Fritz Reinöhl: Ergänzungsband 7. Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (1963)

VII. Kurzbiographien der Leiter der Kabinette, der Kabinettsdirektoren und der Sektionschefs - 1. Die Leiter der Kabinette und die Kabinettsdirektoren

343 Indigenat in Ungarn verliehen wurde, wurde am 14. Dezember 1765 in den erbländischen Freiherrnstand erhoben. Nenny, der mit Marie Leb­zeltern vermählt war31), erlitt am 26. Dezember 1775, als er im Hof­theater sich an einem Ballett ergötzte, einen Schlaganfall, dem er am 6. Jänner erlag 32). Karl Joseph (seit 28. 7. 1770 Freiherr) von Püchler, aus Wien gebürtig, einer alten österreichischen Beamtenfamilie ent­stammend, leistete seit 1742 Dienst im Kabinett Kochs, wo er als Konzipist und Reinschreiber tätig war. Ohne daß seine Arbeit im Kabinett hiedurch berührt worden wäre, wurde er 1744 zum Konzipisten, 1751 zum gehei­men Sekretär und 1752 zum k. k. Rat im Directorium in publicis et cameralibus ernannt. Wiederholt vertrat er Koch, wenn dieser abwesend oder erkrankt war. Nach Kochs Tod, am 17. Februar 1763, wurde er zum „geheimen Secretarius bei dem Cabinet“ ernannt 33). Er führte die Fami­lienkorrespondenz, die bisher Nenny obgelegen war, und übernahm von dem Wirkungskreis Kochs die geheime Korrespondenz und die Leitung der Ziffernkanzlei34). Am 22. Oktober 1770 zum „geheimen Cabinets- Secretär“ ernannt35) übernahm er nach Nennys Tod am 6. Jänner 1776 auch dessen Kabinett. Püchler war, wie die zahlreichen von seiner Hand stammenden Konzepte, Reinschriften, Abschriften und Ausarbeitungen zeigen, ein ungemein fleißiger Arbeiter, den Maria Theresia ob seiner Treue und unverbrüchlichen Verschwiegenheit besonders schätzte. Ihrem Dank gab sie durch seine und seines Bruders des k. k. Rates und obersten Hofgerichtsasessors Johann Christoph Erhebung in den erblichen öster­reichischen Freiherrnstand, die am 28. Juli 1770 erfolgte, Ausdruck36). In ihrem Testament bedachte sie ihn mit einer Tabatiére mit ihrem Porträt37). Obwohl Joseph II. seine Geisteskraft nicht hochgeschätzt zu haben scheint 38), zog er ihn zu Aushilfsarbeiten in Reichsgeschäften her­an. Nach Maria Theresias Tod übertrug er ihm die Leitung der nunmehr vereinigten Kabinette; er beließ ihm auch die Leitung der Ziffernkanzlei. Am 9. Dezember 1786 wurde Püchler mit Wirkung vom 1. Dezember in den Ruhestand versetzt39). 31) f 1- 2. 1740 vierzigjährig, Arneth et Geffroy, Maria Antoinette, Bd. 1, S. 409. 32) Arneth, Maria Theresia an Kinder und Freunde, Bd. 1, S. 349, Bd. 2, S. 3, Bd. 3, S. 210. Arneth et Geffroy, a. a. O., Bd. 2, S. 414, Archiv für siebenbürg. Landeskunde, Bd. 31, S. 121 ff. Nr. 92—96, Tagebuch Zinzendorf 26. 12. 1775. 33) Dekret, OKA., Dekretenbuch, Heft 6, ZI. 299. s«) S. S. 16, 20. 35) OMeA., Hofprot. in Parteisachen, fol. 266 v. 36) OKA., D 37, StAL, Gratialregistratur. 37) Arneth, Maria Theresia, Bd. 10, S. 140. 38) Arneth, Maria Theresia und Joseph II., Bd. 3, S. 329. 39) Jubilierungsdekret OKA. ZI. 274/1786 auf Grund des Billet 936 vom 7. 12.

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