Andrea Sommer-Mathis: Ergänzungsband 11. Die Tänzer am Wiener Hofe im Spiegel der Obersthofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokolle bis 1740 (1992)

Die Tänzer am Wiener Hofe Auch im Falle des Franz Joseph Selliers zeigt sich, daß man am Wiener Hof gegen Ende des 17. Jahrhunderts der Vorherrschaft Frankreichs auf dem Gebiet der Tanzkunst insoferne Rechnung trug, als man Tänzer, die sich im Ausland perfektionieren wollten, großzügig unterstützte, offen­sichtlich in der Hoffnung, daß sie nach ihrer Rückkehr mit ihren neu er­worbenen Kenntnissen und Fähigkeiten das Wiener Hofballett berei­chern würden. Soziale Überlegungen spielten eine Rolle, als Franz Joseph Selliers seine Ritten um Aufnahme seines Sohnes als Hofscholar bzw. um Besoldungs­verbesserung gewährt wurden, und wenn man auch seiner Witwe eine Pension verweigerte, um Beispielwirkungen zu vermeiden, so gönnte man ihr doch wenigstens eine einmalige Abfertigung. Giovanni del Ricci o, Tänzer (ab 1677 in Wien nachweisbar, zuvor Tanzmeister und Musiker in Innsbruck64)) Giovanni Antonio del Riccio (Sohn des Giovanni del Riccio), Tän­zer (ab 1677 in Wien nachweisbar) OMeA 3 Konv. 1 fol. 40v - 41r (1677 März 16, Referat mit Resolution): Bittgesuch des Giovanni del Riccio aus Florenz um Aufnahme als kaiserlicher Hoftän­zer oder um finanzielle Unterstützung für den musikalischen Unterricht seiner Tochter Anna Maria65). Der Obersthofmeister meint, Riccio könne sich in Anbetracht der Tatsache, daß in Wien momentan keine Tanzmeistersstelle frei sei, damit zufriedengeben, daß seiner Tochter der Unterhalt und ihm die Hälfte der Besoldung, die er in Innsbruck erhalten habe, bezahlt werde. Leopold I. trifft vorläufig keine Entscheidung. OMeA 3 Konv. 3 fol. 21r und OMeA Prot. 4 p. 39 - 40 (1677 August 14, Re­ferat mit Resolution): 64) Vgl. Walter Senn Musik und Theater am Hof zu Innsbruck. Geschichte der Hof­kapelle vom IS. Jahrhundert bis zu deren Auflösung im Jahre 1748 (Innsbruck 1954) 297. Giovanni Riccio (Rizzio), Violinist (1670-77), vor 1665 Tanzmeister am erzherzogli­chen Hof in Innsbruck, wird nach der Hofstaatsauflösung auf Grund des Todes des Erz­herzogs Sigmund Franz, des letzten Landesfürsten von Tirol, im Jahre 1665 für die bei­den Prinzessinnen Claudia Felicitas und Maria Magdalena im Dienst behalten, 1670 als Hofmusiker aufgenommen und ist ab 1676 gleichzeitig als Tanzmeister der neugegrün­deten Universität tätig; nach einem Jahr heißt es (2. November 1677), er sei nach Wien abgereist. 65) Vgl. zur Tochter Anna Maria del Riccio auch: HHStA OMeA Prot. 4 p. 50-51 (1677 Dezember 14, Resolution) Anna Maria hatte als Mitglied des Hofstaates der Kaiserin Claudia Felicitas bisher Tafel und Unterhalt bei Hof und bittet nun, daß es ihr ermög­licht werde, sich musikalisch weiterzubilden; ab Anfang 1678 soll sie im Hause ihres Vaters wohnen und statt der bisherigen Hoftafel bis zu ihrer Standesveränderung 250 Gulden jährlich erhalten, davon 100 Gulden an sie selbst für ihre Kleidung und 150 Gulden an ihren Vater für ihren übrigen Unterhalt. 53

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