Andrea Sommer-Mathis: Ergänzungsband 11. Die Tänzer am Wiener Hofe im Spiegel der Obersthofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokolle bis 1740 (1992)
Andrea Sommer-Mathis Bitte um kaiserliche Resolution wegen seiner Aufnahme als Hoftänzer. Er halte sich bereits seit drei Monaten mit seinem Sohn Giovanni Antonio „mit nicht geringen seinen Unkosten“ in Wien auf. Der Obersthofmeister referiert, Giovanni del Riccio seien ab 1. April 1677 jährlich 300 Gulden für ihn selbst und 100 Gulden für seinen Sohn versprochen worden, doch wisse man nicht, ob seine Dienste in Wien überhaupt benötigt werden. Sollte sich der Kaiser für seine Aufnahme entscheiden, so dürfe man nicht vergessen, daß er bereits 350 Gulden aus Innsbruck beziehe. In diesem Fall müsse er seine Tochter Anna Maria zu sich nehmen, für die dann auch die Verköstigung an der Hoftafel aufgehoben wäre. Leopold I. hält Riccio für einen guten Tänzer, den man vielfach einsetzen könne und ist bereit, ihm die geforderten 400 Gulden zu gewähren, weil es gleichgültig sei, ob er seine Besoldung in Wien oder in Innsbruck angewiesen erhalte. Die Tochter solle er zu sich ins Haus nehmen. Anweisung von 300 Gulden für Giovanni del Riccio und 100 für seinen Sohn ab 1. April 1678. OMeA 3 Konv. 4 fol. 41v - 42r und OMeA Prot. 4 p. 86 (1678 August 23, Referat mit Resolution): Bittgesuch um Besoldungsverbesserung gleichzeitig mit der Gratulation zur Geburt Erzherzog Josefs, des späteren Kaisers Josef I. Der Obersthofmeister hält den Zeitpunkt für eine Gehaltserhöhung für verfrüht, rät aber dem Kaiser zu einem Geldgeschenk als Motivation für den jungen Tänzer. Einmalige Anweisung von 100 Gulden. Die Familie Riccio scheint in den Obersthofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokollen in den folgenden Jahren nicht weiter auf. Es ist wahrscheinlich, daß sie den Wiener Hof bald wieder verlassen hat. Tobias Gumpenhu(e)ber (Vater des Hoftänzers Philipp Gumpen- huber), Hoftänzer (ab 1701) und Edelknabentanzmeister der Kaiserin Eleonore Magdalena (1705-20) OMeA 12 fol. 122r-123r und OMeA Prot. 6 fol. 163v-165r (1701 März 22, Referat mit Resolution); OMeA 12 fol. 123r und OMeA Prot. 6 fol. 165r (1701 Juni 21, Bescheid): Bittgesuch um eine Hoftänzerstelle unter Verweis auf seine Auftritte in verschiedenen Balletten, zuletzt im Rahmen einer Oper, die in Wiener Neustadt in Gegenwart des Kaisers auf geführt wurde66). Er „hette diese seine in der frembde erlehmete profession zimblich begrieffen ..., zudeme were er willens, seinen Lutherischen Irthumb zu ver66) „II Gordiano pio“ (Text: Donato Cupeda, Musik: Marc’Antonio Ziani, Ballettmusik: Johann Joseph Hoffer, Ballette: Francesco Torti, Kampfszene: Domenico Dalia Vigna, Bühnenbild: Ludovico Ottavio Burnacini) wurde am 26. August 1700 anläßlich des Geburtstags Josefs 1. und nicht, wie Hadamowsky schreibt, anläßlich der Geburt des Thronfolgers (Erzherzog Leopold Josef wurde erst am 29. Oktober 1700 geboren!) in der Wiener Neustädter Burg aufgeführt, vgl. Herbert Seifert Oper am Wiener Kaiserhof 118, 246, 385, 566. Franz Hadamowsky Barocktheater am Wiener Kaiserhof 96. 54