Friedrich Würthle: Ergänzungsband 9. Dokumente zum Sarajevoprozeß. Ein Quellenbericht (1978)

Das Attentat von Sarajevo

31 der Belgrader Staatsdruckerei Alexander vorgestellt wurde. Dann spricht A. v. W. von einem Brief „eines ehemaligen k. u. k. Beamten an eine hochge­stellte Persönlichkeit27) der früheren bosnisch-herzegowinischen Landesre­gierung, in dem ausgeführt wird: „Wie Eure Exzellenz wissen, wurde ich nach dem Morde in Sarajevo in das Präsidial- bureau der Landesregierung einberufen und war dort mit dem Chiffrieren der Berichte über den Gang der Untersuchung des Verbrechens betraut. Ich erinnere mich deutlich, daß eines der letzten Telegramme der b. h. Landesregierung an das Gemeinsame Fi­nanz-Ministerium in der Angelegenheit der Untersuchung, welches ich ... zu chiffrie­ren hatte, ein Geständnis Princips vor dem Untersuchungsrichter [Pfeffer, d. A.] bein­haltete, welches Princip in den Tagen zwischen dem 23. u. 25. Juli (glaube ich) ge­macht hatte. Princip gestand, daß er durch den bekannten Major Tankosic - ich glaube mich zu erinnern in Top cider — dem damaligen Kronprinzen, jetzigen König Alexander, vorgestellt wurde, als einer, der für eine wichtige Mission auserwählt sei A. v. W. schloß die Veröffentlichung dieses Briefes mit der Bemerkung, die vorliegenden Verdachtsmomente einer Mitwisserschaft des jetzigen Königs von Jugoslawien zeigten erneut die Notwendigkeit einer Untersuchung des Attentats vor einem internationalen Schiedsgerichtshof. Nach Zeitungsmitteilungen28) mußte auf diesen Artikel hin der deutsche Ge­sandte in Belgrad „beim dortigen Außenministerium mit Entschuldigungen vorstellig werden“. Gleichzeitig meldete sich der ehemalige Untersuchungs­richter Pfeffer in einem Agramer Blatt mit der Behauptung, Princip hätte ihm gegenüber niemals erklärt, daß er dem damaligen Thronfolger Alexander vorgestellt worden wäre. Infolgedessen seien die Angaben der Berliner Revue „die allerärgsten Verleumdungen ...“. Auch die Behauptung, für das Ver­brechen sei das Kabinett Pasié verantwortlich, wäre eine Verleumdung. Pfef­fer hielt es noch für richtig, hervorzuheben, er sei nach dem Umbruch in Pension gegangen, gut situiert und unabhängig. Auch er schloß seinen Arti­kel mit der Forderung nach einem internationalen Gerichtshof29). Unmittelbar darauf, am 10. August 1926, schrieb Baron Collas an Regie­rungsrat Ingomar-Ivasiuk, die deutsche Organisation zur Erforschung der Kriegsschuld habe ihn gebeten, aufzuklären, ob Princip in der Untersuchung ausgesagt habe, er sei durch Major Tankosic (oder jemand anderen) dem da­maligen Regenten Alexander vorgestellt worden, „was eine Mitwisserschaft dieses famosen Königs bestätigen würde ...“. Collas fuhr dann fort, er erin­nere sich noch daran, „daß Cabrinovic in einer Belgrader Druckerei dem Alexander gezeigt und vorgestellt“ wurde30). Ein direkter Zusammenhang zwischen dieser Vorstellung und dem Attentat habe sich jedoch nicht erge­27) Die Umstände lassen auf Collas oder einen Beamten, der unmittelbar mit die­sem zu tun hatte, schließen. 28) Neues Wiener Tagblatt 1926 Juli 24. 29) Leo Pfeffer Istrazni sudija o sarajevskom atentatu in Obzor (Zagreb) 1926 Juli 22. 30) Diese Zusammenkunft in der Belgrader Staatsdruckerei hat Cabrinovic einge­standen.

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