Andrea Sommer-Mathis: Ergänzungsband 11. Die Tänzer am Wiener Hofe im Spiegel der Obersthofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokolle bis 1740 (1992)
Andrea Sommer-Mathis hunderts der Entwicklung des Tanzes am Wiener Hof die entscheidenden Impulse gab. Die Intensivierung dieses italienischen Einflusses geht vor allem auf die zweite Frau Kaiser Ferdinands II. zurück, auf Eleonora Gonzaga, die bald nach ihrer Hochzeit im Jahre 1622 mit ihren Hofdamen für die Veranstaltung von Festivitäten in italienischem Stile am Wiener Hofe sorgte. Nachdem Eleonora im Juli 1622 in Ödenburg zur Königin von Ungarn gekrönt worden war, begann sie bereits im August desselben Jahres in Wien mit ihren künstlerischen Aktivitäten. Am 20. August 1622 schrieb sie ihrem Bruder, Herzog Ferdinando Gonzaga, daß sie in drei Tagen den Kaiser zum Abendessen in ihren Gemächern erwarte und aus diesem Anlaß für ihn „una piccola invencione in Musicha con un baletto che faranno le mie Dame“2) vorbereitet habe. Auch die Mantuaner Gesandten am Wiengr Hofe berichteten von dieser Ballettaufführung, der ersten mit Sicherheit in Wien nachweisbaren, wie Herbert Seifert3) in seiner Arbeit belegt. Damit wird die Meinung von Hadamowsky4), Stanzl5) und Winkler6) revidiert, die durchwegs die Ballettveranstaltung vom 27. Februar 16317) für die erste in der Literatur feststellbare hielten. Der Sekretär der Kaiserin, Monsignore Conte Vincenzo Zucconi, meldete am 24. August 1622 seinem Heimathof, daß er sich gezwungen sehe, wegen der Vorbereitungen für das Ballett seine geschäftlichen Angelegenheiten aufzuschieben8), und auch Marchese Federico Gonzaga informierte den Herzog von Mantua unter demselben Datum von dieser Ballettaufführung: „Quä non habbiamo cosa di nuouo, solo che non hieri l’altro fece la Maestä dell’Impe- ratrice fare nel giardino del suo luoco fuori della Cittä (ä cui hä posto nome la Fauorita) 2) Archivio di Stato di Mantova (ASM) Archivio Gonzaga (AG) b. 434: 1622 August 20, Kaiserin Eleonora an Duca Ferdinando di Gonzaga. Vgl. Herbert Seifert Die Oper am Wiener Kaiserhof im 11. Jahrhundert (Wiener Veröffentlichungen zur Musikgeschichte 25, Tutzing 1985) 589. 3) Herbert Seifert Die Oper am Wiener Kaiserhof im 17. Jahrhundert (Wiener Veröffentlichungen zur Musikgeschichte 25, Tutzing 1985) 26 und 127. 4) Franz Hadamowsky Barocktheater am Wiener Kaiserhof. Mit einem Spielplan (1625-1740) in Jahrbuch der Gesellschaft für Wiener Theaterforschung 7 (1951/52, Wien 1955) 14. 5) Eva Stanzl Das Ballett in der Wiener Barockoper in Maske und Kothurn 7 (1961) 314. 6) Gerhard Winkler Das Wiener Ballett von Noverre bis Fanny Elßler (Ein Beitrag zur Wiener Ballettgeschichte) (phil. Diss. Wien 1967) 6. 7) Aufführung der Inventione di Balletto nelle Reali Nozze delle Maesta, del Re Ferdinando Terzo, d’Vngheria e Bohemia, &c. con la Regina Maria Infanta di Spagna, &c. (Vienna d’Avstria MDCXXXI). Ausführlich beschrieben u. a. in (Franz Christoph Graf Khevenhüller) Annales Ferdinandei 11 (Leipzig 1726) Sp. 1510 f. 8) ASM AG b. 493: 1622 August 24, Conte Vincenzo Zucconi an Ferdinando di Gonzaga. 8