Friedrich Würthle: Ergänzungsband 9. Dokumente zum Sarajevoprozeß. Ein Quellenbericht (1978)

Der Saloniki-Prozeß 1917

88 tentat von Sarajevo verwickelt, vor allem Oberst Dimitrijevic, über dessen Anteil noch zu sprechen sein wird. Dann der serbische Chefagent Rade Ma- lobabic, von seinem Vorgesetzten, Oberst Dimitrijevic, als Organisator des Attentats bezeichnet, ferner Muhamed Mehmedbasic; dieser gehörte zu den Mitattentätem, ihm allein gelang die Flucht. Oberst Cedomir Popovic war es, dem Dimitrijevic die Gründe mitteilte, weshalb er sich entschloß, Franz Fer­dinand ermorden zu lassen4). Endlich Major Ljubimir Vulovic: Dieser Offi­zier war im Mai und Juni 1914 Abschnittskommandant an der Grenze, und zwar dort, wo die Attentäter von Sarajevo mit Hilfe serbischer Offiziere und Finanzbeamter nach Bosnien geschleust wurden. Der Saloniki-Prozeß, der am 5. Juni 1917 beendet wurde, hatte ein Nachspiel in dem Prozeß gegen den Generalstabsobersten Milutin D. Lazarevic, der ebenfalls in Saloniki geführt und mit dem Ende November gefällten Urteil abgeschlossen wurde. Aus den Protokollen dieses Prozesses erfahren wir, daß damals bereits eine Veröffentlichung des Salonikiprozesses gegen Apis und Genossen unter dem Titel Die Geheime Umsturzorganisation im Umlauf war. Darüber schreibt Hans Uebersberger5): „Sogleich nach Abschluß des Prozesses ließ die . . . serbische Regierung (Prozeß-)Pro- tokolle in einzelnen Heften erscheinen.“ Im ersten Heft dieser Ausgabe, noch in Saloniki in der Druckerei Aquarone hergestellt, wird der Leser darüber informiert, „daß gegenwärtig die stenographischen Protokolle mit dem übrigen Prozeßmaterial nicht publiziert werden können. . . Damit aber unsere Mitbürger, die nicht Gelegenheit hatten, den Gerichtsverhandlungen beizuwohnen, über diese richtig informiert seien, wird dieser gekürzte Bericht ausgearbeitet und mit Texten einiger Dokumente, deren Veröffentlichung heute möglich ist, in einzelnen Heften gedruckt.“ Auf dem Umschlag der zweiten Ausgabe war dann nach Uebersberger zu le­sen, „daß die ganze erste Auflage und ein Teil der Originalprotokolle einem Brand in Salo­niki zum Opfer gefallen seien.“ Wie weit das richtig ist, das heißt, ob tatsächlich Protokolle auf diese Weise verloren gingen, läßt sich schwer beurteilen. Jedenfalls wurde eine zweite Ausgabe nach der Rückeroberung in Serbien verbreitet, und zwar durch die Regierung; „nach einigen Jahren kamen ihr plötzlich Bedenken, man zog sie daher wieder ein, und so sind sie schon ein Dezennium lang eine bibliogra­phische Seltenheit.“ Von diesen Protokollen gibt es eine deutsche Übersetzung, die 1933 in Berlin erschien und vom dortigen Orientalischen Seminar überprüft wurde6). In der Einleitung wird festgestellt: 4) Cedomir Popovic stand im engsten Kontakt mit Dimitrijevic; vgl. darüber Nova Europa (Zagreb) Jgg. XVI, XIX und XXV. 5) Österreich zwischen Rußland und Serbien (Graz-Köln 1958) 278 f auch für das Folgende. 6) Der Saloniki-Prozeß. Deutsche Übersetzung nach serbischen Originaltexten. Be- arb. von Hans Uebersberger (Verlag: Arbeitsausschuß Deutscher Verbände) Einlei-

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