Fritz Reinöhl: Ergänzungsband 7. Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (1963)

VII. Kurzbiographien der Leiter der Kabinette, der Kabinettsdirektoren und der Sektionschefs - 1. Die Leiter der Kabinette und die Kabinettsdirektoren

349 nischen Kasse fortbezogen hatte, zu streichen, solange er jenes Natural­quartier besäße80). Unbekannt warum scheint 1806 Kronenfels von der Leitung enthoben und Neuberg als Kabinettsdirektor bestellt worden zu sein. Eine schriftliche diesbezügliche Anordnung ist nicht zu finden. Im Schematismus erscheint er erstmalig 1807 als Kabinettsdirektor. Er er­warb sich in dieser Stellung solche Verdienste, daß er am 19. Februar 1809 zum wirklichen Hofrat mit jährlich 5000 fl. Gehalt ab 1. Februar jenes Jahres ernannt wurde81). Am 15. Mai 1817 verlieh ihm Kaiser Franz überdies den Rang eines wirklichen Staats- und Konferenzdirek­tors 82). Wanige Jahre später, am 4. Oktober 1821, ist Neuberg, sechzig Jahre alt, in seiner Wohnung in der Hofburg gestorben83). In den Staats­schematismen erscheint Neuberg von 1814 an als Adeliger mit dem Ehren­wort von; über seine Standeserhebung ist in allen in Betracht kommen­den Quellen nichts zu finden 83a). Anton (seit 20. 7. 1835 Freiherr von) Martin. Martin soll am 22. September 1760 in Wien geboren worden sein 84). 1797 taucht er im Staatsschematismus als Gubernialsekretär, seit 1799 dann auch als Präsidialsekretär des mährisch-schlesischen Guberniums auf, 1802 oder 1803 wurde er in die österreichische Hofkanzlei übernommen, in der er bis zum Hofrat aufstieg 85). Nach dem Tode des verdienten Neuberg er­nannte ihn Kaiser Franz am 14. Jänner 1822 zum „Direktor Meines ge­heimen Kabinetts“ 8e). Am gleichen Tag erließ der Kaiser eine Instruk­tion für den Kabinettsdirektor und das ihm untergeordnete Personal, das insofern eine neue Organisation der Geschäftstätigkeit bedeutete, als der Kaiser dem eingetretenen Brauch, daß jedem Kabinettsbeamten ein be­stimmter Wirkungskreis zukam, einem Brauch, der dem Kaiser ungeeig­80) Ausweis der Besoldungen der Kabinettsindividuen unterbreitet von Neuberg 18. 5. 1803 KFA., Fasz. 41, I a. 81) B 175 c an Graf Wrbna, Kurr. Bill. Prot. 82) Handschreiben an Obersthofmeister Graf Trautmannsdorf und den Vize­präsidenten der Polizeihofstelle Graf Sedlnitzky, Abschriften in Fischer, Chro­nik der Kabinettskanzlei, S. 44 f., Or. an Sedlnitzky OAKA., Kart. 1, Konv. A, ferner B 321 s Sep. Bill. Prot., vgl. auch B 349 s vom 24. 5. 1817 ebenda. 83) Wiener Zeitung Nr. 232 vom 9. 10. 1821, S. 928, Todfallsrelation OMeA., IV 1081. 83a) Es wurden vergeblich durchsucht die Archive der Kabinettskanzlei, des Obersthofmeisteramtes, die Reichsregisterbücher und im StAI. die Adels­akten der Reichskanzlei und der Hofkanzlei. Selbstverständlich versagte auch die einschlägige Literatur. 84) Bermanns Zettelkatalog. 85) Vgl. die Schematismen, ab 1804 Hofsekretär, ab 1812 Regierungsrat, ab 1818 Hofrat. Die bezüglichen Akten der Hofkanzlei sind nicht erhalten. 88) B 47 s an Fürst Trautmannsdorf Sep. Bill. Prot., vgl. auch B 50 s vom gleichen Tag, ebenda. Wenige Monate später, am 25. April, bewilligte der Kai­ser Martin, außerhalb der Burg zu wohnen. B 454 c an Graf Wrbna und 455 c an Graf Trautmannsdorf Kurr. Bill. Prot.

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