Andrea Sommer-Mathis: Ergänzungsband 11. Die Tänzer am Wiener Hofe im Spiegel der Obersthofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokolle bis 1740 (1992)

Die Tänzer am Wiener Hofe templada q’esta de Alemania“16). Laut dieser Krankschreibung betätigte sich Frias auch als Tanzlehrer der spanischen und deutschen Hofdamen. 1636 kehrte Frias tatsächlich nach Madrid zurück, vor Ablauf der acht Jahre, für die er verpflichtet worden war, und ohne vorher die Genehmi­gung des spanischen Königs ein geh olt zu haben. Da er jedoch Empfeh­lungsschreiben vom Wiener Hof mitbrachte, nahm man ihn wieder in spanische Dienste; er starb am 12. August 1652 in Madrid17). Im folgenden werden die biographischen Daten der Tänzer und Tanz­meister am Wiener Hofe im 17. und 18. Jahrhundert regestenmäßig in der Form zusammengestellt, wie sie sich aus den Obersthofmeisteramts­akten und Hofparteienprotokollen des Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Wien erschließen lassen. Für eine intensivere Beschäftigung mit einzel­nen Tänzerpersönlichkeiten wären weitere Quellen heranzuziehen, et­wa die Hofstaatsverzeichnisse und Hofschematismen, die Hofzahlamts­und Hofquartierbücher, ebenso die Totenprotokolle der Stadt Wien18) so­wie Testamente und Abhandlungen aus dem Bestand des Obersthofmar­schallamtes. Die Reihenfolge der dargestellten Personen ergibt sich aus dem Zeit­punkt des Einsetzens ihrer Tätigkeit am Kaiserhof; in der Wiedergabe der Daten wird die Chronologie der Akten gewahrt. Die zeitliche Spanne der Quellen umfaßt etwa hundert Jahre: die frühesten Dokumente stam­men aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, die letzten von 1740, dem To­desjahr Kaiser Karls VI.; danach beginnt mit der Aufnahme des Theater­betriebes im Hofburgtheater ein neuer Abschnitt auch in der Wiener Ballettgeschichte. Ein grober Überblick über die personelle Entwicklung des Berufsstan­des der Tänzer am Wiener Hof sowie einige allgemeine Bemerkungen 16) HHStA OMeA SR Varia 367: n. 11 (1633^12 Eingaben an den Obersthofmeister der Kaiserin Maria, Franz Christoph Graf Khevenhüller, in Angelegenheiten des Hofstaates der Kaiserin). 17) Vgl. BN Mss. 14 018/24: „Volvió Manuel de Frias de Alemania por fin del ano de 636 y por haber venido sin licencia del Rey nuestro Senor se reparó en cumplir el asien- to de arriba, pero habiendose referido de su parte en el bureo las causas que tuvo para venirse y presentado licencia y cartas de recomendacion que trajo de los Reyes de Vngría, parecio que se le debia cumplir el dicho asiento, y en esta conformidad se hicieron diveriar consultas á S. M. y fui servido de resolver que el dicho Manuel de Frias goce la dicha merced de maestro de danzar de la Reina nuestra Senora despues que se hayan pasado los ocho anos que estaba obligado á servir en Alemania,. ..“ 18) Vgl. Gustav G u g i t z Die Totenprotokolle der Stadt Wien als Quelle zur Wiener Theatergeschichte des 18. Jahrhunderts in Jahrbuch der Gesellschaft fiir Wiener Theater­forschung (Wien 1958). 11

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