Beke Margit [et al.]: Vitéz János emlékkönyv

Tartalom - Rezümék

und des ,.rohen" Ungarns und des „gebildeten" nachahmenswerten Westens die spezifisch für ungarisch gehaltenen „allgemeine Sünden" zum Beispiel die erboste Peitschung des gefrässigen Neids — erschienen zum ersten Mal bei ihm. Vitéz gehörte aber nicht zu den Gesellschaftskritikern, die sich mit dem Katalogisieren der Fehler und Misstände begnügen: Er hat genau gewusst, all das schadet ohne ein konkretes ,,Entfaltungs-programm'' mehr, als nützt. Er war bestrebt, die Anzahl der sich mit ihm ähnelnden zu vervielfältigen. Teils so, dass er die für talentvoll gehaltenen Jugend­lichen auf seine eigenen Kosten nach Italien geschickt hat, dass sie an den ausländischen (italienischen) Universitäten weiterlernen. Nach ihrer Heimkehr baut er sie in die Regierung ein. Teils so, dass er für sie auch zu Hause die Vorbedingungen für die Aneignung der höchststufigen Kenntnisse erschafft hat. (Academia Istropolitana 1465), teils auch so, dass er als Universitätsprofessor oder Hofs — Gesellschafter — na­menhafte ausländische Wissenschaftler nach Ungarn lockt. Nähern wir uns seiner programmgebenden und Organisations­staatsmännlichen Tätigkeit, entfaltet sich das Bild einer riesigen Persönlichkeit, wenn von der Seite Tätigkeit, wenn von der Seite Tätig­geit des praktizierenden Politikers — einer unsicheren leicht beiseite stelbaren Persönlichkeit — während der Untersuchung des Lebensweges von Vitéz. Es scheint so, aus dem Charakter von Vitéz haben die zum alltäglichen Politicieren nötige durchschlagende Kraft, die schonungslose Zielstrebigkeit und die Fähigkeit zur Behaltung der einst schon erwor­benen Positionen zu ihrer Erweiterung gefehlt. Das kann für die viele Zurückweichung und dafür eine Erklärung sein, dass Vitéz schliesslich nie gelungen ist aus dem Schatten seiner grossen Zeitgenossen zu gelingen. Hat er sich gegen die Rolle „eines Mittels" erhoben, hat er gewiss oft vergriffen, seine Experimente konnten die jeweiligen Lenker der ungarischen Politik meist davon überzeugen, es ist besser, wenn er im Halbschatten bleibt. In der Fach­literatur tritt die Behauptung als Axiome auf. das Vitéz innerhalb der Regierung die neuafustrebenden kleinadeligen Kräfte vertreten hat: wir selbst haben dafür keine Spuren gefunden. Der Widerspruch ist natürlich nicht unauflösbar, da die Geschichte mit manchen Beispielen die Gewohnheitsphrase bewiesen hat, das die bedeutenden Sinn — Denker — eben wegen aus ihrer kritischen und selbstkritischen sich entfaltenden Unsicherheit selten als praktische Politiker bewährt haben. Ist unsere Bahnrekonstruktion wenigstens teils zutreffend, können wir die Regierungs — Politiker — Tätigkeit von Vitéz auch zu den Beweisen dieser Grundwahrheit zählen. 168

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