hier auf der Erde, wohin uns Gott gestellt hat. Gott ist hier unten bei uns. Der Herr ist auferstanden! - Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja! ■ Pfarrer Michael Heinrichs

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