Andrea Sommer-Mathis: Ergänzungsband 11. Die Tänzer am Wiener Hofe im Spiegel der Obersthofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokolle bis 1740 (1992)
Die Tänzer am Wiener Hofe un balletto d’otto Dame cioé le tré nostre, e Taltre tedesche, nel quale formarono tutte le lettere del nome Ferdinando, ehe per la relazione, che da molti n’hä hauuto riusci molto bene, merce la diligenza, ch’essa Maestä ne hä usata attorno, essendone stata e l’lnuentrice e la Maestra“9). Aus diesem Schreiben geht hervor, daß die Kaiserin gleich von Anbeginn ihrer Anwesenheit am Kaiserhof nicht nur Regie und Choreographie führte, sondern auch als Lehrerin der kaiserlichen Hofdamen fungierte, denen offenbar die tänzerischen Kenntnisse vermittelt wurden, die die Italienerinnen bereits aus Mantua mitbrachten. Da sich auch in den folgenden Jahren immer nur Notizen über von der Kaiserin einstudierte und durch die Hofdamen ausgeführte Ballettaufführungen finden10), läßt sieh daraus ableiten, daß es zu diesem Zeitpunkt noch keine Berufstänzer am Wiener Hofe gab, somit Zuschauer und Ausführende aus ein- und derselben Gesellschaftsschicht kamen und daher in der Frühzeit wohl kaum ein wesentlicher Unterschied zwischen Bühnen- und Gesellschaftstanz bestand11). 9) ASM AG b. 493: 1622 August 24, Marchese Federico Gonzaga an Ferdinando di Gonzaga. 10) Vgl. ASMAG b. 434: 1623 März 1, Kaiserin Eleonora an Ferdinando di Gonzaga: „poi la Sera li parenti coli uenne a Cena con Noi et doppo si ballo facendosi un inuentione con un baletto che Sua Maestä mio Signore mi ordino che facesse fare ...“. Vgl. Seifert Oper am Wiener Kaiserhof389. ASM AG b. 493: 1624 Januar 24, Conte Claudio Sorina an Ferdinando di Gonzaga: „. . . la Maestä Sua staua mirando le Dame ad’imparare un Balletto che gli fä insegnare“. ASM AG b. 494: 1625 Juli 9, Marchese Federico Gonzaga an Conte Claudio Sorina: „La Maestä delTImperatrice mi fece ueder’hieri un balletto, che si doueua fare nelle nozze di mia figlia, se il scoruccio non l’hauesse uietato et hóra mutató in qualche parte si ballerä in quest’ occasione e rispetto al paese mi pare che riesca assai bene“. ASM AG b. 494: 1626 Februar 11, Conte Vincenzo Zucconi an Segretario Ercole Mar- liani: „Si prepara un Tomeo che sarä alli 16 coll’esserne mantenitore il nouo Re. Et rimperatrice mia Signora a garra ne farä un’altro in balletto.“ Vgl. Seifert Oper am Wiener Kaiserhof 591. ASM AG b. 494: 1626 Juni 5, Conte Vincenzo Zucconi an Ferdinando di Gonzaga: „. . . l’Imperatrice mia Signora fä comparire le sue Dame in forma di Amazone, ar- mate di Corsaletto, Morione, Lancia, e stocco, et in forma di torneo fecero un balletto, che riusci bellissimo.“ Vgl. Seifert Oper am Wiener Kaiserhof 592. 11) Vgl. Franz H a d a mo w s k y Wien. Theatergeschichte. Von den Anfängen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs (Geschichte der Stadt Wien III, Wien/München 1988) 147 f. Vgl. zum Tanz im Barockzeitalter: Paul N e 111 Die Wiener Tanzkompositionen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Studien zur Musikwissenschaft (Beiheft zu „Denkmäler der Tonkunst in Österreich“) 8 (Wien 1921). Margarete Schrott Die Tanzregie in den Barockopern unter Kaiser Leopold I. in Regie in Dokumentation, Forschung und Lehre (Festschrift für Heinz Kindermann zum 80. Geburtstag 1974, Salzburg 1975) 106-130. Ingrid B r a i n a r d Der Höfische Tanz. Darstellende Kunst und Höfische Reprä9