Friedrich Würthle: Ergänzungsband 9. Dokumente zum Sarajevoprozeß. Ein Quellenbericht (1978)

Der Revisionsprozeß

92 von Saloniki und das Echo dieses Ereignisses - Die geheimen Ermittlungen von Salo­niki - Wie das Attentat auf den Regenten inszeniert wurde - Zwei Anklageschriften des Militäranklägers - Apis’ Kameraden sagen vor Gericht aus - Das Gericht verhört Rade Malobabic, der des Attentates auf den Regenten angeklagt ist - Muhamed Meh- medbasic vor Gericht — „Das alles ist reine Unwahrheit“ - Das Apis- oder Alexan­der-Tor der Säbel — Gerichtliche Einvernahme des Apis - Wer waren die Zeugen im Saloniki-Prozeß? - Falsche Zeugen - Die Angeklagten verteidigen sich - Das Urteil des Militärgerichtes in Saloniki und die Verfolgung der Organisationsmitglieder — Die Todesstrafe wurde ,unweit von Saloniki, links von Mikra1 vollzogen - Krise der Regie­rung Pasié — Der Saloniki-Prozeß und das Attentat von Sarajevo - Der Saloniki-Pro­zeß und die Verhandlungen über einen Sonderfrieden mit Österreich-Ungarn - Die Statuten der Organisation Bereinigung oder Tod1 — Die Wahrheit nach 36 Jahren - Der Saloniki-Prozeß vor dem Obersten Gerichtshof der Volksrepublik Serbien — Das Urteil des Obersten Gerichtshofes der Volksrepublik Serbien. Aus dem Kapitel ,Der Saloniki-Prozeß und das Attentat von Sarajevo1 seien hier wichtige Stellen wiedergegeben1): ,Vom Zusammenhang des Prozesses von Saloniki mit dem Attentat von Sarajevo zeugt ein Dokument, dessen Inhalt der Öffentlichkeit zum Teil bekannt ist: Das ist der ver­trauliche Rapport des Obersten Dragutin Dimitrijévié-Apis vom 28. März 1917, auf dessen Verwertung er vor dem Gericht in Saloniki am 25. April verzichtet hatte. Den ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Saloniki-Prozeß und dem Attentat von Sa­rajevo kann man nicht ermessen, wenn man nicht drei historische Tatsachen ins Auge faßt, deren jede für sich und zu ihrem Zeitpunkt eminente Bedeutung für den Ablauf der Ereignisse und das tragische Ende des Dimitrijevié-Apis gehabt hat. Diese drei Tatsachen sind: erstens die Geheimuntersuchung, die in Serbien im Juni 1914 anläß­lich der Verbringung von Waffen und Personen nach Bosnien geführt wurde2), zwei­tens die Einvernahme des Obersten Dimitrijevié bei der Untersuchung im Gefängnis von Saloniki anfangs 1917 über seine Verbindung mit einigen Sarajevoer Attentätern, drittens die Vorlage des vertraulichen Rapports Dimitrijeviés während des Prozesses über die Organisierung und Durchführung des Attentates von Sarajevo zum Zwecke ’) Übersetzungaus Neskovié 258ff. 2) Über den Schmuggel von Personen, Bomben und Pistolen nach Bosnien ließen der Innenminister Stojan Protié und der Kriegsminister Dusán Stefanovié geheime Ermittlungen anstellen. Vernommen wurden in diesem Zusammenhang Oberst Dimit­rijevié, Major Vulovié und der zuständige Bezirksvorsteher. Mehrere Berichte wurden dem Ministerpräsidenten übergeben, gingen jedoch verloren. Schon 1916, beim Hoch­verratsprozeß in Banjaluka, lag eine vertrauliche Zuschrift vor, die von den k. u. k. Truppen erbeutet worden war. Sie war an den Kommandanten der 5. serbischen Grenztruppendivision in Loznica gerichtet, stammte vom Kreisvorsteher von Podrinje und trug das Datum 3./16. Juni 1914: ,Ich habe erfahren, daß Finanzfachleute über die bosnische Grenze Waffen, Munition und anderes Explosivmaterial aus Serbien durch unsere sowie durch Leute aus Bosnien nach Bosnien überführen. Durch Untersuchung in dieser Richtung habe ich festgestellt, daß vor ca. zehn Tagen [Princip passierte die Grenze in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni!] auch durch Ratko Stepanovié, Feldwebel der Grenztruppen unsererseits, nach Bosnien vier Revolver und 400 Patronen über­führt wurden, und weiters, daß derselbe Stepanovié und Milan Aniéié aus Badovnici in die Hütte des Milan Vraéovié aus Badovnici einen Koffer, in dem Bomben und Waffen waren, zwecks Übergabe an Rade Malobabié gebracht haben. Bei dieser Gelegenheit zeigte Feldwebel Stepanovié dem Vraéovié seinen schriftlichen Auftrag, auf Grund dessen er diese Arbeit vollziehe1 (Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Banjaluka 1915 August 19, S. 36, Abschrift im SAA).

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